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Pausen braucht das Leben Warum wir uns diese Tradition aus Schweden abgucken sollten

Pausen braucht das Leben: Warum wir uns diese Tradition aus Schweden abgucken sollten
© Rawpixel.com / Shutterstock
40-Stunden-Wochen, unbezahlte Mittagspausen und beim Käffchen mit den Kollegen geht der Blick ständig zur Uhr. Wer kennt es? Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft – dabei ist das Konzept längst überholt. Wir sollten uns lieber die Fika von den Schweden abschauen.

Studien und Feldversuche widmen sich schon seit Jahren der Thematik der Arbeitsstunden. Die Ergebnisse scheinen recht einheitlich: Die 40-Stunden-Woche sowie starre Arbeitszeiten sind nicht mehr zeitgemäß. Die meisten Menschen verbringen den Großteil ihres Lebens damit, zu arbeiten. Doch die meisten wünschen sich mehr Freizeit für sich und ihre Familien, ohne gleich auf einen Großteil ihres Gehaltes verzichten zu müssen.

Eine 40-Stunden-Woche ist nicht mehr zeitgemäß

Eine wissenschaftliche Grundlage – in Bezug auf die Leistungsfähigkeit – gibt es für die 40-Stunden-Woche nicht. Sie ist ein Überbleibsel der Nachkriegszeit, in der viele Menschen weit mehr Stunden in der Woche und am Wochenende arbeiten mussten. Zum 1. Mai 1950 forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund: "40 Stunden Arbeit sind genug!" – warum genau 40 Stunden, ist nicht bekannt. 72 Jahre später halten viele Unternehmen noch immer an dieser Arbeitszeit fest.

Wer acht Stunden am Tag arbeitet, weiß, dass Pausen unerlässlich sind. Laut Arbeitszeitgesetz ist die erste Pause erst nach sechs Stunden nötig – die Pausenzeit richtet sich mindestens nach der geleisteten Arbeit oder nachdem, was der:die Arbeitgeber:in vorgibt. Pausen sind grundsätzlich unbezahlt, denn schließlich leistet der:die Arbeitgeber:in in dieser ja nichts für das Unternehmen – die meisten essen schnell was oder genießen einen kurzen Moment in der Sonne. Zusätzliche Kaffeepausen? Sind nicht vorgesehen in der Gesellschaft der Macher:innen.

Grundsätzlich sind Pausenzeiten in Deutschland unbezahlt

In Deutschland wird nicht nur zu den Arbeitsstunden geforscht, sondern auch zu Pausenzeiten. Die Ergebnisse sind auch hier übereinstimmend: Gerade kurze Auszeiten sind es, die uns konzentrierter, effektiver und motivierter arbeiten lassen. Hier hilft auch ein Blick nach Schweden ­– die Schwed:innen nennen ihre Pausen "Fika", was so viel heißt wie "einen Kaffee trinken".

Die Fika hat in Schweden Tradition. Die Arbeit wird liegen gelassen, es wird ein Kaffee getrunken, etwas Süßes gegessen, sich mit den Kolleg:innen über dies und jenes ausgetauscht – abseits von Bürothemen. Diese Fika-Pausen sind den Arbeitnehmer:innen vertraglich zugesichert, zitiert das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" Richard Telström. Er lehrt als Dozent für Ethnologie an der Universität Stockholm. Das Wichtigste an der Fika: Sie wird bezahlt.

Die Fika in Schweden ist eine bezahlte und vertraglich festgelegte Pause

Telström zufolge haben schwedische Gewerkschaften diese bezahlte Arbeitspause erkämpft, die jedem:jeder Arbeitnehmer:in zusteht. "Sie erlaubt Leuten, je 20 Minuten Pause am Morgen und am Nachmittag zu machen." Ganz wichtig sei es, dass die Vorgesetzten mit gutem Beispiel vorangehen. Der Fika fernzubleiben ist kein Zeichen von Fleiß, sondern von mangelnder sozialer Kompetenz.

In Deutschland gibt es zwar vereinzelt Arbeits- oder Tarifverträge, die bezahlte Pausen von maximal 15 Minuten gewähren, der Großteil der Arbeitnehmer:innen bekommt für die Pause jedoch kein Geld. Erschreckend ist, dass Arbeitgeber:innen Angestellte abmahnen können, wenn sie zu lange in der Kaffeeküche plaudern – das gilt dann nämlich schon als nicht genehmigte Pause.

Das Homeoffice bietet vielen die Möglichkeit, kleine Pause einzulegen

Das Homeoffice bietet immerhin die Möglichkeit, die Arbeitszeit etwas flexibler zu gestalten und sich auch mal fünf Minuten in die Sonne zu setzen, obwohl nicht offiziell Mittagspause ist. Bei der Fika geht es jedoch nicht nur um die Pause an sich, sondern auch um den Kontakt zu den Kolleg:innen. Denn: In einem entspannten und freundlichen Umfeld arbeitet es sich in der Regel deutlich effektiver.

Welche Pausenregelung für einen selbst am effektivsten ist, muss man ein wenig ausprobieren. Manchen hilft es, schon morgens kleine Pausenzeiten festzulegen, um in der Zwischenzeit konzentriert zu arbeiten und sich dann zu "belohnen". Andere machen intuitiv eine Pause, wenn sie merken, dass die Konzentration nachlässt. Wieder andere sagen, dass sie eine Pause machen, wenn sie diese eine Aufgabe fertiggestellt haben. Wichtig dabei ist: einmal den Arbeitsplatz verlassen, kurz etwas anderes machen und nicht an die Arbeit denken.

Verwendete Quellen: rnd.de, gesetze-im-internet.de, arbeitsrechte.de, haufe.de

Brigitte

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