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"SO GEHT ES NICHT, LEUTE!" Wütende Eltern protestieren unter #CoronaEltern

Corona aktuell: Mutter und Tochter
© altanaka / Shutterstock
Diese Social Media-Aktion explodiert! Unter Hashtags wie #CoronaEltern und #elterninderkrise machen derzeit immer mehr wütende Eltern ihrem Ärger Luft. Sie fühlen sich in der Coronakrise von Politik und Wirtschaft allein gelassen.

Seit Wochen kämpfen die Eltern in Deutschland dank Coronakrise mit immensen Herausforderungen. Kitas und Spielplätze sind komplett geschlossen, die Notbetreuung empfinden viele als unzureichend. Auch die Schulen waren wochenlang geschlossen, jetzt öffnen sie schrittweise wieder, allerdings noch lange nicht für alle Schüler. Andere soziale Kontakte sollen vermieden werden: Die Großeltern sollen geschützt werden, außerdem gelten weiterhin die Leitlinien zur Beschränkung sozialer Kontakte.

Die Nerven sind am Limit

Die Eltern müssen zusehen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder und ihre Jobs vereinbaren können – eine Situation, die für viele zunehmend zur heftigen Krise wird. Die Nerven sind am Limit, die Existenzsorgen werden immer größer und Hoffnung ist kaum in Sicht – denn die Corona-Pandemie ist noch lange nicht ausgestanden. 

Die Kitas sollen noch monatelang geschlossen bleiben und finanzielle Hilfen für Eltern, bei denen aufgrund der Betreuungsprobleme Verdienstausfälle entstehen, durch Zumutbarkeits-Paragrafen und zeitliche Befristungen begrenzt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat versprochen, die Probleme anzugehen, Corona-Elternzeit und ein Corona-Elterngeld sind im Gespräch – konkrete Lösungen stehen allerdings noch aus.

Verzweifelte Eltern protestieren

Jetzt machen immer mehr Eltern ihrer Wut im Internet Luft und berichten unter Hashtags wie #CoronaEltern und #elterninderkrise, wie sehr ihnen die aktuelle Situation zu schaffen macht. Sie berichten von Arbeitgebern, die kein Verständnis für ihre Situation haben, von existenziellen Finanznöten, von Verzweiflung und Erschöpfung bei sich und bei den Kindern, die emotional zunehmend unter der Isolation leiden

Die Aktion #CoronaEltern hat die Journalistin Mareice Kaiser, Mutter und Chefredakteurin von "Edition F", gestartet – mit einem Tweet und einem Post auf Instagram sowie einem Kommentar auf "Edition F". Auf Twitter schrieb sie: "Was machen eigentlich Eltern, die nicht mehr können? Ich frage für, nun ja, fast alle, die ich so kenne." 

Sie erhielt hunderte Antworten – darunter viele wie diese: 

Auch deutliche Kritik findet sich in den Kommentaren: 

Rechtsanwältin Sandra Runge vom Blog "Smart Mama" schlägt ganz konkret vor: "Wir #Coronaeltern brauchen jetzt, ergänzend zu § 56 Abs. 1a) IfSG, eine bezahlte Corona-Elternzeit inklusive Sonderkündigungsschutz und ohne Widerspruchsmöglichkeit des Arbeitgebers."

Auch die Autorinnen des Blogs "Stadt Land Mama" schließen sich der Aktion an und schreiben auf Facebook: "SO GEHT ES NICHT, LEUTE! Es kann doch nicht sein, dass hier sämtliche Eltern schnurstracks ins Burnout rennen! Oder in die Pleite! Oder beides! Was sollen wir denn noch alles machen? Lehrer, Erzieher, Entertainer, Streitschlichter, Köche, Babysitter, Putzer, Aufräumer, Manager, Trainer usw. Danke Mareice Kaiser von EDITION F, dass du die #CoronaEltern-Welle losgetreten hast, denn NEIN, so kann es nicht weitergehen."

In einem offenen Brief verzweifelter Eltern aus Berlin an die Familienministerin heißt es: "Wir Eltern empfinden die Empfehlung der Leopoldina sowie den vom Berliner Senat gesetzten Zeitpunkt der Kita-Öffnungen als inakzeptabel. Fünf Wochen war es uns einigermaßen möglich, Job und Kinder zuhause zu vereinbaren. Weitere 3,5 Monate aber – also insgesamt 5 Monate – ist die Betreuung zuhause bei gleichzeitiger Berufstätigkeit aus unserer Sicht nicht möglich. Wir bitten Sie deshalb um eine Öffnung der Kitas – so sicher wie nötig und so rasch wie möglich".

"Die große Resonanz zeigt den Leidensdruck der Eltern"

Mareice Kaiser hofft sehr, dass die Stimmen der Eltern nun gehört werden. Auf Anfrage von BRIGITTE.de schreibt sie uns: "Mit dem Aufruf in meiner Kolumne wollte ich einen Raum erschaffen, in dem Familienstimmen gehört werden. Und das hat funktioniert.

Die große Resonanz auf #CoronaEltern zeigt den Leidensdruck, unter dem aktuell alle Familien stehen, Eltern wie auch die Kinder. Und auch, dass sie sich politisch mit ihren Bedürfnissen weder gesehen noch repräsentiert sehen. Das liegt auch daran, dass Politik noch immer von Männern geprägt ist. Mütter in politisch relevanten Ämtern sind noch immer die Ausnahme. Es ist keine Überraschung, dass politische Entscheidungen das dann auch spiegeln. Familienpolitik hat aktuell keine Priorität.

Ich freue mich vor allem über die vielen marginalisierten Stimmen – zum Beispiel die von Alleinerziehenden – , die durch #CoronaEltern Gehör finden. Denn genau sie sind es, auf deren Rücken diese Krise gerade ausgetragen wird.

'Ich fühle mich das erste Mal seit Wochen gehört und verstanden', schrieb mir eine Mutter über Instagram. Jetzt liegt es an der Politik, diese Stimmen, die so relevant für unsere Gesellschaft und unsere Zukunft sind, zu hören und dementsprechend zu handeln."

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Es ist sehr zu hoffen, dass die Politiker*innen in Deutschland sehr bald konkrete Antworten für all die verzweifelten Eltern finden, denn so viel ist klar: Sie weiterhin mit all den Problemen alleine zu lassen, ist keine Option. 

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Verwendete Quellen: bundesregierung.de, familienportal.de, tagesschau.de, editionf.com, Instagram, Twitter, Facebook


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