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Corona aktuell Schlagen Schnelltests bei Geimpften nicht an?

Corona aktuell: Corona-Schnelltest
© Bihlmayer Fotografie / Shutterstock
Die Corona-Infektionen steigen weiter, währenddessen gibt es Gerüchte, dass Schnelltests bei Geimpften gar nicht anschlagen würden. Wir haben bei einem Arzt nachgefragt.

Deutschland bricht aktuell täglich neue Rekorde bei den Höchstzahlen an Neuinfektionen seit Beginn der Corona-Pandemie. Währenddessen werden die Rufe nach kostenlosen Tests wieder lauter – auch für Geimpfte. Aber kann ein Schnelltest, wie es ihn aktuell im Supermarkt zu kaufen gibt, das Coronavirus überhaupt nachweisen, wenn man geimpft ist? 

Wie kann es passieren, dass Schnelltests bei infizierten Geimpften negativ ausfallen?

Immer wieder wird von Impfdurchbrüchen berichtet, bei denen der Schnelltest zuerst negativ ausgefallen sein soll, der PCR-Test jedoch positiv. Da diese Nachrichten zunehmend für Verunsicherung sorgen, haben wir bei einem Mediziner nachgefragt. Professor Thomas Löscher ist Arzt für innere Medizin, Tropenmedizin und Infektiologie in München und erklärt negative Schnelltests trotz Corona-Impfung wie folgt: "Bei Impfdurchbrüchen ist die Ausscheidung von Virus meist viel geringer und kürzer, sodass dies von den Antigen-Schnelltests häufiger nicht erfasst wird, während die hochempfindliche PCR-Methode auch geringe Virusmengen nachweist." 

Dazu komme eine falsche Handhabung, denn die Testung zu Hause berge nach wie vor Fehlerquellen: "Eine Rolle spielt allerdings auch die Art der Probenentnahme – ein richtiger von Gesundheitspersonal durchgeführter tiefer Nasen-/Rachenabstrich ist deutlich sensitiver (aber auch wesentlich unangenehmer) als ein von Laien durchgeführter Nasenabstrich, Spucktest oder Lolli-Test", warnt Prof. Löscher. 

Auch Virologe Christian Drosten hat sich aktuell zu der Problematik geäußert. Er sei sich mittlerweile aufgrund eigener Beobachtungen sicher, dass es einen Unterschied bei der Wirksamkeit der Schnelltests zwischen Geimpften und Ungeimpten gebe. In einem Interview in "Die Zeit" warnt er deshalb davor, sich voll und ganz auf die Tests zu verlassen. So könnten sie "bei Geimpften in der frühen Phase einer Infektion etwas weniger empfindlich reagieren". Dabei kann es durchaus sein, dass die geimpfte Person zwar hochinfektiös sei, der Test aber nicht anschlage. Grund dafür sei, dass sie vor allem auf ein Protein reagieren würden, das bei Geimpften weniger produziert würde, da sich das Virus weniger vermehre. Trotzdem halte Drosten den Einsatz der Tests weiterhin für sehr sinnvoll, um Infektionsketten möglichst früh zu unterbrechen. Die Fehlerquelle sollte man schlichtweg im Hinterkopf behalten und trotzdem Abstandsregeln einhalten. 

Nicht alle Corona-Tests sind gleich wirksam

Neben Virusproteinen und Probenentnahme gibt es einen dritten Faktor, der beeinflusst, ob ein Schnelltest bei infizierten Geimpften anschlägt oder nicht: "Schließlich gibt es auch zwischen den verschiedenen Schnelltest-Fabrikaten deutliche Unterschiede", sagt Prof. Löscher. Aktuell haben Expert:innen des Paul-Ehrlich-Instituts 122 Covid-Antigen-Schnelltests auf ihre Sensitivität untersucht – also auf ihre Fähigkeit, das Coronavirus nachzuweisen. 26 der Tests fielen durch. 

Bis Mai 2022 dürfen Testhersteller die Sensitivität ihrer Tests nämlich noch selbst angeben, die Produkte werden also von den Herstellern selbst zertifiziert. Ab nächstem Jahr solle diese Sicherheitslücke geschlossen und die Tests durch EU-geprüfte Labore durchgeführt werden, schreibt das Paul-Ehrlich-Institut.

Damit sich Verbraucher:innen im aktuellen Dschungel der vielen Schnelltests in den Geschäften besser zurechtfinden können, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Liste der Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Hier ist genau zu erkennen, welche der Tests eine hohe Sensitivität von 100 Prozent aufweisen und welche weniger. Gleichzeitig ist die Nachweisbarkeit des Coronavirus bei hoher und bei niedriger Infektiösität nachzulesen. 

"Bei entsprechender Güte erlauben Antigen-Schnelltests daher eine zeitnahe Identifizierung akut infizierter und potenziell infektiöser Personen und ermöglichen unmittelbare Maßnahmen, um die Virusausbreitung einzudämmen", schreibt das Paul-Ehrlich-Institut. Die Tests können also weiterhin eine Sicherheitsstufe sein, um sich und andere zu schützen – auch bei Geimpften. Man sollte jedoch darauf achten, dass diese gründlich und mit entsprechend wirksamen Tests durchgeführt werden.

Als Schutz vor Impfdurchbrüchen empfiehlt Prof. Löscher abschließend die aktuell diskutierten Booster-Impfungen: "Insbesondere bei Immungeschwächten, Alten und chronisch Kranken. Bei diesen ist auch eine Antikörper-Testung ein bis zwei Monate nach der Grundimpfung (zweimalige Impfung) sinnvoll. Wir brauchen aber eine Auffrischimpfung letztlich bei allen."

verwendete Quellen: Interview mit Prof. Thomas Löscher, Paul-Ehrlich-Institut, Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, DIE ZEIT

Brigitte

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