Coronavirus-News: Krankenschwester über die Coronakrise

Nina Böhmer ist Krankenschwester. Jetzt klärt sie öffentlich über ihren Alltag mit dem Coronavirus auf – und was sie in der Coronakrise so wütend macht.

Jeden Abend, um Punkt 21 Uhr, hört man sie. Es beginnt mit einem einzelnen Geräusch, das einsam verhallt, plötzlich aber Unterstützung bekommt und sich in einen sich steigernden Rhythmus verwandelt. Die Menschen klatschen. Erst in Italien, jetzt auch in Deutschland, versammeln sich Nachbarn an Fenstern und Balkonen, um gemeinsam Beifall zu geben. Nur dass die, an die der Applaus gerichtet ist, ihn selten hören. Denn das medizinische Personal arbeitet derzeit auf Hochtouren.

Pflegekraft zur Coronakrise: Wut, Enttäuschung, Trauer

Fassen wir mal zusammen. Erst sollen wir einen Mundschutz und Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen. Wir sollen...

Gepostet von Nina Magdalena Böhmer am Montag, 23. März 2020

Während andere in Quarantäne zu Hause bleiben, geben Krankenpfleger*innen jeden Tag ihr Bestes – und stellen ihre eigene Gesundheit dafür hinten an. Nun hat sich eine von ihnen zu Wort gemeldet. Wenn sie das Klatschen der Menschen hört, freut sie sich nicht. Sie wird wütend. Auf Facebook hat die Pflegerin Nina Böhmer ihrem Ärger Luft gemacht:

In einem Beruf der jahrelang unterbezahlt ist...wo alle am Limit arbeiten...wir sollen jetzt die Helden sein und werden so behandelt? Eigentlich sollten genau jetzt alle Pflegekräfte ihren Job kündigen!

Es sind harte Worte zu Zeiten der Coronakrise. Doch in ihren Zeilen lässt sich eine Enttäuschung lesen, die sich nicht erst seit Wochen, sondern seit Jahren angestaut hat: "Ich bin richtig doll traurig und enttäuscht, ich fühle mich verarscht und ich kann es nicht fassen", schreibt Nina auf Facebook. Und sie hat Gründe. Denn der derzeitige Umgang mit dem medizinischen Personal ist es, der sie sprachlos zurücklässt:

Erst sollen wir einen Mundschutz und Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen.

Wir sollen weiter arbeiten, wenn wir Kontakt zu einem Corona/Covid-19 Patienten hatten.

Dann werden Personaluntergrenzen ausgesetzt, für die lange gekämpft wurde. Das heißt, Sch*** egal, es könnten eine Pflegekraft 50 Patienten betreuen.

Die Krankenschwester zeigt sich nicht nur entsetzt über das Risiko, dem sie sich und andere in ihrem Beruf aktuell aussetzen muss. Hinzu käme die Enttäuschung über die Menschen, die letztendlich nicht nur über ihre Arbeit, sondern auch ihre Gesundheit hinweg entscheiden: Selbst nach Kontakt mit Corona-Patienten gelte für sie keine Quarantäne – sie müsse nach Richtlinien den Robert-Koch-Instituts nun weiterarbeiten. 

Es sind Wut, Enttäuschung und Fassungslosigkeit, die aus dem Facebook-Beitrag der jungen Pflegekraft sprechen. Und die durch ein abendliches Klatsch-Konzert nicht mehr aufgefangen werden können:

Und euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken ehrlich gesagt...Tut mir leid, es so zu sagen, aber wenn ihr helfen wollt oder zeigen wollt,. wie viel wir wert sind, dann helft uns für bessere Bedingungen zu kämpfen!

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Bereits mehr als 70.000 Menschen haben die Worte der Pflegerin bisher bereits geteilt. In Zukunft können wir daher hoffen, dass die Coronakrise letztendlich für bessere Bedingungen in den Berufen sorgt, die für die Gesellschaft systemrelevant sind – oder besser gesagt: Menschen gerade Tag für Tag das Leben retten.

verwendete Quelle: Facebook

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