Frankfurter Hauptbahnhof – ein Schlag ins Gesicht der trauernden Mutter!

Ein Mann stößt im Frankfurter Hauptbahnhof eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn vor einen ICE, der Junge stirbt. Unser Autor meint: Die Art und Weise wie über den Fall gesprochen wird, ist ein Schlag ins Gesicht der trauernden Mutter.

Dieses Thema beschäftigt große Teile Deutschlands seit Tagen: Ein offenbar verrückter Mann hat einen kleinen Jungen grausam getötet. Vor den Augen von hunderten Reisenden hat der Mann den Achtjährigen und seine Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen.

Ein grausamer Fall, der natürlich viele Menschen beschäftigt. Wenn solch etwas Tragisches passiert, ist es klar, dass wir darüber miteinander sprechen. Doch die Art und Weise, wie teilweise über Frankfurt gesprochen wird, ist unerträglich. Für die Angehörigen des getöteten Jungen, für alle anderen trauernden Eltern und für die zahlreichen traumatisierten Augenzeugen vom Frankfurter Hauptbahnhof.

Unnötige Täter- und Sicherheitsdiskussion

Die Medienberichte werden beherrscht von Debatten über die Herkunft des Täters, bessere Grenzüberwachung oder stärkere Sicherheitskontrollen an Bahnhöfen. Der Innenminister bricht seinen Urlaub ab und gibt eine Pressekonferenz, TV-Sender ändern ihr laufendes Programm – und ständig im Fokus steht die Frage, wie sicher wir uns nach dieser furchtbaren Tat noch fühlen können.

Diese Debatte hilft weder der trauernden Mutter, noch den Angehörigen oder den traumatisierten Augenzeugen. Im Gegenteil: Diese Verschiebung der Debatte ist ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen!

Weniger Diskussion, mehr Trauer

Die brutale Tat von Frankfurt wird vom Staatsanwalt als Mord eingestuft. Letztlich ist es genau das: Ein verabscheuenswürdiger Mord – nicht mehr und nicht weniger.

Der Achtjährige wurde nicht bei einem Terroranschlag getötet, nicht bei einem Amoklauf, nicht durch marodierende Banden. Es war ein einzelner (offensichtlich kranker) Mann, der zu einer Wahnsinnstat getrieben wurde – aus Gründen, die wir alle nicht nachvollziehen können.

Wie sollen wir uns vor sowas schützen?

Die ganze Diskussion über besser Überwachung an Grenzen oder Bahnsteigen soll uns das Gefühl geben, dass wir uns gegen solche Taten schützen könnten, wenn wir die richtigen Maßnahmen ergreifen würden. Die traurige Wahrheit lautet: Wir können uns nicht vor solchen Taten schützen.

Verrückte, die wahllos Menschen – sogar kleine Kinder – töten, sind eine absolute Horror-Vorstellung, das stimmt. Aber wie soll man sich gegen solche Verrückten schützen? Wenn die Bahnhöfe gesichert und mit verbesserter Kameraüberwachung ausgestattet sind, schlägt der nächste Täter mit einem Küchenmesser im Supermarkt zu oder mit einem Auto in der Fußgängerzone …

So schwer es zu ertragen ist: Absolute Sicherheit gibt es in unserem Leben nicht – deswegen bringt uns diese Diskussion nach dem Fall von Frankfurt nicht weiter.

Gemeinsam gegen das Grauen

Lasst uns lieber miteinander sprechen, wie wir trauernden Müttern helfen können. Wie wir Menschen unterstützen können, die ein solches Leid erleben mussten. Lasst uns lieber miteinander diskutieren, wie wir mehr Mitmenschlichkeit leben können – und nicht, wie wir vermeintliche und potentielle Täter ausgrenzen können.

Am Bahnsteig in Frankfurt hat das schon funktioniert: Reisende haben spontan ihre Koffer geöffnet, ihre Urlaubskleidung gestapelt und geschockten Augenzeugen darauf die Beine hochgelegt. Wildfremde haben einander getröstet, lagen sich in den Armen, haben sich gegenseitig Halt gegeben.

Solche Szenen machen Hoffnung. Sie sollten uns mehr Hoffnung machen, als der Täter uns Angst machen kann!

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