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Goldene Ära des Fliegens Gewichtslimit und aufdringliche Passagiere: Das Leben als Flugbegleiterin in den Achtzigern

Flugbegleiterin berichtet: Ann Hood
Ann Hood während ihrer Zeit als Flugbegleiterin
© Ann Hood / Facebook
Flugbegleiterin – das ist der Traumjob vieler junger Frauen. Ann Hood lebte in den Achtzigern ihren Traum. Sie berichtet von einer Welt voll Diskriminierung und Sexismus, aber auch vieler spannender Erlebnisse.

Für Ann Hood war schon als Kind klar, was sie einmal werden wollte: Stewardess. 1978, mit 21 Jahren, war sie am Ziel angekommen. Die US-Fluggesellschaft Trans World Airlines stellte sie unmittelbar nach ihrem College-Abschluss als Flugbegleiterin ein. Doch schon bald stellte sich heraus, dass der Traumjob keineswegs so glamourös war, wie er oft in Filmen und Romanen dargestellt wurde. In ihren Memoiren "Fly Girl", die kürzlich erschienen sind, hat Hood aufgeschrieben, wie die Welt der Stewardessen in den Achtzigern wirklich aussah.

Geprägt ist diese Geschichte von Sexismus, Diskriminierung und mitunter sogar Menschenverachtung – aber auch von einer riesigen Faszination für das Fliegen. Flugreisen waren damals noch ein besonderes Erlebnis, manche zogen dafür sogar extra feine Kleidung an. Die Gäste wurden fürstlich behandelt. Das war die vorrangige Aufgabe von Ann Hood und ihren Kolleginnen: den (vorrangig männlichen) Passagieren eine angenehme Reise zu verschaffen und sie auf keinen Fall zu verärgern.

Flugbegleiterinnen durften Gewichtslimit nicht überschreiten

Flugbegleiterinnen galten damals als "schöne und sexy Ornamente", erzählte Hood CNN. Dennoch waren die Jobs extrem begehrt. Um einen Platz zu ergattern, mussten die Bewerberinnen sich unter anderem an ein Gewichtslimit halten. In den Stellenausschreibungen war bereits ein Maximalgewicht angegeben, wer das überschritt, wurde gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wer eingestellt wurde, durfte nicht zunehmen. Sie hatte schreckliche Angst, berichtet Hood, mehr als 60 Kilogramm zu wiegen. Eine Kollegin wurde gefeuert, weil sie zu viel zugenommen hatte.

Darüber hinaus brauchten die Flugbegleiterinnen Kenntnisse in sehr verschiedenen Bereichen: Im Verlauf ihrer Ausbildung lernten sie, Cocktails zu mixen, bei der Geburt eines Kindes zu helfen oder auch Avancen von aufdringlichen männlichen Fluggästen abzuweisen. Einen Passagier mit klaren Worten in die Schranken zu weisen war allerdings nicht erwünscht. Stattdessen sollten die Flugbegleiterinnen darauf verweisen, dass sie "einen Freund" hätten. In jedem Fall sollten sie dabei ihr Lächeln bewahren.

Der schöne Schein war entscheidend

Ohnehin war der schöne Schein entscheidend in dem Business, wie sich Hood erinnert. Das Bild von Flugbegleiterinnen, das damals in der Öffentlichkeit vorherrschte und von den Airlines vermittelt wurde, war das eines hübsch aussehenden, harmlosen Dummchens. Der "eklatante Sexismus" habe sie "beleidigt und wütend gemacht", schreibt die heute 65-Jährige. Sie selbst habe sich allerdings auch auf Beziehungen mit Passagieren eingelassen – mit einem Mann, den sie als Fluggast kennengelernt hatte, war sie fünf Jahre lang zusammen.

1986 stieg Ann Hood aus dem Geschäft aus und konzentrierte sich auf eine Karriere als Schriftstellerin. Seitdem hat sie eine ganze Reihe von Romanen veröffentlicht. An manche Aspekte ihrer Zeit als Flugbegleiterin erinnert sie sich mit Schaudern, zieht aber dennoch ein positives Gesamtfazit: "Der Job hat mir Spaß gemacht. Ich rede gerne mit Menschen, ich mochte das Gefühl. Noch heute liebe ich Fliegen." Vor allem freute sie sich darüber, viele Städte auf der ganzen Welt kennenlernen zu können. "Meistens war die Stadt direkt vor der Tür. Das habe ich bei internationalen Flügen oft genutzt."

Das Bild von Flugbegleiterinnen in der Öffentlichkeit hat sich zumindest teilweise gewandelt. Ann Hood warnt davor, den Job zu unterschätzen: "Flugbegleiterinnen sind unabhängig, in der Flugkabine treffen sie die Entscheidungen, müssen Probleme lösen und im Notfall bereit sein. Sie finden sich in Städten zurecht, wo sie nichts und niemanden kennen." Ihr selbst habe die Zeit damals als junge Frau Selbstbewusstsein gegeben und ihr beigebracht, selbstständig zu denken.

Quellen: CNN / "Insider" / "Fly Girl" von Ann Hoo

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

epp/stern

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