Corona aktuell: Darf ich meine Familie noch besuchen?

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, gilt es, soziale Kontakte einzuschränken – und andere zu schützen. Wie sieht es mit der eigenen Familie aus?

Jeden Tag gibt es neue Nachrichten zum Corona-Virus, dessen Ausbreitung von der WHO nun als Pandemie eingestuft wurde. Langsam aber sicher wird jedem klar: Es handelt sich schon lange nicht mehr um Panikmache. Jetzt ist das Handeln jedes einzelnen gefragt, um das Corona-Virus und dessen Ausbreitung soweit möglich einzudämmen – oder zumindest hinauszuzögern. "Flatten the curve“, lautet das Motto, das so viel heißt, wie: Lasst uns dafür sorgen, dass sich so wenig Menschen wie möglich gleichzeitig mit Covid-19 infizieren. Andernfalls droht eine Überlastung des Gesundheitssystems, wie wir sie in Italien bereits beobachten müssen.

Die wichtigste und damit auch schwierigste Maßnahme lautet derzeit: Soziale Kontakte auf das Nötigste beschränken. Das dient nicht nur dem eigenen Schutz – sondern vor allem dem der Risikogruppe. Erst kürzlich empfahl der Virologe Prof. Christian Drosten, Kinder bis September/Oktober nicht mehr zu den Großeltern zu geben. Zu groß sei das Ansteckungsrisiko. 

Aber was heißt das für uns? Sollten wir unsere Eltern nicht mehr besuchen? Familientreffen absagen? Wir haben bei Dr. Thomas Voshaar nachgefragt. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers und klärt auf.

Wir haben Corona-Fragen – Dr. Voshaar antwortet

Dr. Voshaar, wir fragen uns: Wenn man Kinder nicht mehr zu den Großeltern geben soll – was ist denn mit uns? Müssen wir Besuche unserer Familie im Risikoalter nun sicherheitshalber einstellen?

"Definitiv. Man soll Großeltern nicht mehr so viel besuchen, dasselbe sagt man auch im Krankenhaus und im Altenheim.

Besuche sollte man auf das Allernötigste beschränken. Denn wir wissen, dass die ganzen Lungenentzündungen zu einem extrem großen Teil bei den alten Leuten im gleichen Haus von den Kindern übertragen wird, ohne dass sie selber krank werden. 

Also klare Antwort: Man soll selbst, ob Mutter, Vater oder Enkelkind, jetzt Großeltern und die Leute, die zur Risikogruppe gehören, meiden."

Wer zur Corona-Risikogruppe gehört, erklärt Dr. Voshaar hier

Also sollte selbst ich, Ende 20 und kinderlos, meine Eltern, über 60, trotzdem lieber nicht sehen?

"Ja. So wenig Kontakte wie möglich. Sie können natürlich Überträger sein, ohne dass Sie selbst etwas merken. Dann sollten Sie sich besser jetzt so wenig wie möglich sehen – man telefoniert lieber, man kann Skype einrichten und so Kontakte pflegen."

Was mache ich, wenn ich kein Risikopatient bin – aber mit einer Risikogruppe zusammenlebe – seien es der Partner, Kinder, Eltern oder WG-Mitglieder?

"Ja, da haben Sie natürlich, wenn Sie in einer Gemeinschaft oder in Familie leben, wenig Möglichkeiten, sich aus dem Weg zu gehen. Dann müssen Sie aber in einer ganz besonderen Weise aufpassen, dass Sie das Virus nicht in Ihre Familie hineinbringen. Dass Sie sich im Alltag besonders sorgfältig mit der Händedesinfektion verhalten, aber letztlich auch, dass man so wenig soziale Kontakte pflegt, wie nur möglich. Das ist derzeit tatsächlich der richtige Weg."

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Sollte ich auch von zu Hause arbeiten?

"In vielen Berufen kann man das, wenn man nicht gerade mit den Händen etwas schaffen muss. Aber da jetzt alle zu Hause bleiben sollen, dann muss das eben auch wirklich funktionieren. Vielleicht gibt das auch nochmal einen Aufschwung, mehr Leute zu Hause zu lassen und das Netz in Deutschland besser auszubauen."

Kann man derzeit abschätzen, wie lange die soziale Isolation dauern wird?

"Man kann weder aktuell richtig einschätzen, wie die Welle weitergeht, noch wie es mit der Infektiosität und Sterblichkeit aussieht. Deswegen ist es im Moment nur sinnvoll, sich erstmal zurückzuhalten und einzuschränken, damit die Welle nicht so schnell über uns hinweg rollt. Sonst könnte man ja sagen, lasst die Welle doch einmal über uns hinweglaufen, dann haben wir es hinter uns. Dann sind 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung durchseucht und dann stoppt das ja. Aber wir haben natürlich Angst, dass dann so viele Menschen auf einmal krank werden, dass das Gesundheitssystem überfordert ist. Das ist der einzige Grund, die Welle zu verlangsamen. Aber dadurch weiß man natürlich auch nicht, wie lange es noch dauert.“

Herzlichen Dank für das Gespräch, Dr. Voshaar.

Also, es gilt: Durchhalten. Denn durch soziale Isolation kann letztendlich jeder von uns andere Menschenleben schützen – und das sollte uns ein wenig Einsamkeit doch wert sein, oder?!

verwendete Quelle: Interview Dr. Thorsten Voshaar

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