Geheimcode Körpersprache

Nimmt mich mein Chef ernst? Blockt die Kollegin? Will die Freundin reden, oder ist sie gedanklich schon beim nächsten Termin? Was der andere denkt, bleibt uns oft verborgen. Dabei ist es ganz einfach: Man muss nur auf die Körpersprache achten - und den richtigen Schluss ziehen.

Xenia Busam

"Irgendein Zeichen gibt es immer", sagt Xenia Busam. Zeichen, die wir zwar intuitiv wahrnehmen, die wir aber oft nicht richtig deuten. Xenia Busam (37) ist Diplom-Pädagogin und arbeitet als Trainerin für die "CoachAcademy" in Stuttgart. Dort beschäftigt sie sich mit den Geheimnissen der Körpersprache und gibt auch Seminare zu dem Thema.

Sie weiß, wie schnell Körpersprache falsch interpretiert wird. "Was hattest du denn gegen den Mann?", wurde sie einmal auf einer Party von einem unbeteiligten Beobachter gefragt. Xenia Busam verstand nicht. Gerade hatte sie sich noch nett mit dem fremden Mann unterhalten, da wurde ihr gesagt, sie habe aggressiv mit dem Messer vor dessen Gesicht rumgefuchtelt. In Wirklichkeit war sie ihrem Gegenüber durchaus positiv gesinnt, das Messer war lediglich zum Kuchen schneiden gedacht.

Ein typisches Beispiel, wie Körpersprache falsch verstanden wird. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, hilft nur eins: Genau hinsehen und sich nicht nur auf ein Signal verlassen. "Wäre ich wirklich aggressiv gewesen, hätte mein Körper angespannt sein müssen. Die Schultern zurückgenommen, der Kopf gerade, das Kinn möglicherweise provokant nach vorne geschoben", erklärt Xenia Busam. Die Expertin zeigt an Beispielen, was wir aus typischen Körperhaltungen ablesen können. Sie rät, die Positionen selbst auszuprobieren, da die eigene Wahrnehmung für die Körpersprache anderer sensibilisiert.

Verschränkte Arme

Häufigste Interpretation: Die vor dem Körper verschränkten Arme dienen als Barriere, beispielsweise als Schutz vor einem verbalen Angriff. Vorsicht Missverständnis: Es kann auch einfach nur eine entspannte Wohlfühl-Haltung sein oder ein Ausdruck von Arroganz. Was sagt das Foto? Die Haltung auf dem Foto entspricht am ehesten der Barriere. Sie ist abwartend und trotzdem selbstbewusst. Es ist keine Wohlfühl-Haltung, dafür sind Körper und Gesicht zu angespannt. Wäre das Kinn weiter nach oben gestreckt, würde die Frau auf ihr Gegenüber herunterblicken, sie würde arrogant wirken.

Hände an den Hüften

Häufigste Interpretation: Stützt der Gesprächspartner die Hände in die Hüften, nimmt er damit mehr Raum in Anspruch. Achtung: Es könnte ein Zeichen sein, dass er zum (verbalen) Angriff bereit ist. Vorsicht Missverständnis: Die Haltung könnte genauso gut der Verteidigung dienen. Ihr Gegenüber ist unsicher, die aufgestützten Hände sollen stabilisieren. Was sagt das Foto? Das Kinn ist erhoben, der Oberkörper aufgeplustert. Die Haltung ist eher provozierend, die Frau ist sich ihrer starken Position bewusst. Bei einer Verteidigungs-Haltung wäre das Kinn tiefer und das Gewicht auf beide Beine verteilt, um mehr Stabilität zu bekommen.

Arme hinter dem Körper

Häufigste Interpretation: Hält Ihr Gesprächspartner die Hände hinter dem Körper und legt sie dort locker ineinander, könnte das bedeuten, dass er bewusst eine passive Haltung einnimmt, um zu zeigen, dass er Ihnen die Gesprächsführung nicht streitig machen will. Er nimmt sich - im wahrsten Sinne des Wortes - selbst zurück. Vorsicht Missverständnis: Wiegen Sie sich nicht zu schnell in Sicherheit. Es könnte auch eine arrogante Haltung sein, mit der Ihr Gegenüber Sie zappeln lassen will. Was sagt das Foto? Der Blick ist in die Ferne gerichtet. Die Hüfte ist abgeknickt, ein Zeichen dafür, dass der Körper nicht angespannt ist. Die Haltung ist typisch für jemanden, der in einer größeren Runde steht und sich selbst zurücknimmt. Bei einer arroganten Haltung wäre der Mund eher zusammen gekniffen.

Schiefer Kopf

Häufigste Interpretation: Mit der Halsschlagader gibt der Gesprächspartner eine sehr empfindliche Stelle frei und macht sich dadurch angreifbar. Es ist ein Zeichen dafür, dass er seinem Gesprächspartner vollkommen vertraut. Vorsicht, bei einem Verkaufsgespräch könnte diese Haltung auch bewusst eingesetzt werden, um künstlich Nähe zum Kunden herzustellen. Vorsicht Missverständnis: Die Haltung kann genauso gut Geringschätzung ausdrücken, nach dem Motto, "du kannst mir nicht gefährlich werden". Was sagt das Foto? Das Gesicht ist entspannt und deutet darauf hin, dass sich die Frau in sicherer Umgebung weiß und dem Gesprächspartner vertraut. Hochgezogene Augenbrauen wären dagegen ein Hinweis darauf, dass sie ihren Gesprächspartner nicht ernst nimmt.

Langer Blick

Häufigste Interpretation: Der lange Blick ist ein klares Zeichen von Dominanz, der die Distanzzone des Gegenübers verletzt. Wird aus dem langen Blick ein Anstarren, reagiert der Betroffene häufig mit Aggression.

Vorsicht Missverständnis: Ein längerer Blick vom Vorgesetzten, verbunden mit einem Lächeln, ist nicht als Provokation, sondern als Zeichen der Wertschätzung zu verstehen. Der Vorgesetzte spricht den Mitarbeiter damit direkt und sehr persönlich an. Die schönste Interpretation ist das Flirtsignal - es muss ja nicht unbedingt der Chef sein. Dabei wird der Blick bewusst einen winzigen Moment über das übliche Maß hinaus verlängert und dann abgebrochen. Dann wird der Blickkontakt erneut aufgebaut. Dieses Spiel wiederholt sich mehrere Male. Die Botschaft: "Ich habe Interesse an dir!". Häufig wird dabei der Kopf leicht schräg gelegt, die Augenbrauen werden angehoben. Was sagt das Foto? Die Frau auf dem Foto zeigt ein "Pokerface", das so gut wie nichts verrät. Es sind keine Fältchen zu sehen, die innere Bewegung anzeigen könnten. Der Blick ist verhangen, sie ist an ihrer Umgebung nicht interessiert. Es könnte sein, dass ihr gerade ein wichtiger Gedanke durch den Kopf geht. Am besten nicht stören.

Hände hinter dem Kopf

Häufigste Interpretation: Überheblichkeit oder Wohlfühl-Haltung? Diese Frage stellt sich, wenn Ihr Gegenüber seine Hände an den Hinterkopf legt und gleichzeitig die Ellbogen nach außen dreht. Er offenbart damit eine empfindliche Stelle: die Innenseite der Oberarme und den Bereich der Achseln. Das macht er - wie bei dem Beispiel mit dem geneigten Kopf - entweder unbewusst, weil er sich in einem sicheren Umfeld befindet und keinen Angriff erwartet, oder, weil er Sie für einen Schwächling hält, der keine Gefahr darstellt. Vorsicht Missverständnis: Hüten Sie sich vor Überinterpretation: Vielleicht ist Ihr Gegenüber einfach nur in Gedanken. Was sagt das Foto? Die Ellbogen zeigen nicht nach außen, sondern sind nach vorne auf den Gesprächspartner gerichtet. Der Kopf ist gerade, die Arme angespannt. Das alles sind Zeichen von Abwehr und Härte. Die Botschaft: "Komm mir nicht zu nahe!".

Das E-Booklet "Körpersprache - entschlüsseln Sie den geheimen Code" (48 Seiten, 5,90 Euro) gibt es bei der CoachAcademy Egal ob Körpersprache, Zeitmanagement, Schlagfertigkeit oder Rhetorik - die "CoachAcademy" hat bislang 16 E-Booklets erstellt - mit Themen, die für den Job aber auch darüber hinaus interessant sind. Die E-Booklets gesammelt auf einem USB-Stick (44,90 Euro) gibt es: hier

Monika Herbst

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