Ungerecht? Deshalb verdienen Frauen im Fußball viel weniger als Männer

Im Zuge der Fußballweltmeisterschaft der Frauen ist erneut eine Debatte um die Bezahlung der Spielerinnen entfacht. Doch warum verdienen die Frauen so viel wenig als Männer im? Die Wahrheit ist: Die Schuld liegt bei uns allen.

Nach einer Erhebung der Global Sports Salaries Survey verdiente Brasiliens Topspieler Neymar im Jahr 2017 bei Paris Saint Germain mehr als alle 1700 Spielerinnen der Top-Ligen in den USA, Deutschland, Frankreich, England, Schweden, Australien und Mexiko zusammen. Preisgelder bei Turnieren und Werbeverträge sind hier ausgenommen. Die Fußballerinnen verdienten zusammen rund 36,91 Millionen Euro – Neymar alleine 100.000 Euro mehr.

Preisgeld bei der WM erhöht 

Die FIFA hat mittlerweile das Preisgeld auf 75.000 Euro pro Spielerin im Falle eines Weltmeisterschaft-Gewinns erhöht. Gemessen an der Tatsache, dass es für die Gewinnerinnen aus dem Jahr 1989 gerade mal ein Kaffeeservice gab, ist das eine hübsche Summe. Nur: Die Männer hätten im vergangenen Jahr 350.000 pro Nase erhalten. Ist das gerecht? 

Die Kirche im Dorf lassen 

DFB-Kapitänin Alexandra Popp hat dazu eine klare Meinung. "Die Fifa hat die WM-Prämien jetzt verdoppelt. Vielleicht sollte man bei der Diskussion die Kirche im Dorf lassen", sagt sie gegenüber Bild.de. Das stimmt, aber die Unterschiede in den Ligen selbst klaffen noch zu weit auseinander. 

Während bei den Herren ausschließlich jeder im Profisport von seinen Einnahmen mehr als gut leben können, verdienen deutsche Fußballerfrauen laut Statista im Durchschnitt 38.000 Euro im Jahr, was einem normalen Jahresgehalt gleichkäme. Nur ist das Gehältsgefälle innerhalb der Liga immens, wie die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult gegenüber dem WDR erzählt: "Es gibt Spielerinnen, die 200 Euro verdienen, es gibt auch Spielerinnen, die dann vielleicht 10.000 Euro verdienen."

Ein Sportökonom erklärt, warum 

Der Sportökonomen Prof. Dr. Frank Daumann von der Universität Jena versucht die Unterschiede gegenüber dem WDR aus wirtschaftlicher Sicht zu erklären. 

Ein Erklärungsansatz bei den Gehältern läuft immer über das sogenannte Wertgrenzprodukt. Heißt: Was verdient eigentlich der Spieler dem Klub? Und ein Spieler wie Neymar lässt sich unglaublich gut vermarkten. Paris Saint-Germain gewinnt durch Neymar ziemliche Umsätze hinzu. Das geben sie teilweise an den Spieler weiter. Wenn sie sich weibliche Spielerinnen anschauen, haben die ein vergleichsweise geringes Wertgrenzprodukt. Das spiegelt sich im Gehalt wider.

"Wir generieren nicht die Gelder" 

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beantwortet die Frage über die Gerechtigkeit gegenüber Bild.de ähnlich: "Wir generieren nicht die Gelder, also können wir sie auch nicht in der gleichen Höhe fordern. Ungerecht sind Gehälter dort, wo Männer und Frauen sich auf der gleichen Ebene bewegen und die Arbeitsbedingungen gleich sind.“

Doch leisten die Frauen denn nicht dasselbe auf dem Platz, wie die Männer? Jein. Denn wenn kaum jemand die Spiele schaut, dann ist eine WM der Frauen weder für Sponsoren nur für andere Werbetreibende wirtschaftlich relevant. Und so generiert das Turnier eben auch weniger Geld. 

Weniger Zuschauer 

Vergleicht man die Zuschauerzahlen, dann bewegen sich Frauen- und Herrenfußball in zwei unterschiedlichen Dimensionen. Der Zuschauerschnitt der Frauen-Bundesliga betrug laut FUPA zuletzt 833, in der Herren-Bundesliga jedoch 43.467 Zuschauer. Dementsprechend unterschiedliche fallen dann auch die Zuschauer-Einnahmen, TV-Gelder und Werbe-Einnahmen aus.

Also liegt die Verantwortung über die Gleichberechtigung bei uns als Zuschauenden selbst. Anstatt uns also das wieder über die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen aufzuregen, sollten wir uns vielleicht das nächste Mal einfach vor den Fernseher setzen und uns genauso darüber freuen, wenn die Damenmannschaft ein Spiel gewinnt und vielleicht auch den ein oder anderen Fan-Artikel kaufen!

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