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Die Frankfurter Buchmesse Darum sagen so viele Autor:innen ihren Besuch jetzt ab

Die Frankfurter Buchmesse: Darum sagen so viele Autor:innen ihren Besuch jetzt ab
© Billion Photos / Shutterstock
In den vergangen Tagen haben immer mehr Autor:innen ihren Besuch auf der Frankfurter Buchmesse abgesagt. Der Grund: Die Teilnahme und präsente Platzierung des Jungeuropa Verlags – der der Neuen Rechten zugeordnet wird.

Die Autorin Jasmina Kuhnke hatte ihren Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse aufgrund der Anwesenheit des Jungeuropa Verlags kurzfristig abgesagt. Auf Twitter schrieb sie: "Es ist absehbar, dass über den Verlag hinaus auch weitere Rechtsextreme die Messe besuchen werden, was die Gefahr für mich persönlich unübersehbar gegenwärtig macht."

Jasmina Kuhnke sagt ihren Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse ab

Jasmina Kuhnke ist TV-Autorin, Kolumnistin und setzt sich gegen Rassismus ein. Auf der Frankfurter Buchmesse wollte sie ihren Debütroman "Schwarzes Herz" vorstellen. Ihr Auftritt und die Diskussionsrunde "Die Streiterinnen", die am Freitagabend bei der ARD-Buchnacht stattfinden sollten, waren nicht angekündigt worden, da ihre Teilnahme "nur unter besonderen Schutzmaßnahmen" möglich sei, schrieb sie auf Twitter.

Denn bereits im Frühjahr hatte Kuhnke unter der Bedrohung von Rechten zu leiden. Sie und ihre Familie mussten im Zuge diese Bedrohungslage sogar umziehen. Der Verlag Rohwolt, der das Buch von Kuhnke herausbringt, schreibt zu der Absage: "An prominenter Stelle ist auf dieser Messe ein Verlag vertreten, dessen Leiter u.a. öffentlich die 'Abschiebung' von Jasmina Kunhke gefordert hat." Gemeint ist damit Philip Stein, Verleger von Jungeuropa.

Autor:innen zeigen Solidarität gegen Rassismus und Rechtsextremismus 

Mit ihrer Absage löste die Autorin einen Diskurs aus. Einige Kolleg:innen solidieren sich mit ihr, andere sehen den Boykott als falsches Signal an und die Frankfurter Buchmesse versucht es mit Diplomatie. Inzwischen haben neben Jasmina Kuhnke auch Ciani-Sophia Hoeder, Aminta Touré, Annabelle Mandeng, Nikeata Thompson, Raul Krauthausen und Ricardo Simonetti abgesagt.

Nicht nur die Teilnahme des rechten Verlages ist per se ein Problem, sondern die Positionierung des Standes – in Halle 3.1 in direkter Nähe zum Blauen Sofa, auf dem auch Jasmina Kuhnke auftreten sollte. Die Pole Position also.

Ist der Boykott der Frankfurter Buchmesse der richtige Weg?

Die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein stellten klar: "Das Verbot von Verlagen oder Verlagserzeugnissen obliegt in unserem Rechtsstaat den Gerichten und nicht einzelnen Akteur:innen wie der Frankfurter Buchmesse." Zur Einordnung: Die Verlage werden nicht zur Messe geladen, sondern kaufen sich ein. Schließt die Messe einen Verlag aus, könnte dieser klagen und es müsste nachgewiesen werden, dass der Verlag Bücher vertreibt, die strafrechtlich verfolgbar sind – dennoch bleibt die Frage der Standwahl.

Autorinnen wie Jagoda Marinic und Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank solidarisieren sich auf Twitter mit den Absagen ihrer Kolleg:innen, stellen jedoch klar, dass der Boykott für sie nicht das richtige Zeichen sendet. Denn wer nicht da ist, könne auch keine Diversität schaffen und überlasse die Bühne denen, die sie am wenigsten bekommen sollten, schreibt die Literaturredakteurin der "taz".

Der Umgang mit dem Thema bleibt strittig. Eines ist jedoch gewiss, der besagte Verlag wird sich eher über die derzeitige Aufmerksamkeit freuen. Denn: Schlechte Presse ist eben auch Presse und damit Aufmerksamkeit.

Verwendete Quellen: taz.de, tagesspiegel.de, deutschlandfunk.de, twitter.de

slr Brigitte

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