Klischeefalle "Spielerfrau": Bitte verschont uns!

Von Pin-up-Sammelbildchen bis zu Rankings mit Gewichtsklassen - was zur WM über "die Spielerfrau" zu lesen ist, hat die unterste Liga erreicht. Kommt endlich in der Gegenwart an, fordert BRIGITTE-Redakteurin Michèle Rothenberg.

Die Spielerfrau gehört zu den Standardsituationen in der WM-Berichterstattung. Bei jedem Turnier wird sie wieder aus der Kiste geholt, in der Hoffnung, dem Sport etwas Sex und Glamour zu verleihen. Was selten gelingt. Denn der Spielerfrau haftet inzwischen etwas Verstaubtes an, so wie Vereinswimpeln oder dem Satz "Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten". All diese Witze, die man tausendmal gehört hat, all diese Klischees - es ist so langweilig und passt überhaupt nicht mehr in die hochprofessionelle, moderne Welt des Profifußballs.

Aber offenbar ist das noch nicht bei allen angekommen. Während der Fußball international immer besser wird und es mittlerweile auch für Frauen Magazine zur Fußballkultur gibt, sind die Berichte über Spielerfrauen in dieser Saison billig wie lange nicht mehr. So hat der "Südkurier" den deutschen Spielerfrauen Noten vergeben - natürlich fürs Aussehen. Über die Frau von Lukas Podolski lesen wir dort: "Zeigt äußerlich eine solide Leistung, ist optisch aber eher Straßenfußballerin." Bastian Schweinsteigers Freundin Sarah dagegen bekommt eine gute Note, ist ja auch Model. Punktabzug gibt es trotzdem: "Gewichtsmäßig noch Luft nach oben - mit zwei, drei Kilo mehr wäre der Gesamteindruck noch etwas runder." Ein "Sehr gut" bekommt auch Roman Weidenfellers Freundin Lisa, denn: "Murrt nicht, sondern ist auf den Punkt hübsch, wenn es darauf ankommt."

Ähnlich unlustig ist auch die Idee eines Deo-Herstellers, Poster und Sammelsticker mit den "elf attraktivsten Spielerfrauen" auf den Markt zu werfen. Dort zeigen sich die Frauen von WM-Fußballern in Unterwäsche und erotischen Posen. "So sexy können Fankurven sein", heißt es in der Pressemitteilung. Gähn.

Es ist gar nicht so, dass mich die Frauen der Fußballspieler nicht interessieren würden. Ich finde es spannend zu erfahren, mit wem berühmte Leute ihr Privatleben verbringen, seien es Schauspieler, Fußballstars oder die Bundeskanzlerin. Es macht sie menschlich, zeigt ihre Persönlichkeit. Aber dann möchte ich auch ein bisschen mehr erfahren als die Konfektionsgröße.

Klar, viele Frauen an der Seite der Profikicker sehen gut aus. Aber sie machen auch andere interessante Dinge, ja, die meisten haben sogar einen richtigen Job! Sara Carbonero zum Beispiel ist eine bekannte TV-Journalistin und nebenbei auch mit dem spanischen Torhüter Iker Casillas verlobt. Der schwedische Kicker Zlatan Ibrahimovic benimmt sich zwar wie ein Supermacho, hat aber mit Helena Seger eine erfolgreiche Managerin zur Frau, die sehr gut ohne seine Millionen zurechtkommt. Dass Manuel Neuer eine Friseurin liebt, die er im Flugzeug kennengelernt hat, oder dass Per Mertesackers Freundin Handballnationalspielerin ist - das macht die Spieler interessant. Und es zeigt, dass sie einen viel besseren Geschmack haben als so mancher Redakteur oder Marketingstratege.

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