Gauck oder Wulff? Der Kandidaten-Check

Christian Wulff soll Bundespräsident werden - aber in Umfragen stehen die Deutschen eher hinter seinem Konkurrenten Joachim Gauck. Und auch die Linke hat inzwischen mit Luc Jochimsen eine eigene Kandidatin aufgestellt. Wir haben Gauck und Wulff im Kandidaten-Check untersucht.

Erfahrung in der Politik

Christian Wulff: Er ist 50 Jahre alt - und davon 35 Jahre CDU-Mitglied. Von der Jungen Union bis ins Ministerpräsidentenamt hat er die klassische Parteikarriere durchlaufen, zahlreiche Wahlkämpfe bestritten und als Mitglied des "Andenpakts", eines inoffiziellen Interessenbündnisses in der CDU, ein enges Netzwerk mit mächtigen Parteifreunden geknüpft. Er könnte direkt aus der Tagespolitik ins Bundespräsidialamt wechseln.

Joachim Gauck: Der Theologe wurde während der DDR-Bürgerrechtsbewegung 1989 zum politischen Quereinsteiger. Nach der Wiedervereinigung wurde er Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen. Als seine Amtszeit 2000 endete, lehnte er Angebote der SPD ab, für den Bundestag zu kandidieren. In den vergangenen Jahren ist der 70-jährige Gauck nur noch gelegentlich als Redner aufgetreten. Derzeit ist er kein Mitglied einer Partei.

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Christian Wulff: Der Saubermann. Die Karriere des niedersächsischen Ministerpräsidenten lief weitgehend skandalfrei. Bei den Bürgern gilt der smarte Jurist als beliebt.

Joachim Gauck: Der Aufarbeiter. Nach ihm wurde das Amt, das er leitete, "Gauck-Behörde" genannt - und auch nach dem Ende seiner Amtszeit bleibt die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit sein großes Thema.

Größter Pluspunkt

Christian Wulff: Er kennt den Politikbetrieb in- und auswendig - anders als der zurückgetretene Horst Köhler ist er perfekt in eine Partei integriert.

Joachim Gauck: Er ist ein Kandidat, von dem viele Deutsche sich gut vertreten fühlen könnten: Ost- und Westdeutsche, CDU- und SPD-Wähler.

Unterstützer

Christian Wulff: Angela Merkel, Guido Westerwelle und mit ihnen die gesamte Bundesregierung.

Joachim Gauck: Außer der SPD und den Grünen, die ihn als Kandidaten aufgestellt haben: die Bürger. In Umfragen liegt Gauck meist weit vor Wulff, auf Facebook hat er mehr als 10.000 Anhänger. Sogar ostdeutsche FDP- und CDU-Politiker sind enttäuscht, dass ihre Parteien nicht selbst auf die Idee gekommen sind, ihn zu nominieren.

Größtes Handicap

Christian Wulff: Seine eigene Farblosigkeit. Neben einem Konkurrenten von Gaucks Format wirkt der Profi-Politiker Wulff zwangsläufig etwas zu glatt, zu nett, kurz: wie eine Notlösung.

Joachim Gauck: Die Stimmverteilung in der Bundesversammlung. Von deren 1244 Mitgliedern werden 646 von Union und FDP gestellt - das reicht für eine absolute Mehrheit für Wulff im ersten Wahlgang.

Was von ihnen zu erwarten ist

Christian Wulff: Mit wortgewaltigen Reden hat er sich bisher keinen Namen gemacht. Seine Formulierungen sind häufig eher zurückhaltend. Dass er den richtigen Ton treffen kann, bewies er aber zuletzt bei der Trauerfeier für Robert Enke. Um für die schwarz-gelbe Regierung ähnlich unbequem zu werden wie zwischenzeitlich Horst Köhler, steht er Merkel und der CDU zu nah.

Joachim Gauck: In ihrer Laudatio zu seinem 70. Geburtstag lobte Angela Merkel ihn als brillanten Redner. Gauck kann pointiert formulieren - gute Voraussetzungen für einen Bundespräsidenten, der ja fast ausschließlich über seine Reden Impulse geben kann. Als parteiloser Präsident könnte er der Regierung etwas genauer auf die Finger schauen als andere.

Chancen

Christian Wulff: Seine Wahl gilt als sicher.

Joachim Gauck: Jede Abweichlerstimme für ihn wäre ein Achtungserfolg. Dass er eine absolute Mehrheit für Wulff verhindert und so einen zweiten Wahlgang erreicht, ist aber unwahrscheinlich.

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Text: Swantje Wallbraun Foto: Getty Images

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