Germanwings-Absturz: Witwe des Piloten bricht ihr Schweigen

Vor fast fünf Jahren ist Germanwings-Flug 4U9525 in den französischen Alpen abgestürzt, 150 Menschen starben damals. Nun spricht erstmals die Witwe des Kapitäns Patrick Sondenheimer, der noch versucht hatte, die Katastrophe zu verhindern.

Die Katastrophe traf sie vollkommen unvorbereitet: Die Welt von Annika Sondenheimer geriet am 24. März 2015 aus den Fugen, als sie hörte, dass ein Germanwings-Flugzeug in den französischen Alpen abgestürzt ist. Denn ihr Mann – Patrick Sondenheimer – arbeitete als Pilot für Germanwings und war an diesem Tag im Einsatz.

Nach Stunden quälender Ungewissheit wurde es traurige Gewissheit: Ja, es war sein Flugzeug, das abstürzte und 150 Menschen in den Tod riss. Seitdem hat Annika Sondenheimer geschwiegen. Nun spricht sie mit der "Rheinischen Post" erstmals über die Zeit nach dem Absturz.

Mechanisch einfach weitergemacht 

Sie habe "erstmal nur funktioniert", schildert Annika Sonnenheimer in dem Interview. Ihre bangen Gedanken: Hat ihr Mann als Kapitän den Absturz zu verantworten? Erst Tage nach dem Drama wurde damals klar: Nein, im Gegenteil: Co-Pilot Andreas L. hatte das Flugzeug 2015 absichtlich zum Absturz gebracht, Kapitän Patrick Sondenheimer war aus dem Cockpit ausgeschlossen und hatte noch versucht, die Katastrophe zu verhindern. Über den Co-Piloten möchte Annika Sondenheimer kein Wort verlieren.

Nach dem Absturz ging sie durch eine dunkle Zeit – und mit ihr ihre damals fünfjährige Tochter und der dreijährige Sohn. Knapp ein Jahr lang habe sie zwar funktionieren können, dann sei der Zusammenbruch gekommen, der ihr eine anderthalbjährige Auszeit verordnet hätte, schildert die Witwe gegenüber der Zeitung.

Stiftung für Trauernde gegründet

Aus den Erfahrungen, die Annika Sondenheimer gemacht hat, wollte sie lernen – und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Deswegen hat sie sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen und gründete außerdem einen Stiftungsfond: Die Patrick Sondenheimer Stiftung will trauernden Kindern, Jugendlichen und ihren Familien Hilfe bieten, wenn sie es am nötigsten brauchen: "In schwerwiegenden Lebenskrisen brauchen gerade trauernde junge Menschen qualifizierte Beratung. Wir möchten, dass sie ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Beständigkeit zurückgewinnen."

Für Annika Sondenheimer und ihre Kinder hat das Leben nach der Katastrophe begonnen. Mutter und Kinder machen weiter, auch wenn der Verlust noch immer schwer zu realisieren ist, sagt sie. Im März jährt sich der Tod ihres Mannes zum fünften Mal. Zu diesem Anlass plant Annika Sondenheimer ein Benefiz-Konzert zu Gunsten der Stiftung ihres Mannes. Künstler, die sie hierbei unterstützen, werden noch gesucht.

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