Coronavirus: Landfrauen starten Aktion und nähen Mundschutz selbst

Die Aktion "Wir helfen Helfern" ist in Niedersachen entstanden. Denn auch dort sind Mundschutzmasken knapp geworden. Die Freiwilligen der Aktion nähen Masken für medizinisches Personal. Der stern hat mit der Gründerin gesprochen.

Bettina Knauft aus Idensen, einem Ortsteil der Stadt Wunstorf in Niedersachsen, will angesicht der Corona-Krise helfen. Sie stand unter Quarantäne wegen Coronaverdacht. Bis vergangenen Freitag, da wurde sie negativ auf das Virus getestet. Sie erfuhr, dass dazu aufgerufen wurde, Mundschutzmasken selbst zu nähen. Die Idee begeisterte sie – so sehr, dass sie eine eigene Aktion gründete, "Wir helfen den Helfern". Im Onlineshop werden kostenlose, selbstgenähte Mundschutzmasken angeboten. Auch Nähanleitungen sind für Interessierte zugänglich. Nur das Porto muss übernommen werden. Der stern hat mit Bettina Knauft über ihre Aktion gesprochen.

Der Bedarf an Mundschutzmasken ist hoch

Frau Knauft, wie kamen Sie auf die Idee, die Aktion ins Leben zu rufen?

Ich habe von dem Hilfeaufruf des deutschen Hausärzteverbandes über die Whatsapp-Gruppe der jungen Landfrauen Schaumburg erfahren. Hier entstand die Idee, eine lokale Sammelstelle für selbstgenähte Masken einzurichten. Ich habe umgehend unseren Ortsbürgermeister, Rolf Herrmann, angerufen. Er war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Rolf und eine Bekannte, Mareike Dworok, haben gemeinsam eine kontaktlose Sammelstelle für Material und eine Abgabestelle für die daraus genähten Masken an der Kirche in Idensen eingerichtet. Inzwischen hat unser Bürgermeister in seiner Garage eine zentrale Annahme- und Abgabestelle errichtet, an der Kirche wurde es zu eng. Weitere Stellen sind auf der Website gekennzeichnet. 

5 Tipps für ein gemeinsames Osterfest – trotz Entfernung: Mutter mit Tochter

Wie haben Sie andere auf die Aktion aufmerksam gemacht?

Ich habe einen Aufruf in sämtliche Whatsapp-Gruppen geschickt und selbst die Gruppe "Nähen für den guten Zweck" gegründet. Hier bekommt jeder Starthilfe und Informationen. Nachdem das Ganze im Kleinen angelaufen war, habe ich die stellvertretenden Vorsitzenden des Niedersächsischen Landfrauenverbandes (NLV), Heike Schnepel, kontaktiert. Der NLV hat zeitgleich seine Mitglieder zu einer ähnlichen Aktion aufgerufen, daher wurden meine Aktion begeistert aufgenommen. 

Wie sind Sie organisiert und wie viele Menschen nehmen an der Aktion teil?

Inzwischen nähen tausende niedersächsische Landfrauen und Nicht-Landfrauen. Auch die muslimische Frauenorganisation "Lajna Imaillah" hat sich uns völlig selbstverständlich angeschlossen. Ich danke jedem einzelnen Helfer von Herzen. Auch sie wollen einfach helfen.

Wir organisieren uns über den Onlineshop, Facebook, Whatsapp, und den NLV. Der Hausärzteverband Niedersachsen hat die Adresse vom Shop, damit wir möglichst vielen unbürokratisch helfen können. Jeder kann dort gegen Porto die Masken kostenfrei bestellen. Ohne das Engagement von Herrn Dorra von Versacommerce wäre das alles nicht möglich gewesen. Er hat uns, und auch vielen anderen, geholfen, in dieser Krisenzeit schnell einen Onlineshop zu eröffnen.

Welche Materialen werden für die Masken genutzt?

Kochfeste, also bei mindestens 60 Grad waschbare, Stoffe, Gummiband, Draht und Schrägband. 

Wie können sich andere Menschen an ihrer Aktion beteiligen?

Die Organisation "Lajna Imaillah" übernimmt das Konzept deutschlandweit, es wird bereits überall fleißig genäht. Wenn man nicht nähen kann oder möchte, kann man Stoffreste spenden.

Wie viele Masken haben sie bereits genäht und versendet?

Versendet haben wir schon circa 800 Masken. Zudem werden sehr viele lokal in Institutionen, die Bedarf haben, verteilt. Hebammen, Pflegeeinrichtungen, Altenheime, Arztpraxen, Tierärzte, ambulante Pflege, Polizei, Feuerwehr, usw.

Was wünschen Sie sich für Ihre Aktion?

Dass alle sie nachmachen, dass alle Hilfe bekommen und wir gemeinsam ganz unbürokratisch helfen können.

Wenn Sie weitere Beispiele von Solidarität in Zeiten der Coronavirus-Krise kennen, senden Sie uns gerne eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung des Projekts samt Ort und Ansprechpartner an coronahilfe@stern.de.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf stern.de erschienen.

Antonia Fischer
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.