Industriedesign: Maija Itkonen befreit uns von den Kabeln

Wo ist nur mein Ladegerät? Dank Maija Itkonen aus Helsinki müssen wir uns diese Frage bald nicht mehr stellen: Die Industriedesignerin hat eine Methode entwickelt, mit der man Handys ohne Kabel aufladen kann.

"Die Idee von Design ist, dass die Leute nicht merken, dass sie gerade Technik benutzen"

Manchmal reichen 15 Minuten, um zur Unternehmerin zu werden. So viel Zeit hatte Maija Itkonen aus Helsinki, um sich eine Geschäftsidee für ein Start-up auszudenken, es war eine kleine Übung in einem Uni-Seminar. "Denkt darüber nach, worüber sich Leute oft beklagen, denn da ist eine Marktlücke", hatte der Dozent geraten. Die Industriedesignerin überlegte. Die Klage, die sie zuletzt gehört hatte, war: "Mist, mein Akku ist leer, und ich hab kein Ladegerät mit." Wie wäre es, dachte sie, wenn man unterwegs, zum Beispiel beim Warten am Flughafen oder bei der Pause im Café - da, wo man sich ohnehin länger aufhält -, nur das Handy auf den Tisch legen müsste, um es zu laden? Schließlich gibt es an vielen öffentlichen Orten schon kostenloses W-Lan. Warum nicht auch kostenloses, kabelloses Akku-Laden? Maija Itkonen recherchierte. Und fand heraus: Ein Handy lässt sich genauso kabellos aufladen wie eine elektrische Zahnbürste, nämlich indem man es auf eine Ladestation legt. Elektromagnetische Induktion nennt sich so was. Macht aber eigentlich keiner, weil der Sinn eines Handys nun mal nicht ist, immer am festen Platz zu liegen. Also muss die Ladestation da sein, wo das Handy hinkommt. "Die Idee von Design ist, dass die Leute nicht merken, dass sie gerade Technik benutzen", sagt die Industriedesignerin.

Sie gründete ein Start-Up, und zusammen mit ihren Mitstreitern entwickelte sie Handy-Ladestationen, die sich im Inneren von Tischen verbergen lassen. Der erste Kunde war ein Café in Helsinki. Die Café-Besucher bekamen vom Personal einen kleinen Ring, den man auf das Handy aufstecken konnte, das war der Empfänger, und der Akku wurde geladen, sobald das Handy auf dem Tisch lag. Inzwischen finden sich die Tische auch in Vielflieger-Lounges in europäischen Flughäfen und in Hotels.

Vor wenigen Monaten wurde das kleine Start-up von einem finanzstarken Konkurrenten aufgekauft, die 36-Jährige ist dort nun Angestellte statt Unternehmerin. Das sei ihr nicht leichtgefallen, sagt sie, aber: "Eine Geschäftsidee ist wie eine kleine Pflanze im Topf, die man pflegt. Aber irgendwann muss sie raus aufs Feld, um sich weiterzuverbreiten."

Technik entwickelt sich weiter, und sie träumt von einer kabellosen Welt, in der niemand mehr lästige Ladegeräte in die Handtasche stopfen muss, einer Welt, in der Handys, Tablets oder MP3-Playern trotzdem niemals der Strom ausgeht. Für einige Menschen mag das nicht das Wichtigste sein, was die Welt braucht. Aber für Maija Itkonen ist es eine schöne Vision.

Text: Sonja Niemann BRIGITTE 18/13
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.