Sadismus bei den Domspatzen: "Bitte, liebe Eltern, ich möchte so so gerne nach Hause"

Bei den Regensburger Domspatzen wurden Kinder systematisch gequält. Der Hilferuf eines kleinen Jungen zeigt, wie groß das Leid war.

Großes Privileg? Großes Leid!

Theoretisch war es ein unglaublich großes Privileg, dabei zu sein: bei den Regensburger Domspatzen, einem der ältesten und renommiertesten Knabenchöre der Welt.

Doch die Realität sah ganz anders aus: 2010 wurde bekannt, dass die Kinder im Chor und in den dazugehörigen Schulen seit 1945 sadistischer Gewalt ausgesetzt waren. Der jetzt erschienene Untersuchungsbericht geht von 500 Opfern körperlicher und 67 Opfern sexueller Gewalt aus. Der Bericht veröffentlichte auch diesen Heimwehbrief eines Vorschülers:

"Ich warte in meinem Zimmer", schreibt ein offensichtlich sehr verzweifelter und verängstigter kleiner Junge an seine Eltern. Doch selbst Heimweh stellte bei den Regensburger Domspatzen einen Regelverstoß dar, der laut Untersuchungsbericht mit körperlicher Gewalt geahndet wurde. Teilweise wurden heimwehkranke Kinder vor den anderen Schülern verprügelt, um ein Exempel zu statuieren.

Gefängnis, Hölle, Konzentrationslager

Besonders die Vorschule beschrieben die Opfer als „Gefängnis“, „Hölle“ oder „Konzentrationslager“. Viele Kinder schilderten ihre Zeit bei den Domspatzen als die schlimmste ihres Lebens, die geprägt war von Gewalt, Angst und Hilflosigkeit. Fehlverhalten, schlechte Leistungen oder schlichtes „Kindsein“ wurde in Form von drakonischen Strafen sanktioniert.

Brutal war es und immer mit der Angst im Nacken. Wir waren kleine Kinder, getrennt von zu Hause, aufgenommen in der Kälte.

Verantwortlich für die Gewalt waren in vielen Fällen der Direktor der Vorschule und sein Präfekt, die über Jahrzehnte die prägenden Personen der Einrichtung waren - an der Gewalt waren aber auch viele Angestellte beteiligt. Die schlimmsten Vergehen erlebten die Kinder in den 60er und 70er Jahren, wobei bis 1992 durchgängig von körperlicher Gewalt berichtet wird.

„Es war die Hölle. Die Hölle, die ein Priester und sein Helfer aufstieß."

Viele Schüler erlitten aber auch psychische Gewalt in Form von Demütigungen, Drohungen oder dem Miterleben von Gewalt an Mitschülern. Die Kinder lebten in einem quälenden Klima der Angst.

"2 Jahre im Alter von 9 -11 Jahren gekennzeichnet von ständiger panischer Angst vor übelsten Gewalttaten wegen geringfügigster Vorfälle. Schutzlos, hilflos allein gelassen – ein schulisches und musikalisches Gefängnis und Straflager übelster Art.“

Kopfnüsse, Stockschläge, Demütigungen bei der Köperpflege, Zwangsessen, das Einreißen der Ohrläppchen, sexuelle Übergriffe durch die "Betreuer" – die Liste der sadistischen Verbrechen an den Kindern, die von ihren Eltern der renommierten katholischen Institution anvertraut wurden, ist lang.

Und heute? Der Regensburger Anwalt Ulrich Weber, der als unabhängiger Ermittler eingesetzt wurde, schätzt in seinem Bericht die aktuelle Situation bei den Domspatzen als unbedenklich ein: Das Leben dort sei heute durch eine "zeitgemäße Pädagogik" geprägt.

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