FrauenMedienPreis 2008: Eine Preisträgerin rappte als Dank

144 Beiträge - fünf Auszeichnungen: Am Mittwochabend wurde in Hannover der Niedersächsische FrauenMedienPreis 2008 verliehen. Gewinnerinnen im Bereich Fernsehen: Silke Zertz und Beatrix Schwehm. Für den Hörfunk erhielten Susanne Franzmeyer und Stefanie Pütz den Preis. Der Förderpreis ging an das Team Nina Lindlahr und Anne Leger.

Frauenministerin Mechthild Ross-Luttmann und die Preisträgerinnen bei der Verleihung am Mittwoch in Hannover

Silke Zertz schrieb für den TV-Film "Ich bin eine Insel" das Drehbuch. Ulrike Folkerts alias Kommissarin Lena Odenthal spielt darin eine Lehrerin, die sich nach einem tragischen Unfall total zurückzieht. Spröde und abweisend reagiert sie auf die zehnjährige Rosa, die aufdringlich ihre Nähe sucht, weil sie aufgrund ihres rundlichen Körpers ebenfalls einsam ist. Schließlich nähren sich die beiden an, holen sich gegenseitig aus ihrer Angst vor weiteren Verletzungen heraus. Unglaublich gut: Tülin Karaca als dicke Rosa. Zwischen dieser Neuentdeckung und ihrer prominenten Mitspielerin soll sich während der Dreharbeiten eine echte Freundschaft entwickelt haben, erzählte Silke Zertz, als sie freudestrahlend den Preis entgegen nahm.

Um Nähe, Liebe, Abgrenzung und Toleranz geht es auch in "Luise - eine deutsche Muslima", dem Dokumentarfilm, der ausgezeichnet wurde. Vor fünf Jahren, im Alter von 19, konvertierte Luise zum Islam und lebt seither verschleiert mit algerischem Ehemann und Kind im Dachgeschoss des Elternhauses. Ihre Mutter, von der Frauenbewegung geprägt, kann diesen Schritt nicht nachvollziehen, versucht aber dranzubleiben, zu verstehen, immer wieder ins Gespräch zu kommen. Die Bremer Autorin Beatrix Schwehm ist dabei, wenn diese beiden Frauen sprechen, streiten, laut nachdenken, bekennen - es scheint, als hätten sie die Kamera völlig vergessen. Wer den Film sieht, wird mit den eigenen Grenzen, Vorurteile und Klischees konfrontiert. "Ich weiß, dass es ein streitbarer Film ist," sagt Beatrix Schwehm, die wegen eines Rückenleidens nicht bei der Preisverleihung anwesend sein konnte. Sie habe sich bewusst jeder Wertung und Kommentierung enthalten "damit der Zuschauer sich selbst positionieren muss". Diese Dokumentation erhielt übrigens im April auch den Grimme-Preis 2008. Aber das war für die Jury des FrauenMedienPreis - in der auch BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten saß - nicht ausschlaggebend. "Wir waren uns sehr schnell einig, dass dieser Film einen Preis verdient," erzählt Silke Baumgarten, "weil er uns alle bewegt und unser Denken verändert hat."

Mit einem selbstverfassten Rap bedankte sich die Preisträgerin Susanne Franzmeyer für ihre Auszeichnung. Die junge Berlinerin hat nicht nur einen hervorragenden, unterhaltsamen Hörfunk-Beitrag über Frauen im deutschen HipHop getextet, sie selbst gehört zu dieser Szene und bringt demnächst ihre eigene CD heraus. Auch Leute, die mit HipHop nichts am Hut haben, werden von dem sprühenden, kreativen Selbstbewusstsein der vier Rapperinnen mitgerissen, die in diesem Beitrag reden und singen und sich weder bitch noch sister nennen.

"Alte Schachtel, böse Hexe, liebe Omi" - nur diese Einordnungen gibt es für Frauen jenseits der Menopause, meint die 4. Preisträgerin Stefanie Pütz, die diese Klischees in einem gleichnamigen Hörfunkbeitrag historisch einordnete und mit einer gehörigen Portion Ironie ad Absurdum führte.

Den Förderpreis erhielten Nina Lindlahr und Anne Leger für eine witzig gemachte Kindersendung über Frauenfussball - wer weiß schon, dass dieses Spiel erst 1970 offiziell für Frauen erlaubt wurde?

Mit dem Juliane-Bartel-Preis - benannt nach der vor zehn Jahren verstorbenen couragierten Fernsehjournalistin - werden seit 2001 Beiträge gewürdigt, die der klischeehaften Darstellung von Frauenbildern in unseren Medien durch ihre positiven Beispiele andere Seiten vom Frauendasein entgegen setzen. "Wir geben Impulse für Fernseh- und Rundfunkbeiträge, die zeigen, wie Frauen und Männer wirklich sind. Und wir wollen mit dem Juliane-Bartel-Preis den Blick auch auf andere Kulturen lenken," sagte die niedersächsische Frauenministerin Mechthild Ross-Luttmann gestern Abend bei der munteren Verleihungszeremonie in Hannover.

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