Frau muss 30 Jahre in Haft wegen Fehlgeburt

In El Salvador muss eine Frau eine 30-jährige Haftstrafe verbüßen, weil sie ein Kind tot zur Welt gebracht hat. Ein Gericht bestätigte jetzt: Die Strafe bleibt aufrechterhalten.

Eine Frau, die in El Salvador wegen der Geburt eines toten Babys zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, muss im Gefängnis bleiben. Das bestätigte jetzt ein Gericht. Teodora del Carmen Vásquez beteuert bis heute, es habe sich um eine Fehlgeburt gehandelt. Die Richter hingegen sprechen von einer Abtreibung – und auf die stehen in dem zentralamerikanischen Staat drastische Strafen.

Wegen Mordes verurteilte ein Gericht die heute 34-Jährige im Jahr 2008 zu 30 Jahren Haft. Eine angemessene und gerechte Strafe, fanden auch die Berufungsrichter. Nach Vásquez' Schilderung spielte sich das Geschehen so ab: Sie war im neunten Monat schwanger und bei der Arbeit in einer Schul-Cafeteria, als sie plötzlich heftige Schmerzen verspürte.

Staatsanwalt: Fehlgeburt bewusst herbeigeführt

Wie die "L.A. Times" berichtet, habe die Schwangere den Notruf gewählt, es kam jedoch niemand. Stark blutend sei sie in einer Toiletten-Kabine ohnmächtig geworden. Das Kind sei eine Fehlgeburt gewesen: Als sie wieder zu sich kam, war das Baby tot. 

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie geht davon aus, dass Vásquez bewusst einen Schwangerschaftsabbruch herbeigeführt hat. Abtreibungen sind in El Salvador verboten. Immer wieder verurteilen Gerichte Frauen dafür zu langen Haftstrafen – selbst, wenn es sich um Vergewaltigungsopfer handelt. So schickte eine Richterin im Juni eine 19-Jährige ebenfalls für 30 Jahre ins Gefängnis. Die junge Frau war von einem Banden-Mitglied über Monate zum Sex gezwungen worden. 

Harte Strafen – selbst bei Lebensgefahr für die Frau

Organisationen wie Amnesty International kritisieren die scharfen Abtreibungsgesetze in El Salvador immer wieder. Frauen seien "ständig der Gefahr ausgesetzt, aufgrund von Notfällen während der Schwangerschaft oder der Geburt inhaftiert zu werden", heißt es in einem Appell der Menschenrechtler. Abbrüche sind selbst dann nicht erlaubt, wenn das Leben der werdenden Mutter in Gefahr ist.

Die jetzt bestätigte Strafe ist ein Rückschlag für die Verfechter der Gesetzeslockerungen. Der Großteil des Volkes in dem katholisch geprägten Land steht jedoch hinter der Rechtsprechung: Einer Umfrage zufolge finden 89 Prozent der Einwohner, dass Abtreibungen illegal sein sollten. 45 Prozent der Befragten halten zudem Verhütungsmittel für "moralisch falsch".

Als Teodora del Carmen Vásquez 2008 ihr Kind verlor, war sie bereits Mutter eines Sohnes. Der mittlerweile 13-Jährige wächst nun bei seinen Großeltern auf.

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