Coronavirus in Italien: Priester lehnt Behandlung ab und stirbt

Jeden Tag sterben hunderte Menschen in Italien am Coronavirus. Ein katholischer Priester wird als Märtyrer gefeiert: Er hatte ein Beatmungsgerät abgelehnt, damit einem jüngeren Patienten geholfen werden konnte.

Die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 fordert in Italien täglich hunderte von Todesopfern, die Lage in dem Land ist verzweifelt. Das Gesundheitssystem ist mit der Zahl der schwer Erkrankten vollkommen überfordert, Ärzte müssen entscheiden, welche Patienten sie bevorzugt behandeln, da nicht genügend Beatmungsgeräte für alle vorhanden sind.

In dieser Situation wird ein katholischer Priester als Held und sogar "Märtyrer" gefeiert. Er gab sein Leben auf, um das eines anderen zu retten. Giuseppe Berardelli aus der kleinen Gemeinde Casnigo in der Provinz Bergamo starb schon in der vergangenen Woche im Alter von 72 Jahren an Covid-19. Zuvor hatte er ein Beatmungsgerät abgelehnt, damit ein jüngerer Patient die lebensrettende Behandlung erhalten konnte, berichtet das lokale Magazin "Araberara" unter Berufung auf Berichte des Krankenhauspersonals.

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Coronavirus in Italien: Priester opfert sein Leben

Wenige Tage später verstarb Berardelli, der in den vergangenen Jahren bereits unter Herzproblemen gelitten hatte. Angesichts der strikten Ausgangssperre in Italien gab es keine Trauerfeier für ihn. "Arabera" berichtet aber, dass die Menschen in der Stadt von ihren Balkonen applaudiert hätten, als sein Leichnam aus dem Krankenhaus abtransportiert wurde.

Nicht nur wegen des Opfers, das Berardelli brachte und das ihn letztlich sein Leben kostete, war der Priester hoch angesehen. "Er war eine ehrliche und einfache Person, freundlich und hilfsbereit gegenüber jedem, Gläubigen ebenso wie Nichtgläubigen", würdigte ihn Giuseppe Imberti, der Bürgermeister der Gemeinde, in der Berardelli lebte.

Gläubige Katholiken vergleichen das Opfer Berardellis mit dem des Franziskaner-Mönchs Maximilian Kolbe im Konzentrationslager Auschwitz. Kolbe starb 1941, als er anstelle eines Mithäftlings in den Hungerbunker ging. Später wurde er vom Vatikan als Märtyrer heiliggesprochen. Auch über die Grenzen Italiens hat Berardellis Tod die Menschen bewegt. Der in den USA prominente Jesuiten-Priester James Martin zitierte dazu auf Twitter einen Satz aus der Bibel: "Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde."

Quellen: "Araberara" / James Martin auf Twitter

Dieser Artikel ist ursprünglich auf stern.de erschienen.

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