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Corona-Erfahrungsbericht "Ich hatte Covid-19"

Corona-Erfahrungsbericht: Intensivstation
© shutter_o / Shutterstock
Wie ist es, Corona zu haben? Eine BRIGITTE.de–Leserin musste es erleben. In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt sie, wie es sich wirklich anfühlt, an Covid-19 erkrankt zu sein.

Das Coronavirus hält unsere Welt schon eine ganze Weile auf Trab. Trotzdem ist die Erkrankung genauso schwer zu fassen, wie in Schach zu halten. Grund dafür ist die Vielzahl an Symptomen – während manche Patienten kaum etwas von einer Corona-Infektion merken, erkranken andere schwer. Die Verläufe scheinen so individuell wie der Mensch und stellen Forscher damit weiterhin vor ein Rätsel. 

Wie fühlt es sich also an, "Corona zu haben"? Eine generelle Antwort kann es darauf nicht geben. Deswegen wusste auch unsere BRIGITTE.de-Leserin nicht, was auf sie zukommen würde, als sie plötzlich an starker Müdigkeit litt. Dann wurde sie bewusstlos. Erst im Krankenhaus folgte die Diagnose: Sie litt an Covid-19. In ihrem Corona-Erfahrungsbericht beschreibt sie, wie sie die Erkrankung bis heute beeinträchtigt.

Corona-Erfahrungsbericht: "Ich hatte Covid-19"

"Ich hatte Covid-19. Ca. 5 Tage nach einer Fahrt in einer gut gefüllten Straßenbahn wurde ich krank. Am ersten Tag (Sonntag) waren da nur Müdigkeit und wenig Appetit, abends dann erhöhte Temperatur. Es fühlte sich nicht nach einer Erkältung an, eher wie große körperliche Erschöpfung. Gedacht habe ich mir damals – es war Anfang/Mitte März – noch nichts.

Die erhöhte Temperatur entwickelte sich in den nächsten Tagen zu Fieber, und die Müdigkeit wurde extrem: Ich schlief die Tage fast durch. Am vierten Tag nach Beginn war das Fieber für meine Verhältnisse relativ hoch (über 39° C) und ich war sehr matt. Letztlich kam ich dann mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus, weil ich das Bewusstsein verloren hatte.

Erst auf dem Weg ins Krankenhaus erinnerte ich mich, dass ich meine Seife nicht riechen konnte.

Als die Sanitäter (in Schutzausrüstung) eintrafen, war ich wieder bei Bewusstsein und lag im Bett. Eigentlich fühlte ich mich nur unendlich müde. Erst auf dem Weg ins Krankenhaus erinnerte ich mich, dass ich direkt vor der Ohnmacht bemerkt hatte, dass ich meine Seife mit Zitrusduft nicht riechen konnte. Da war mir klar, dass ich Covid-19 hatte.

In der Notaufnahme dann: Vorbericht, Blutentnahmen für Routinelabor und Blutkulturen, EKG, Thorax-Röntgen und erst sehr spät fiel die Entscheidung pro Rachenabstrich. Dann lag ich fast 2 Wochen in einem kleinen Isolierzimmer und habe die erste Woche weitgehend schlafend verbracht, konnte aber selbst ins Bad schleichen. Nur vage erinnere ich mich, dass gefühlt alle halbe Stunde jemand ins Zimmer kam: Blutabnahme, Blutdruck (der unterirdisch niedrig war), Sauerstoffsättigung, Fiebermessen, Thromboseprophylaxe ... Mir war auch alles vollkommen egal. Nach ein paar Tagen bekam ich Fiebersenker, dann wurde ich langsam wacher. Erst dann fiel mir auf, dass ich eine hochgradige Bindehautentzündung hatte, meine Augen waren hochrot, wie Feuerbälle. Das war aber damals noch nicht in der Liste der Covid-Symptome.

Erkältungssymptome oder Probleme von Seiten der Lunge hatte ich nicht, nur ein paar Tage lang eine schlechtere Sauerstoffsättigung, weswegen ich Sauerstoff durch die Nasenbrille bekam.

Nachdem nach fast einer Woche das Testergebnis da war (das Ganze passierte zu Zeiten des absoluten Test-Chaos), bot mir der betreuende Arzt an, off-label das Malariamittel Hydroxychloroquin zu versuchen, das damals als vielversprechender Kandidat galt. Ich habe eingewilligt, da ich keine kardialen Risiken hatte, und habe es auch genommen. Ob die Behandlung etwas gebracht hat, weiß ich nicht.

Vier Monate nach Krankheitsbeginn habe ich noch immer Probleme

Nach fast zwei Wochen wurde ich entlassen – nicht geheilt, d. h. symptomfrei, sondern gebessert, deswegen sollte ich noch ein paar Wochen in häuslicher Isolation bleiben. Ich war noch sehr müde, ohne Geruchssinn, mit noch starker Augenentzündung und 7 Kilo Gewichtsverlust (ich bin sowieso sehr leicht). Dazu kam eine Schwäche der Muskulatur, aus der Hocke kam ich nicht ohne Hilfe oder ohne mich abzustützen hoch.

Jetzt, vier Monate nach Krankheitsbeginn, habe ich immer noch Probleme: starke Müdigkeit, veränderte Geruchswahrnehmung und selektiven Geruchssinnsverlust (manches kann ich noch immer nicht riechen), merkwürdige Hautprobleme (Juckreiz, Rötungen symmetrisch an den Beugeseiten der Arme), das Gefühl, Fieber zu haben (habe aber Normaltemperatur), plötzliches Schwitzen an der Körperrückseite vom Hinterkopf bis zu den Fersen, Schwäche.

Wir waren übrigens alle gesund und ohne Vorerkrankungen.

Ich arbeite schon seit Mitte/Ende April wieder, weitgehend im Homeoffice, weil ich da immer wieder Ruhepausen einlegen kann.

Ich habe etwa 36 Stunden vor meinen ersten Krankheitszeichen Freunde zum Essen getroffen und sie alle angesteckt – obwohl wir eher weiter auseinander an einem großen Tisch saßen und nicht die großen Umarmer und Kuschler sind. Alle plus mein Lebensgefährte sind auch erkrankt und haben zum Teil jetzt noch Probleme. Das macht mir eigentlich am meisten zu schaffen.

Wir alle waren übrigens gesund und ohne Vorerkrankungen."

Wir wünschen weiterhin gute Besserung!

Der Bericht zeigt, wie wichtig es ist, weiterhin alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Denn eine Infektion mit dem Coronavirus ist nicht zu unterschätzen. Du hast das Bedürfnis, dich auszutauschen? In unser Community kannst du dich mit anderen Menschen zum Coronavirus unterhalten.


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