Fleischsteuer – warum diskutieren wir überhaupt darüber?

Kosten Schnitzel, Hack und Co. bald 19 statt 7 Prozent Mehrwertsteuer? Während der Vorschlag das Land bewegt, meint unser Autor (der selber sehr gerne Fleisch isst): Warum überhaupt diskutieren? Einfach machen!

Der Vorschlag ist überraschend simpel und verspricht dennoch große Wirksamkeit: Politiker verschiedener Parteien fordern, den Mehrwertsteuersatz auf Fleischprodukte von 7 auf 19 Prozent zu erhöhen. Damit wäre Fleisch kein Grundnahrungsmittel mehr, sondern ein Luxusgut.

Fleisch-Fans reagieren in den Sozialen Netzwerken teilweise empört: Plötzlich mehr für die Grillwurst zahlen? Unvorstellbar! Eine Frechheit! Ein Eingriff in die persönliche Freiheit!

Die bittere Wahrheit: Fleisch muss teurer werden

Ja, wenn die Mehrwertsteuer auf Fleisch erhöht wird, werden Schinken und Grillwurst teurer. Wir werden dann alle tiefer in die Tasche greifen müssen. Aber warum denn nicht?

Schließlich ist unstrittig, dass wir zu viel Fleisch essen – und dass uns das in vielerlei Hinsicht schadet. Zu allererst ganz persönlich bei der Gesundheit. Außerdem werden die meisten Nutztiere unter fragwürdigsten Bedingungen gehalten und leiden ihr Leben lang. Und schlussendlich ist die Nutztierhaltung einer der großen Faktoren für den Klimawandel.

Ferkel Schwein

Freiwilliger Verzicht hat nicht funktioniert

Es ist also klar, dass wir alle zusammen weniger Fleisch essen sollten. Das Prinzip des freiwilligen Verzichts hat bislang nicht gut funktioniert. Nur weil wir wissen, dass der Fleischkonsum schädlich ist, haben bislang nur wenige Menschen persönliche Konsequenzen gezogen.

Was passiert also, wenn das Fleisch teurer wird? Die Mehreinnahmen sollen dafür genutzt werden, die Haltung der Tiere zu verbessern – wer kann da was gegen haben? Außerdem werden dann, wenn Schnitzel und Gehacktes erstmal teurer sind, vielleicht doch einige Verbraucher umdenken und ihren Fleischkonsum reduzieren.

Fleisch – Luxusgut oder Grundnahrungsmittel?

Wenn die Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent steigen würde, wäre Fleisch kein Grundnahrungsmittel mehr, sondern eher ein "Luxusgut". Ist das absurd? Man hört schon den deutschen Michel schreien, der ein Grundrecht auf sein billiges Nackensteak durchsetzen will.

Doch die Einteilung von Nahrungsmittel in Mehrwertsteuersätze ist ohnehin undurchsichtig. Äpfel werden mit 7 Prozent besteuert, Apfelsaft mit 19 Prozent. Und warum gilt für Babybrei der höhere Steuersatz – aber für Hundefutter der niedrige?

"Aber ich kann mir das nicht leisten!"

In der Diskussion um Preiserhöhungen fällt auch ein Satz immer wieder: "Ich komme doch jetzt schon kaum über die Runden – ich kann mir das nicht leisten!" Die schmerzhafte Wahrheit ist: Mit so einem Satz weisen wir nur die persönliche Verantwortung von uns. Ehrlicher und richtiger wäre: "Ich will mir das nicht leisten!"

Die meisten Verbraucher, die tönen, dass sie sich teurerers Fleisch nicht leisten könnten, könnten es sich sehr wohl leisten – müssten dann aber an anderer Stelle Einschnitte machen. Seien wir ehrlich: Wir kommen immer "gerade so über die Runden", das liegt aber vor allem an unserem eigenen Verhalten: Wenn wir aus Prinzip all unser Geld ausgeben, ist auch egal, was die Sachen kosten – wir werden nie etwas übrig haben.

Die Behauptung "Das kann ich mir nicht leisten" ist außerdem auch nicht fair denjenigen gegenüber, die es sich wirklich nicht leisten können. Denn natürlich leben in unserer Gesellschaft auch Menschen, die in der Tat jeden Cent mehrfach umdrehen müssen. Diese Menschen würden bei einer erhöhten Fleischsteuer sicherlich ihren Konsum von Wurst und Co. einschränken (müssen). 

Fleischsteuer: Es spricht nichts dagegen

Warum also diskutieren wir überhaupt über die Erhöhung der Steuer auf Fleisch? Der höhere Preis kann das Tierwohl erhöhen, den Klimawandel einbremsen und unsere eigene Gesundheit verbessern. Vernünftige Argumente gegen eine höhere Steuer gibt es auf der anderen Seite keine – sondern nur das unangenehme Gefühl, dass wir künftig mehr bezahlen müssten. Und genau das ist ja das Ziel einer höheren Steuer …

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