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Bis zu 10 Jahre und mehr Frauen sind das langlebigere Geschlecht – das beweist jetzt sogar die Biologie

Ein älteres Paar sitzt zusammen auf einer Bank
© Cherries / Adobe Stock
Frauen werden statistisch älter als Männer. Bisher galt die Annahme, dass Frauen sich einfach mehr um ihre Gesundheit kümmern – gesünder essen, Vorsorgetermine wahrnehmen und weniger rauchen und Alkohol trinken. Jetzt hat eine Forschungsgruppe Anzeichen einer biologischen Ursache gefunden.

"Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lebenserwartung sind fast so verbreitet wie das Geschlecht selbst", heißt es in der Studie  der Froschenden des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns in Köln, die gemeinsame Untersuchungen mit einem Team des University College in London vorgenommen haben. Frauen seien generell das langlebigere Geschlecht, in einigen Ländern würden sie sogar durchschnittlich zehn Jahre länger auf dieser Erde weilen, heißt es weiter.

Nicht nur äußere Umstände haben einen Einfluss auf die Lebenserwartung

Zwar spielen nach wie vor äußere Umstände ebenso eine Rolle, wenn es um die Lebenserwartung von Frauen und Männern geht. Jedoch scheinen die Forschenden erste Anzeichen entdeckt zu haben, die auch eine biologische Komponente nicht ausschließen. Ausgangspunkt der Untersuchung war die Beobachtung, dass auch in ärmeren Ländern ohne ein ausgebautes Gesundheitssystem Frauen deutlich älter wurden als Männer. Es handelt sich also um ein globales Phänomen, bei dem nicht nur die Lebensumstände eine Rolle spielen können.

Hinzu kommt, dass dies kein Effekt der Neuzeit ist. Historische Untersuchungen stützten die These, da sie einen Zeitraum betrachten, der mehrere hundert Jahre zurückliege – und sich auch hier das Gleiche zeigte: Frauen leben länger als Männer.

Der Alterungsprozess wurde mithilfe eines Anti-Aging-Präparats untersucht

Das Forschungsteam hat untersucht, ob es Möglichkeiten gibt, den Alterungsprozess biologisch zu beeinflussen, um Rückschlüsse darauf ziehen zu können, ob das unterschiedliche Altern bei Männern und Frauen auch eine biologische Komponente hat.

Um diesen Ursachen auf die Spur zu kommen, nutzte das Team zunächst Fruchtfliegen. Denn auch hier: Weibliche Fruchtfliegen leben länger als männliche. Der Vorteil der kleinen Insekten ist, dass sie in der Regel nur drei Monate leben und der Alterungsprozess so quasi im Schnellverfahren untersucht werden kann, was wiederum kurzfristig zu Ergebnissen führt.

Um zu sehen, ob es biologische Veränderungen im Alterungsprozess gibt, wurde den Fruchtfliegen ein Medikament verabreicht. Rapamycin ist ein Medikament, das von manchen Wissenschaftler:innen als vielversprechendes Anti-Aging-Präparat gehandelt wird. Zeigen sich beim Verabreichen des Medikaments Unterschiede bei Männern und Frauen, könnte dies auf eine biologische Alters-Ursache hindeuten.

Bei weiblichen Fruchtfliegen konnte die Lebensspanne verlängert werden

Und tatsächlich gibt es einen Effekt. Das Medikament sollte die Lebensspanne der Fruchtfliegen verlängern. Das tat es auch, allerdings nur bei den weiblichen. "Wir haben herausgefunden, dass das Rapamycin nur die Lebensspanne der weiblichen Fruchtfliegen verlängert hat und dass es auch nur bei den weiblichen Fliegen dazu geführt hat, die altersassoziierten Erkrankungen abzumildern beziehungsweise hinauszuzögern", so der Molekularbiologe Yu-Xuan Lu.

Bei den weiblichen Fruchtfliegen hat das Rapamycin einen zellulären Prozess im Darm verstärkt, der für das Recycling-System der Zellen verantwortlich ist. Dabei handelt es sich um die sogenannte Autophagie, umgangssprachlich auch als "Müllabfuhr der Zelle" bezeichnet. Die intensivierte Autophagie habe die Alterungsprozesse in den weiblichen Fliegen aufgehalten, so die Schlussfolgerung der Forschenden. Bei den männlichen Fliegen wurde kein Effekt gefunden.

Die Autophagie oder das Recyceln von molekularem Müll scheint ebenfalls einen Einfluss auf das Altern zu haben. Wenn Menschen älter werden, kann das Gleichgewicht zwischen der Produktion und dem Abbau von Eiweißen in menschlichen Zellen gestört sein. Wodurch sich der molekulare Müll anstauen und zu Krankheiten führen kann – wie etwa Diabetes, Parkinson oder Alzheimer. Und auf diesen Prozess kann wiederum auf biologischer Ebene eingewirkt werden.

Da nicht nur Fruchtfliegen einen geschlechtsspezifischen Unterschied zeigten, sondern auch weibliche Mäuse länger lebten und gesünder blieben, gehen die Forschenden davon aus, dass das Geschlecht auch beim Menschen einen entscheidenden Faktor beim Altern ausmachen könnte. Ob tatsächlich auch beim Menschen Anti-Aging-Medikamente wirksam sind, muss jedoch noch durch weitere aufwendige und kostenintensive Studien gezeigt werden.

Verwendete Quellen: tagesschau.de, nature.com, deutschlandfunk.de

slr Brigitte

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