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"Bin vollkommen am Ende" - Anonymes Protokoll eines G20-Polizisten

"Bin vollkommen am Ende" - Anonymes Protokoll eines G20-Polizisten
© Gettyimages/Alexander Koerner
Es waren verstörende Szenen, die sich am Wochenende in Hamburg abgespielt haben. Am Rande des G20-Gipfels kam es immer wieder zu brutalen Ausschreitungen. Ein Polizist berichtet.

Ihr Einsatz beim G20-Gipfel am Wochenende in Hamburg war heldenhaft. Tagelang haben Tausende Polizisten versucht, die Stadt vor gewalttätigen Angreifern aus der autonomen Szene zu schützen – und gingen dabei an ihre Grenzen. Bilder von verletzten und völlig erschöpften Beamten machten im Netz und in den Medien die Runde. Wie hart dieser Einsatz wirklich war, hat ein Polizist dem 'stern' erzählt. Am Rande der Proteste berichtete der 29-Jährige:

Ich bin vollkommen am Ende, wie wir alle hier. Wir sind seit 30 Stunden im Einsatz, dazwischen eineinhalb Stunden Schlaf auf der Pritsche.
Wir haben heute Nachmittag an den Landungsbrücken so eine Art Notversorgung aufgebaut, weil mehrere Kollegen zusammengebrochen sind. Denen war einfach zu heiß, die sahen aus wie nach vier Stunden Sauna.

Ein Grund: Die Anzüge der Polizisten wiegen knapp 20 Kilo. Darin zu rennen und sich zu verteidigen – ein Kraftakt für die Frauen und Männer.

Ein anderer Grund: die gewaltsamen Proteste der 'Welcome to Hell'-Demo an den Hamburger Landungsbrücken.

Ich war gestern bei der Demo ganz vorne, als das eskaliert ist. Schwer zu sagen, ob die Strategie der Chefs richtig war, die Demo an der Stelle aufzulösen. Das hat jedenfalls ordentlich geknallt, wir hatten mehrere verletzte Kollegen.
Eigentlich brauchen wir dringend Verstärkung. Aber es sind schon alle hier aus Deutschland. Wir wollen nicht rumheulen. Aber bis Sonntag durchhalten wird hart.

Sie haben durchgehalten - auch wenn einige Viertel Hamburgs zeitweise einem Trümmerfeld glichen und den Polizisten blanker Hass entgegenschlug. Zum Ende des G20-Gipfels zollten viele Bürger dem unermüdlichen Einsatz der Beamten Respekt.


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