VG-Wort Pixel

Viermal mehr Infizierte Dunkelziffer-Studie zeigt, wie verbreitet das Coronavirus wirklich ist

Corona aktuell: Paar mit Maske auf der Straße
© Vladimir Hodac / Shutterstock
Eine Antikörper-Studie zum Coronavirus legt nahe, dass die Dunkelziffer an Infizierten deutlich höher liegt. In München sollen viermal mehr Menschen erkrankt gewesen sein, als erfasst wurde.

Das Coronavirus breitet sich weiter in Deutschland aus. Wöchentlich meldet das Robert-Koch-Institut aktuell neue Negativ-Rekorde, aktuell wurden mehr als 21.000 Neuinfektionen in 24 Stunden verzeichnet. Tatsächlich könnten die Zahlen jedoch noch einmal höher liegen – das legen die Ergebnisse einer nun veröffentlichen Studie aus München nahe.

In der Stadt sollen sich bis Juni 2020 viermal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, als erfasst wurde. Das bedeutet, dass die Dunkelziffer an Covid-19-Fällen in der Gesellschaft noch einmal viel höher sein könnte, als bisher angenommen.

Wissenschaftler der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität München haben im Zuge der ersten Corona-Welle eine Antikörperstudie gestartet. Insgesamt sollen mehr als 5.300 Menschen ab 14 Jahren aus der bayerischen teilgenommen haben, womit die Studie als repräsentativ für den Raum München bewertet wird.

Viermal mehr Infizierte als erfasst

Laut Forschern hätten in der ersten Jahreshälfte zwei Prozent aller Münchner*innen bereits Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt. Das sind jedoch viermal so viele Infizierte, wie offiziell gemeldet wurden.

Die Dunkelziffer der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, dürfte somit deutlich höher liegen als die registrierten Fälle. Erkrankte, bei denen eine Infektion asymptomatisch oder nur mild verläuft, könnten nicht einmal bemerken, dass sie Covid-19 haben – und fallen somit durch das Raster. 

Es gibt jedoch noch weitere wichtige Erkenntnisse der Studie:  "Die Sterblichkeit an COVID-19 Infektionen liegt nach unseren Daten mit knapp 1% der Personen mit Antikörperbildung um ein Vielfaches über der für saisonale Grippeinfektionen", schreiben die Wissenschaftler in der Studienzusammenfassung. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist somit doch deutlich gefährlicher als eine reguläre Grippe.

Als ernüchternde Zahl geht die generelle Antikörperlage aus der Studie hervor: Man geht davon aus, dass sich die Ergebnisse auf Deutschland übertragen lässt. Selbst wenn die Dunkelziffer viermal so hoch liegt, wie die Zahl der erfassten Fälle, bewegt sie sich noch immer auf niedrigem Niveau. Wenn in München lediglich zwei Prozent der Bevölkerung Antikörper gebildet haben, ist das Land noch weit von einer Herdenimmunität entfernt.

verwendete Quellen: LMU, Der Spiegel


Mehr zum Thema