Coronavirus: Ich möchte keine Panik bekommen, aber …

Wie sollen wir dem Coronavirus begegnen? Unser Kollege sucht den richtigen Mittelweg zwischen Panik und Naivität – und kommt unangenehmen Wahrheiten auf die Spur.

Ich bin ein sachlicher Mensch, würde ich sagen. Pragmatisch, nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Das Coronavirus macht mir keine Angst. Oder sollte ich eher sagen: Es hat mir lange Zeit keine Angst gemacht …

Die Situation verändert sich – oder ändert sich mein Blick?

Ich merke an mir selber, dass sich mein Umgang mit der Situation verändert. Und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das gut finde. Inzwischen finde ich mich in einem Spannungsfeld wieder, das ich schwer auszuhalten finde. Ich möchte keine Angst oder gar Panik vor dem Virus haben – ich möchte die Situation aber auch nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Ja, das Coronavirus ist das beherrschende Thema seit Wochen. Allerdings gibt es inzwischen so viele Meinungen, Einschätzungen und Analysen, dass ich selber das Gefühl habe, gar nicht mehr klar zu sehen. Was habe ich in den letzten Wochen nicht alles gehört?

  • "Das Virus ist hochansteckend"
  • "An einer normalen Grippe sterben viel mehr Menschen"
  • "Besonders ältere Leute und Patienten mit Vorerkrankungen sind gefährdet"
  • "Im Frühjahr stirbt das Virus von allein aus"
  • "Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um die Epidemie einzudämmen"

Ist dieses Virus nun hochgefährlich? Sind die Warnungen nur Panikmache? Stimmt am Ende beides? Ich gebe zu: Ich bin sehr verunsichert – und es fällt mir schwer, diese Unsicherheit auszuhalten. Ich neige nicht zur Panik und finde Hamsterkäufe irgendwie albern – und dennoch möchte ich nicht unvorbereitet und blauäugig in eine Gefahrensituation laufen.

So schlimm wird's schon nicht – oder doch?

"Du solltest das nicht auf die leichte Schulter nehmen, gerade du als Risikopatient", sagt mein Mann mir ständig, der ohnehin viel vorsichtiger ist als ich. Risikopatient? Ich? Ich bin 37 und fühle mich kerngesund! Okay, ich habe eine Vorerkrankung der Lunge (Asthma), aber das hat mich schon lange nicht mehr eingeschränkt, mein letzter Anfall liegt Jahre zurück. So schlimm wird's schon nicht sein. Aber wer kann mir das schon garantieren?

Ich fahre jeden Tag eine Stunde mit der Bahn nach Hamburg zur Arbeit. Ein voller Pendlerzug – das ist natürlich ein Wohlfühlort für Viren und Ansteckungen. Lauert Corona zwischen Elmshorn und Hamburg-Dammtor auf mich? Kann ich mich schon anstecken, wenn ich den Türöffner betätige? Ich habe keine Sorge davor. Ich fühle mich sicher. Aber wer kann mir das schon garantieren?

Desinfektionsmittel ausverkauft? Ganz einfach selber herstellen!

Ich weigere mich weiter, Angst vor Corona zu haben. Aber ich habe mich nun entschieden, etwas vorsichtiger zu sein. Weil man ja nie wissen kann. Weil Vorsicht ja immer besser ist als Nachsicht. Weil ich nicht blauäugig sein will. Ich werde nun erstmal den Zug meiden und aus dem Homeoffice arbeiten – es geht ja auch problemlos.

Am Ende geht es ums Aushalten

Habe ich nun meinen Umgang mit dem Coronavirus gefunden? Nein. Ich bin mir immer noch unsicher, wie ernst ich das Ganze nehmen soll. Ich bin Pragmatiker, aber ich will kein Dummkopf sein.

Ich habe in meinem Leben zwei unangenehme Wahrheiten gelernt, die mir nun auch im Umgang mit dem Coronavirus wieder begegnen:

  1. Es gibt im Leben keine Sicherheiten
  2. Manchmal müssen wir Widersprüche einfach aushalten 

Also akzeptiere ich, dass es keinen "richtigen" Umgang mit der Situation gibt. Ich kann ihr nur so begegnen, wie es sich richtig anfühlt, gleichzeitig die Situation beobachten und immer neu bewerten. Nur weil ich gestern gedacht habe, dass es so schlimm wohl nicht werden wird, muss das ja nicht auch morgen gelten …

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