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Der Trend kehrt sich um Warum erfolgreiche Frauen in diesen Ländern mehr Kinder bekommen

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© Mary Long / Adobe Stock
Eine neue Studie des National Bureau of Economic spricht von einer Umkehrung des ehemaligen Trends, laut dem mit der Geburt der Kinder auch die Erwerbstätigkeit der Frauen sank. Warum erfolgreich erwerbstätige Frauen in wohlhabenden Ländern jetzt überraschenderweise mehr Kinder bekommen als noch vor einigen Jahrzehnten, versuchen diese Forschungsergebnisse zu erklären.

So beobachtete eine Gruppe von Wissenschaftler:innen in ihrer Studie überrascht, dass viel mehr Frauen einer Erwerbsarbeit nachgingen und die Geburtenrate dort trotzdem stieg. Das Gegenteil war früher der Fall. Denn vor nur wenigen Jahrzehnten war die Geburtenrate im Zusammenhang mit steigender Arbeitskraft der Frauen erheblich gesunken. 

Die Umkehrung des Trends erklären sie sich folgendermaßen: Demnach kam dieser Wandel durch vier Faktoren zustande, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichterten: Familienpolitik, kooperative Väter, vorteilhafte soziale Normen und flexible Arbeitsmärkte.

Mehr Erwerbsarbeit – weniger Kinder?

In der Studie selbst wird ein enorm großer Zeitraum untersucht, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Besonders interessant sind die Zeiträume von 1980 bis heute – denn innerhalb dieser Zeitspanne habe sich die erwähnte Umkehrung des Trends entwickelt. Wo früher noch die Geburtenrate zurückging, wenn eine Frau einer Erwerbstätigkeit nachging, nimmt diese heutzutage in wohlhabenden Ländern zu. 

Die Gründe in den 1980ern waren unter anderem diese: Die Frauen wollten nach der Geburt ihres Kindes arbeiten, die Vereinbarkeit war sehr schwierig. Lieber wurde daher mehr Geld für das eine Kind (oder vielleicht zwei Kinder) ausgegeben, als die Familie noch zu vergrößern. Aus diesen Gründen schien es nur logisch, dass die Geburtenrate mit der steigenden Erwerbstätigkeit der Mütter weiter fallen würde. Anders sah es in ärmeren Ländern mit mehr arbeitslosen Frauen aus – hier sank die Geburtenrate nur minimal. 

Überraschender Wandel

Zwanzig Jahre später jedoch hatte sich diese Voraussage nicht bestätigt – im Gegenteil: Vor allem in Amerika und Großbritannien war der Anteil der berufstätigen Frauen um 17 Prozent gestiegen und die Geburtenrate in wohlhabenden Ländern war dort am höchsten, wo am meisten Frauen einer Beschäftigung nachgingen. Diese waren unter anderem Amerika, Norwegen und Frankreich.

Doch wie kam es zu dem Wandel? Die Wissenschaftler:innen der Studie, die vom National Bureau of Economic Research herausgegeben wurde, machen hier kulturelle und politische Veränderungen verantwortlich, darunter eine sich entwickelnde Familienpolitik, Väter, die eine aktivere Rolle im Familienleben einnehmen wollen, als auch veränderte vorteilhafte soziale Normen und flexiblere Arbeitsmärkte.

Wurde es sozial und wirtschaftlich einfacher für Mütter, Erwerbsarbeit und Mutterschaft nachzugehen – wie beispielsweise in Amerika oder Norwegen der Fall –, stieg die Geburtenrate. In Ländern, in denen sich die Vereinbarkeit nach wie vor schwierig gestaltete, wie in Italien oder Spanien, bekamen die Frauen auch weniger Kinder bei weniger Arbeit. Und: Obwohl auch in Deutschland der Anteil der Väter zunimmt, die Care-Arbeit übernehmen und dadurch die Vereinbarkeit von Job und Elternschaft fördern, bleiben sie im europäischen Vergleich noch immer hinter Frankreich, Norwegen und Belgien zurück.

Politische Faktoren wie eine geregelte Kinderbetreuung, bezahlte Elternzeit oder Kindergeld spielen hier eine große Rolle, als auch die Bereitschaft der Väter, mehr Care-Arbeit und Haushalt zu übernehmen. Dennoch sehen die Wissenschaftler:innen es als eindeutig an, dass der Trend in wohlhabenden Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weiter anhält. 

Verwendete Quellen: Studie The Economics of Fertility: A new Era, economist.com, reddit.com

lha Brigitte

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