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Familien abgewiesen Lage in den Kinderkliniken ist "katastrophal" 

Die Kliniken können nicht mehr allen Kindern helfen
© pingpao / Adobe Stock
Die Lage in Kinderkliniken spitzt sich zu und trifft dabei vor allem die Kleinsten in unserer Gesellschaft. Grund dafür sind Personalmangel, wenig freie Betten und die extreme RSV-Welle, die dafür sorgen, dass das Pflegepersonal, Ärzt:innen und Eltern an ihre Grenzen stoßen.

Die aktuelle Klinik-Umfrage der deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfall Medizin (DIVI) macht deutlich, wie dramatisch die Lage in den Krankenhäusern tatsächlich ist: In 43 von 110 Kinderkliniken gab es kein einziges freies Bett auf den normalen Stationen. Noch schlimmer sieht es auf den Intensivstationen aus. Mit 40 Prozent der Betten, die nicht belegbar sind, gibt es bundesweit 0,75 freie Intensivbetten pro Klinik. Zu wenig, im Kontrast zu dem extremen Anstieg der RSV-Fälle.

Lage in den Kinderkliniken ist "katastrophal" 

Die geringe Anzahl von freien Betten ist dabei vor allem auf den Fachkräftemangel zurückzuführen. Dieser wiederum trägt dazu bei, dass die kleinen Patient:innen teilweise gar keine Behandlung bekommen. So wurden in den befragten Kliniken insgesamt 116 der Kinder wieder nach Hause geschickt und das an einem einzigen Tag. Die Alternative ist, dass Mütter und Väter mit ihren schwer kranken Kindern in andere, weit entfernte Kliniken fahren. DIVI-Generalsekretär Florian Hoffmann spricht auf einer Pressekonferenz in Hamburg von einer “katastrophalen Situation“.

In der Notaufnahme gibt es mittlerweile so wenig Kapazitäten, dass Eltern mit ihren kranken Kindern über Stunden im Wartezimmer auf dem Boden liegen, um die Zeit bis zur Behandlung zu überbrücken. Der "FOCUS" berichtete über mehrere Einzelfälle, bei denen beispielsweise ein Kind mit schwerer Mittelohrentzündung und einer dadurch entstandenen Augenschwellung erst nach acht Stunden und einer Fahrt in ein anderes Krankenhaus eine Antibiotika-Infusion verabreicht bekam.  

Ein großer Faktor in der Versorgungskrise der Kleinen ist der Anstieg an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). RSV ist ein weitverbreiteter Erreger, der vor allem die Atemwege angreift. Während die meisten Erwachsenen und Kinder eine Erkrankung mit leichten, erkältungsähnlichen Symptomen überstehen, ist der Erreger vor allem für Kindern unter drei Jahren ein hohes Risiko, die bei einer Ansteckung oft auf Beatmungsgeräte angewiesen sind. Hinzu kommen die aktuelle Grippewelle sowie Corona, die den Krankenhäusern all ihre Kapazitäten abverlangen.

Was kann man jetzt tun?

Aktuell arbeiten bereits einige Kliniken mit dem Kleeblatt-System, um dem hohen Aufkommen gerecht zu werden, allerdings bräuchte es weit mehr Veränderung, um die Versorgung aller Kinder sicherzustellen. Die Krankenhäuser würden eigentlich Intensivtransporte für Kinder benötigten, die die Fahrt über weite Strecken zu anderen Kliniken ermöglichen, erklärt Florian Hoffmann in einer Pressekonferenz. Aber auch das Hinzuziehen von Personal aus der Erwachsenenmedizin wäre inzwischen eigentlich notwendig. Langfristig gesehen bräuchte es aber noch weit mehr als das. Der DIVI fordert verschiedene Maßnahmen, vor allem die Arbeitsbedingungen in den Kliniken betreffend.

So sollten Kliniken verpflichtet werden, Kinderkrankenpfleger auszubilden. Aber auch eine Entlastung des Personals durch eine strikte Einhaltung geplanter Freizeiten, bezahlte Personal-Fortbildungen und die Vermeidung von Aufgaben für die Pflegekräfte, die nicht direkt mit der Pflege-Tätigkeit zu tun haben, sollen das System entlasten. Hinzu kommt die Forderung nach einer besseren Bezahlung für die Pfleger:innen, damit diese nah an ihrem Arbeitsplatz leben können.

Um die Lage für Eltern, Kindern und medizinischem Personal zu verbessern, könnte also vor allem die Politik Regelungen treffen, die die Arbeitenden entlasten. Die Versorgung der Kleinen sollte höchste Priorität haben, damit sie möglichst schnell und liebevoll die Behandlung erhalten, die sie benötigen.

Verwendete Quellen: Focus.de, NDR.de, DIVI Pressemitteilung

Brigitte

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