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Trockenheit in Deutschland Verheerende Dürre in Deutschland: In Elbe und Rhein tauchen uralte "Hungersteine" wieder auf

Dürre im Rhein: Hungerstein
"Wenn du mich siehst, dann weine": Der Hungerstein in der Elbe bei Decin ist nur bei extremer Trockenheit sichtbar
© Ondrej Hajek / Picture Alliance
Die anhaltende Trockenheit sorgt für Niedrigwasser in den Flüssen. Dadurch werden sogenannte Hungersteine sichtbar: Sie sind eine Erinnerung an vergangene Dürren – und eine Warnung in Richtung Zukunft.

Weite Teile Europas sehnen sich nach Regen. Durch die anhaltende Trockenheit sind die Wasserstände in vielen Flüssen sehr niedrig. Der Rhein, Europas längster Fluss und eine der meist befahrenen Binnenwasserstraßen der Welt, ist an vielen Stellen trocken. In Emmerich kurz vor der niederländischen Grenze erreichte der Fluss am Dienstag einen historischen Tiefststand von null Zentimetern. Auch andere Flüsse haben unter der Dürre zu leiden.

In Rhein und Elbe werden durch das anhaltende Niedrigwasser sogenannte Hungersteine freigelegt. Auf ihnen stehen Botschaften und Jahreszahlen von vergangenen Dürreperioden und erinnern damit an ihre Folgen für die Bevölkerung – insbesondere an Wassermangel, Missernten und Hungersnöte infolge der Trockenheit. Einige von ihnen sollen nach Schätzungen von Experten schon Jahrhunderte alt sein.

"Wenn du mich siehst, dann weine": Hungersteine erinnern an Trockenheit

Besonders bekannt ist der Hungerstein, der am Elbufer der tschechischen Stadt Děčín liegt. Bei längerer Trockenheit und niedrigem Wasserpegel kommt seine eindringliche Botschaft zum Vorschein: "Wenn du mich siehst, dann weine", steht darauf. Ein weiterer Spruch: "Mädchen, weine und klage nicht, wenn es trocken ist, spritze das Feld." Zudem sind verschiedene Jahreszahlen auf dem Stein zu sehen, die älteste davon aus dem 17. Jahrhundert. Weitere Hungersteine in der Elbe wurden bei Těchlovice, Königstein oder in Dresden gefunden. Im Rhein wurden mehrere Steine in Worms gefunden, sie erinnern an das "Hungerjahr 1947".

Manche von ihnen sind relativ neu und stammen aus dem 20. Jahrhundert, andere hingegen tragen Jahreszahlen, die noch deutlich weiter zurückliegen. Ob diese nachträglich eingraviert wurden, ist nicht immer eindeutig festzustellen. Auch ist nicht immer klar, wer die Zahlen in die Steine eingraviert hat. Forschende gehen davon aus, dass es in den meisten Fälle Anwohner waren.

Mahnmal für Opfer von Hungersnöten

Deutlich ist aber die Botschaft, die von diesen Steinen ausgeht. Sie sollen an das Leid vergangener Dürren und Hungersnöte erinnern und den Opfern ein Mahnmal setzen. Gleichzeitig dienen sie als Mahnung an diejenigen, für die sie infolge des Niedrigwassers wieder sichtbar werden – eine Warnung vor den schweren Zeiten, die nun folgen mögen. Im 21. Jahrhundert können sie als Erinnerung an die sich immer weiter verschärfende Klimakrise fungieren.

Quellen: "Sächsische Zeitung"

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

epp/stern

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