"Wir sind alle gefragt": Warum und wie du zu Corona-Zeiten Senioren helfen solltest

Wir sind zur Coronakrise auf unsere eigene Familie fokussiert. Doch gerade Senioren brauchen unsere Hilfe – wir haben mit dem AWO Bundesverband gesprochen.

Und plötzlich steht die Welt Kopf. Die Coronakrise stellt Menschen weltweit vor neue Herausforderungen. Während Mütter und Väter damit konfrontiert werden, Kinder und Homeoffice unter einen Hut zu bekommen, befinden sich junge Menschen plötzlich in einem Rollentausch, indem sie zum Versorger ihrer eigenen Eltern werden. Die Familie rückt in den Mittelpunkt, näher zusammen, als sie es vielleicht je war – trotz räumlicher und körperlicher Isolierung.

Eine Gruppe, die dabei leicht vergessen wird: Was ist mit den Menschen, die alleine sind? Die keine Kinder haben, die sich um sie kümmern? Ein besonderes Augenmerk sollte zu Corona-Zeiten auf den Senioren unserer Gesellschaft liegen. Denn die werden nicht nur akut durch das Coronavirus, sondern vor allem von Einsamkeit bedroht.

Aus diesem Grund haben wir mit Gudula Wolf gesprochen. Sie betreut beim AWO Bundesverband e.V. die Online-Pflege- und Seniorenberatung – und wird täglich mit den Sorgen der älteren Gesellschaft konfrontiert. Im Interview mit BRIGITTE.de klärt sie auf, wieso wir uns gerade jetzt um Senioren kümmern müssen – und wie das trotz Kontaktverbot geht.

Coronavirus: Wieso Senioren uns jetzt besonders brauchen

Welchen Eindruck haben Sie – wie gehen ältere Menschen aktuell mit der Coronakrise um?

"Meinem persönlichen Eindruck nach nehmen die älteren Menschen die Krise aktuell sehr ernst. Sie sind besorgt um sich und ihre Partner*innen und Nahestehenden. Gerade der älteren Generation fällt es schwer, Hilfe und Unterstützung von anderen anzunehmen. Die Sorge um einen schweren Krankheitsverlauf lässt sie jetzt doch darauf zurückgreifen. Sind sie letzte Woche noch oft selbst in den Märkten unterwegs gewesen, bleiben sie diese Woche daheim oder gehen spazieren.“ 

Wieso müssen wir jetzt ein besonderes Augenmerk auf Senior*innen legen – nicht nur aufgrund des Erkrankungsrisikos?

"Nicht zu unterschätzen ist die Angst, die aufkommt, wenn sich Erkältungssymptome zeigen, die für diese Jahreszeit normal sind und nicht mit dem Coronavirus in Verbindung stehen. Das kann eine große Belastung für die/den Einzelne*n darstellen, gerade wenn er/ sie alleine lebt.

Hier sind wir alle gefragt, als Angehörige, Bekannte und Nachbar*innen aufmerksam zu sein. Fragen wir hier lieber einmal mehr zum Wohlbefinden nach - über den Gartenzaun, per Telefon oder Videoanruf - und signalisieren: Du bist nicht allein! Auch der gute alte Brief mit einem Bild bringt Freude in den Alltag und hilft, das Gefühl der Isolation zu durchbrechen.“

Wie kann ich mich denn aktuell überhaupt engagieren? Gibt es konkrete Tipps?

"Menschen wollen helfen. Auch beim AWO Bundesverband e.V. kamen bereits Anfragen an. Informieren Sie sich bitte auf den Internetseiten der Gemeinden oder Städte, welche Möglichkeiten bestehen oder melden Sie sich direkt telefonisch oder per Mail in den Einrichtungen. Vielleicht erreichen Sie nicht sofort die richtige Ansprechperson. Hinterlassen Sie in diesem Fall für einen Rückruf Ihren Namen und Ihre Telefonnummer.  Fündig kann man auch über regionale Zeitungen oder digitale Plattformen  wie 'nebenan.de' oder 'gemeinschaft.online' werden."

Tanzen trotz Corona: Diese Nachbarsfrauen zeigen, wie es geht

Ich möchte als junger Mensch mit der älteren Generation ins Gespräch kommen, habe aber keine Großeltern mehr: Was mache ich?

"Junge Menschen können in der jetzigen Situation ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Auch ohne unmittelbaren, körperlichen Kontakt können sie älteren Menschen zu Hause, in Wohnanlagen oder Pflegewohnheimen viel Unterstützung und Zuwendung geben. Hier einige Beispiele von denen jetzt berichtet wird:

  • Einkaufsnetzwerke durch ältere Schülerinnen oder Student*innen,
  • Musizieren vor Pflegewohnheimen,
  • Einkaufshilfen für Bewohner*innen in Pflegewohnheimen,
  •  Organisieren regionaler Telefonnetzwerke oder virtueller Nachbarschaftstreffs“

Vielen Dank für das Gespräch!

verwendete Quelle: AWO Bundesverband e.V.

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