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Corona aktuell: Sind Raucher gefährdeter?

Corona aktuell: Rauchende Frau
© Srdjan Radevic / EyeEm / Getty Images
Sind Raucher gefährdeter für das Coronavirus? Wir haben nachgefragt, ob Raucher anfälliger sind – und ob sie sogar zur Risikogruppe gehören.

Mit einer Zigarette in der Hand stehen sie da. Auf dem Balkon, an der Straßenecke, neuerdings alleine, vielleicht auch zu zweit. Stark und unverwundbar, so scheinen sich zu Corona-Zeiten viele junge Menschen zu fühlen. Dabei könnte ausgerechnet der Glimmstängel zwischen ihrem rechten Zeige- und Mittelfinger, der einem Entspannung verschaffen soll, einen direkt in die Risikogruppe katapultieren.

In den letzten Wochen werden täglich, nahezu stündlich, neue Informationen zum Coronavirus publik. Der neuartige Erreger ist auch für Wissenschaftler*innen ein Unbekannter – und muss erst erforscht werden. Währenddessen herrscht große Verunsicherung in der Bevölkerung: Wann gehöre ich zur Risikogruppe? Bin ich als Raucher anfälliger? Und sollte ich jetzt damit aufhören? Diese Fragen haben wir der Verantwortlichen des medizinischen Portals "Lungenärzte im Netz" gestellt. 

Rauchen erhöht Corona-Risiko doppelt

Die Experten-Plattform hat zu dem Aspekt ein Statement des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Leiter der Pneumologie am Universitätsklinikum Regensburg veröffentlicht. Denn Prof. Michael Pfeifer ist sich sicher: Selbst wenn die Studienlage noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern kann, stellt Rauchen einen Risikofaktor für Covid-19 dar.

Zum einen beruft sich der Professor mit dieser Annahme auf bisherige Erkenntnisse zur Infektanfälligkeit von Rauchern. Normalerweise schützen uns kleine Flimmerhärchen in der Lunge vor Eindringlingen, wie Krankheitserregern. Durch das Rauchen würde dieser "Selbstreinigungsmechanismus" jedoch gestört – und das eigene Abwehrsystem geschwächt. "Das wissen wir aus dem klinischen Alltag – bei dem aktuellen Coronavirus ist es aber noch nicht nachgewiesen", erklärt Prof. Pfeifer.

Zum anderen wird davon ausgegangen, dass das Rauchen an sich nicht nur das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren erhöht, sondern vor allem das eines schweren Verlaufs von Covid-19. Zu diesem Punkt gebe es aus Wuhan sogar deutliche Erkenntnisse, wie Prof. Pfeifer berichtet. Es gebe Hinweise, dass das Risiko einer Lungenentzündung als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus für Raucher deutlich erhöht ist.

Jeder kann jetzt sein Risiko verringern

Das bestätigt auch Dr. Thomas Löscher, Infektionsarzt aus München. Im Interview mit BRIGITTE.de weist er auf die Macht des Einzelnen hin, sein Risiko zu reduzieren: "Alter können sie nicht wegzaubern, Übergewicht auch nicht. Chronische oder Grunderkrankungen können auch nicht weggezaubert werden – aber mit dem Rauchen aufhören kann jeder, und das würde dann auch durchaus etwas bringen."

Es lohnt sich also immer, mit dem Rauchen aufzuhören – denn jeder Tag gibt der Lunge die Chance, sich zu erholen. Andernfalls führt das Rauchen langfristig zu chronischen Lungenkrankheiten. 

Keine gute Nachrichten für Raucher, schließlich greifen viele Menschen gerade in Stress-Situationen zur Zigarette. Trotzdem: Einen besseren Grund, mit dem Rauchen aufzuhören, als die akute Corona-Pandemie, gibt es wohl kaum, oder? 

Du bist sicher nicht alleine mit dem Gedanken. Vielleicht schließt du dich mit Freunden zusammen? Wir haben hier noch ein paar Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören.

verwendete Quellen: Lungenärzte im Netz, dpa

mjd

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