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"Das alles kann sich keine Praxis leisten" – Arzt wütend über Corona-Vorgehen

Coronavirus: Arzt schreibt wütenden Post auf Facebook
© Billion Photos / Shutterstock
Die Angst vor dem Coronavirus greift um sich, viele Arztpraxen stehen Kopf. Unzählige besorgte Patienten wollen sich testen lassen. Jetzt macht ein Allgemeinmediziner auf Facebook deutlich, wie überlastet die Arztpraxen sind.

Dr. Sven Heidenreich ist verärgert. Auf Facebook postet der Allgemeinmediziner aus Bayern einen wütenden Post über viel zu viele Anordnungen zum Umgang mit dem Coronavirus, die sich in der Realität allerdings nicht umsetzen lassen, weil die notwendigen Ressourcen fehlen. 

"Wir Ärzte sollen jetzt in Bayern faktisch jeden, der gehustet hat, in unseren Isolier-Zimmern mit Mundschutzen untersuchen. Hierfür sollen wir Einmalschürzen tragen, Schutzbrillen und FFP2-Masken", schreibt der Allgemeinmediziner auf Facebook. Das Problem, so der Arzt: Hausärzte würden in der Regel nicht über solche Zimmer verfügen, zudem sollen Mundschutz, Schutzbrillen und FFP2-Msken von den Ärzten selbst gekauft werden und sie seien nicht mehr verfügbar. 

"Keine Praxis kann sich das leisten"

Weiter erklärt der Arzt: "Keine Praxis könnte es sich auch nur ansatzweise wirtschaftlich leisten, die vom Robert-Koch-Institut geforderten Schutzmaterialien auf ihre eigene Rechnung vorzuhalten. Wenn jedoch nicht vorhanden und genutzt führt der erste bestätigte CoV-Fall zwangsläufig zur Schließung der Praxis durch das Gesundheitsamt wegen Quarantäne."

Dazu solle es allerdings gar nicht erst kommen, denn schließlich sollen Patienten, die eine Infektion mit dem Coronavirus befürchten, nicht in die Praxis kommen. Dazu schreibt der Arzt: "Sie sollen in der Praxis anrufen, die sowieso nicht mehr telefonisch erreichbar ist, weil alle Ärzte untereinander telefonieren, um Termine auszumachen, weil ohne diese Leistung wirtschaftliche Einbußen bestehen. Dann sollen Medikamente (die zu verordnen, ohne sich persönlich vom Zustand des Patienten überzeugt zu haben, gar nicht zulässig ist) durch die Apotheken an deren Wohnungstür geliefert werden (ein Service, der von den meisten Apotheken ehrenamtlich erbracht wird)."

"Sollen wir alle mit Husten besuchen?"

Dr. Heidenreich fragt: "Oder sollen wir Ärzte alle mit Husten besuchen? Mit einem Auto voller nicht vorhandener Schutzausrüstung und 'nem eigenen Müllauto, das hinter uns her fährt, um diese nach jedem Besuch zu entsorgen?"

Weiter schreibt der Arzt kritisch, dass jeder bestätigte Fall dann durch den Rettungsdienst – "der sowieso schon mehr 'als auf Kante genäht' zusammengespart wurde" – in ein Krankenhaus gebracht werden müsse. Das Problem dabei sei: Die Kliniken seine aufgrund von Fachkräftemangel "jetzt schon nicht mehr in der Lage, "100% Auslastung leisten zu können", ohne weitere Ausfälle durch Krankheit.

"Eigentlich müssten wir sofort schließen"

Seinen Post beendet der Arzt mit deutlichen Worten zu den drohenden Konsequenzen: "Zuletzt haften wir Ärzte noch dafür, dass wir die vom RKI empfohlenen Hygienestandards erfüllen. Faktisch müssten wir somit, nachdem die Materialien flächendeckend nicht mehr verfügbar sind, unsere Praxen sofort schließen. Flächendeckend. Alle."

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mh

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