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Konzern verklagt USA: Eltern machen Instagram für Magersucht ihrer Tochter verantwortlich

Eltern verklagen Instagram: Mutter und Tochter am Smartphone
In vielen Familien sind Handynutzung und soziale Medien ein Thema (Symbolbild)
© JackF / Adobe Stock
Mit elf richtete sich Alexis S. heimlich ein Instagram-Konto ein. Die Plattform wurde schnell zur Sucht und zog das Mädchen in die Magersucht. Jetzt klagen ihre Eltern gegen den Betreiberkonzern.

Heute ist Alexis S. 19 Jahre alt – und es geht ihr gut. Das war allerdings nicht immer so, im Gegenteil: Alexis' Mutter sagt: "Es ist ein Wunder, dass sie heute noch bei uns ist." Denn die junge Frau hat viele harte Jahre hinter sich, in denen sie mit Magersucht, Selbstverletzung und Instagram-Abhängigkeit kämpfen musste. Ihre Eltern, die sie während all der Zeit unterstützten und immer alles taten, um ihr die nötige Hilfe zukommen zu lassen, sind sich einig: Schuld am Leid ihrer Tochter ist Meta, der Konzern, zu dem Facebook, Instagram und WhatsApp gehören.

Denn Alexis' Probleme begannen, als sie sich heimlich ein Instagram-Konto einrichtete. Damals war sie gerade einmal elf Jahre alt, und somit eigentlich zu jung, um das legal zu tun – Instagram erlaubt die Teilnahme erst ab 13 Jahren. Kontrolliert wurde das offenbar vonseiten des Konzerns aber nicht. Und vor ihren Eltern hielt das Mädchen geheim, dass sie ein Profil angelegt hatte. Eigentlich hatte sie das nur getan, um auf Instagram einem Onlinespiele-Account zu folgen, der bei ihr und ihren Freundinnen sehr beliebt war. Doch schnell wurde die Plattform für sie zur Sucht.

Das Mädchen eröffnete heimlich ein Instagram-Konto

Und nicht nur das: Der Elfjährigen wurden jede Menge Postings und Fotos zu den Themen Magersucht, Schlankheit und Abnehmen angezeigt. "Wenn ich elf Jahre alt bin, was soll ich da anderes tun, als diese Inhalte immer weiter anzuschauen? Und wenn du jeden Tag gezeigt bekommst: 'Nur so bist du hübsch', 'So solltest du aussehen', was sollte ich da denken? Ich war halt ein Kind!", erklärt die heute 19-Jährige gegenüber "Good Morning America". Schnell wirkte sich das, was sie sah, auf ihre Psyche aus. Alexis rutschte in eine Magersucht und begann, sich selbst zu verletzen.

Ihre Eltern verstanden zuerst nicht, was passiert war. "Wir sahen nur, dass unsere Tochter zu verschwinden schien. Langsam, Stück für Stück, verloren wir unser selbstbewusstes, liebevolles Kind und sie wurde depressiv, reizbar und zog sich zurück", berichtet ihre Mutter. Über mehrere Jahre war Alexis anschließend in Behandlung, machte Therapien. Heute geht es ihr wieder gut, doch zwischenzeitlich hätten ihre Eltern ernsthaft um ihr Leben gefürchtet, sagen sie. Erst nach einer ganzen Weile hätten sie begriffen, dass die Probleme ihrer Tochter mit Instagram begonnen hatten, und durch die Plattform immer weiter angefeuert wurden.

Ihre Eltern hatten Angst um Alexis' Leben

Als 2021 die sogenannten "Facebook Papers" publik wurden, eine Recherche über die Geschäftspraxis des Mutterkonzerns Meta, las Alexis' Mutter sich die Ergebnisse interessiert durch. Und entdeckte vieles, was sie wütend machte – so schien zahlreichen Entscheidungsträger:innen bei Instagram bewusst gewesen zu sein, welche Auswirkungen gewisse Inhalte auf die Seelen junger Nutzer:innen hatten. Sie unternahmen aber nichts dagegen, weil es auch diese Inhalte waren, die das Publikum bei der Stange hielten. Die Mutter ist sich sicher: "Wir haben alles getan, was wir konnten. Aber das Handy und die sozialen Medien waren immer da, und nichts kam gegen sie an."

Bei Meta bestreitet man die Anschuldigungen vehement. Dennoch wird der Konzern nun von der Familie verklagt – unter anderem wegen "schädlichem Design, Nachlässigkeit und unnötig gefährlichen Anwendungen" innerhalb der Instagram-App. Meta soll seinen Algorithmus so ändern, dass er jungen Nutzer:innen keine potenziell gefährlichen Inhalte mehr ausspielt. Außerdem fordert die Familie eine finanzielle Entschädigung für die medizinischen Ausgaben, die sie für Alexis' Therapien stemmen mussten.

Quelle: "Good Morning America"

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

wt/stern

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