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Corona aktuell Werden Klimaanlagen zu Corona-Schleudern?

Corona aktuell: Klimaanlage
© kostasgr / Shutterstock
Ob in Bahn, Büro oder Flugzeug – überall pustet die Klimaanlage. Aber können die Lüftungssysteme das Coronavirus verbreiten? 

Besonders wahr nehmen wir sie eigentlich nur im Sommer. Dabei pustet sie eigentlich die ganze Zeit – und nahezu überall. Klimaanlagen sind in Büros, Geschäften, Flugzeugen und Restaurants zu finden. Sie sollen stets für frische Luft sorgen. Doch was passiert eigentlich, wenn sie dabei auf Coronaviren stoßen?

Diese Frage stellen sich viele Menschen spätestens seit dem Corona-Skandal im Schlachtbetrieb Tönnies. Hier infizierten sich vor einigen Wochen innerhalb kürzester Zeit über 1.000 Mitarbeiter. Grund dafür sollen nicht nur die kritischen Arbeitsbedigungen, sondern auch die Belüftung der Schlachträume gewesen sein. Um kalte Temperaturen zu sichern, soll hier Luft entzogen, heruntergekühlt und wieder in den Raum gepustet worden sein, so Hygiene-Experte Martin Exner zu "ZDF". Die Fälle sorgen für Verunsicherung: Könnten Klimaanlagen also eine gefährliche Rolle in der Verbreitung des Coronavirus spielen?

Corona-Übertragung durch Klimaanlagen "grundsätzlich denkbar"

Das Bundesamt für Umwelt hält es für "grundsätzlich denkbar, dass diese Viren über Lüftungsanlagen übertragen werden können". Es sei zwar noch nicht abschließend gesichert, wie lange sich das neue Coronavirus über Aerosole in der Luft halten würde, vergleichbare Viren könnten aber durchaus über mehrere Stunden infektiös sein. Bei reinen Umluftsystemen könnten sich diese somit im Raum verbreiten.

Ähnlich alarmierend sind die Ergebnisse einer Studie aus China. Dort wurde die Belüftung von Restaurants untersucht, nachdem sich gleich mehrere Gäste mit dem Coronavirus ansteckten. Heraus kam: Ein Risiko würden besonders Anlagen ohne Frischluftzufuhr darstellen. Diese könnten die Luft mitsamt Aerosole nämlich einfach nur im Raum verteilen. In Deutschland seien solche Lüftungsanlagen ohne Frischluft in Büroräumen und Restaurants jedoch sogar verboten, wie unter anderem Quarks berichtet.

Gute Filter und Frischluft verringern Corona-Risiko

Auch das Bundesamt für Umwelt gibt grundsätzlich Entwarnung: In modernen Klimaanlagen und Lüftungen sollten die Lufströme sich in der Regel nicht begegnen. Heißt: Luft aus dem Raum wird eingesogen, kommt aber nur über einen Wärmeübertrager in Kontakt mit der Zuluft. Wenn sichergestellt ist, dass die eingesogenen Luft somit nur gefiltert wieder ausgestoßen wird, sollte kein Risiko zur Übertragung des Coronavirus herrschen. Voraussetzung dafür sei jedoch eine regelmäßige Wartung und Kontrolle der Lüftungsanlagen, betont das Bundesamt für Umwelt abschließend.

Besonders effektiv sind sogenannte HEPA-Filter, die bisher vornehmlich in Flugzeugen und OP-Sälen im Krankenhaus eingesetzt werden und 99,9 Prozent der Luftpartikel filtern können. Doch auch in Fortbewegungsmitteln wie der Bahn seien die Lüftungsanlagen kein Risiko, wie ein Sprecher dem "ZDF" gegenüber versicherte. Die Luft werde getrocknet und gefiltert, weshalb die Übertragung von Tröpfchen als "äußerst unwahrscheinlich" gelte.

Schlussendlich ist die Übertragung des Coronavirus über eine Klima- oder Lüftungsanlage also prinzipiell möglich. Das Risiko kann durch korrekte Wartung, moderne Filter und Frischluftzufuhr aber gering gehalten werden. Einfach Abschalten sollte man die Klimaanlage also nicht, schließlich würde dann die Luft stehen und gar kein Austausch stattfinden.

Für die Praxis heißt das: Möglichst viel selbst lüften! Wer sich schützen möchte, sollte in Restaurants und Cafés noch immer den Außenbereich präferieren. Und auch in geschlossenen Räumen, wie im Büro, sollte regelmäßig gelüftet werden. Offene Fenster und Türen können für einen konstanten Luftaustausch sorgen. 

verwendete Quellen: Bundesamt für Umwelt, Quarks, ZDF, RKI, Deutsche Apothekerzeitung


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