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Mit einem Selfie in die Koalition Warum dieses Foto mehr aussagt, als es scheint

Mit einem Selfie in die Koalition: Warum dieses Foto mehr aussagt, als es scheint
Diesese Selfie ist der Auftakt der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl.
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Dieses Politiker-Selfie ist in aller Munde. Eigentlich ein schlichtes Bild: Drei Politiker, eine Politikerin, alle leger gekleidet, stehen brav nebeneinander. Und doch kündigt sich damit etwas an, was es in Deutschland noch nie gegeben hat – erst sprechen die kleineren Parteien und schauen im Anschluss, wer zu ihnen passen könnte.

Genau zur gleichen Zeit, kurz vor Mitternacht, posten die Grünen-Chef:innen Annalena Baerbock und Robert Habeck, FDP-Chef Christian Lindner und sein Generalsekretär Volker Wissing dasselbe Selfie mit den eben gleichen Worten: "Auf der Suche nach einer neuen Regierung loten wir Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus. Und finden sogar welche. Spannende Zeiten." Nur Christian Lindner ergänzt noch seine Initialen CN.

FDP- und Grünen Politiker:innen posten gleiches Foto auf Instagram

Die meisten von Ihnen haben sich für einen quadratischen Zuschnitt des Bildes entschieden, nur Robert Habeck bleibt beim Querformat. Christian Lindner und Annalena Baerbock legen noch einen sanften Filter auf das Bild, um es strahlender erscheinen zu lassen. Das Selfie scheint Volker Wissing zu schießen. Wo genau das Foto gemacht wurde, ist nicht bekannt.

Bereits am Wahlabend kündigte Christian Lindner an, dass es sinnvoll wäre, wenn sich zunächst die Grüne und FDP zu Gesprächen zusammensetzen würden. Gesagt, getan. Nicht einmal 48 Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen haben, sitzen sie zusammen und suchen nach "Gemeinsamkeiten und Brücken".

Das verrät das Selfie von Grüne und FDP

Die Schlichtheit des Fotos trügt. Denn es zeigt eindeutig: In Deutschland bewegt sich etwas. Nach 16 Jahren Union an der Spitze wird es jetzt eventuell eine Wende geben. Auch wenn die FDP und die Grünen nicht gerade für übereinstimmende Zukunftsziele stehen, können sich beide Parteien vorstellen, ihre Differenzen zu überwinden.

Sehen wir mit diesem Selfie eine ähnliche Inszenierung wie das Bild auf dem Balkon im Wahljahr 2017? Damals sahen sich FDP und Grüne bereits siegessicher in Bezug auf eine Jamaika-Koalition und präsentierten sich zusammen auf dem Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft. Auf dem aktuellen Selfie stehen definitiv vier Politiker:innen, die wissen, wie man sich inszeniert – nur eben viel schlichter als noch vor vier Jahren.

Das gab es noch nie: Erst sprechen die kleinen Parteien über eine Koalition

Sie stellen klar: Zuerst verhandeln die kleineren potenziellen Koalitionspartner und gehen dann geschlossen zum größeren. Das hat es so auf Bundesebene noch nicht gegeben.

Die Reaktionen in den sozialen Medien pendeln zwischen spöttischen Kommentaren, wie: "Wenn deine Eltern dir ein Selfie von ihrer Partygang schicken" und dem klaren Wunsch der Mehrheit: "Hoffentlich die Ampel!", da sind sich die meisten einig.

Jamaika- oder Ampelkoalition? Derzeit ist noch beides möglich

Die FDP wird in den Verhandlungen aber weiterhin die Türen für die Jamaika-Koalition offenhalten. Die Grüne Jugend verlangt indes eine klare Absage in Richtung Union. Es könne keine Partei ins Kanzleramt gehoben werden, die bei den Wahlen so klar verloren hätten, sagte der Bundessprecher der Jugendorganisation, Georg Kurz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Jetzt heißt es erst mal: Verhandeln und Kompromisse eingehen. Doch was genau steht derzeit auf der Agenda? So unterschiedlich FDP und Grüne sein mögen in einem Punkt nähern sie sich bereits an – und zwar im gesellschaftspolitischen Bereich.

Zwischen FDP und Grüne könnte es beim Thema Finanzen ordentlich krachen

Beide Parteien stehen für den Ausbau des Elterngeldes, eine grundlegende Reformierung von Hartz VI und eine Stärkung der Rechte von sexuellen Minderheiten. Auch der Freigabe von Cannabis, zumindest auf Probe, stehen sie nicht abgeneigt gegenüber.

Die großen Streitthemen werden wahrscheinlich eher im Bereich Finanzen liegen. Die von den Grünen geforderte Vermögenssteuer wird der FDP nicht schmecken, hier werden die Grünen auf Kompromisse setzen müssen. Ein weiterer Knackpunkt wird wohl der von den Grünen geforderte Mindestlohn von 12 Euro die Stunde sein. Hingegen in Sachen Umweltschutz die FDP den Grünen wohl die Steuerung größtenteils überlassen könnte.

Verwendete Quellen: Zeit.de, noz.de, sueddeutsche.de, instagram.com

Brigitte

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