Elektrischer BH: Notwehr gegen Vergewaltigungen

Ein elektrischer BH - das klingt wie ein Scherzartikel, ist aber eine Erfindung, mit der indische Studenten endlich etwas gegen die vielen Vergewaltigungen in ihrem Land erreichen möchten.

Vergewaltigung: In Indien leider keine Seltenheit, sondern ein gesellschaftliches Problem. Laut einer Umfrage der "Times of India" fühlen sich 96 Prozent aller Frauen in Dehli nach Sonnenuntergang nicht mehr sicher, es wird geschätzt, dass in Indien alle zwei Minuten eine Frau vergewaltigt wird (Quelle: "Human Rights in India - Status Report").

Zwei Studentinnen der indischen SRM-University wollen gemeinsam mit einem Komilitonen endlich etwas gegen diese untragbaren Zustände tun. Ihre Idee: Ein BH, der im Notfall den Angreifer mit einem Stromstoß lähmt - und gleichzeitig per SMS um Hilfe ruft. Schnapsidee oder tatsächlich im Notfall lebensrettend? BRIGITTE.de sprach mit Manisha Mohan, einer der Erfinderinnen des "Society Harnessing Equipment" (kurz "SHE").

Manisha Mohan

BRIGITTE.de: In letzter Zeit machen vermehrt besonders schlimme Vergewaltigungsfälle in Indien Schlagzeilen. Waren die der Auslöser für das "SHE"-Projekt?

Manisha Mohan: Ja. Ein besonders schlimmer Fall im Dezember hat mich so durch und durch erschüttert, dass ich mir vornahm, die Würde und Sicherheit von Frauen nicht mehr anderen Leuten zu überlassen.

BRIGITTE.de: "Anderen Leuten" - Sie meinen, Politiker, Polizisten...

Manisha Mohan: Von unserer Regierung haben wir jedenfalls keine Hilfe zu erwarten. Außerdem haben Frauen durch die ständige Angst vor Vergewaltigung selbst im Job Nachteile.

BRIGITTE.de: Durch die Belästigung von männlichen Mitarbeitern?

Manisha Mohan: Auch, aber nicht nur. Manche Arbeitgeber gestatten ihren weiblichen Angestellten nur sehr kurze Arbeitszeiten und damit natürlich auch ein geringeres Einkommen. Grund ist offiziell Angst um ihre Sicherheit, wenn es dunkel wird.

Der aktuelle Prototyp: So ähnlich wird die "SHE"-Unterwäsche aussehen, wenn sie auf den Markt kommt.

BRIGITTE.de: Wie genau muss ich mir die Abwehr mit dem SHE denn jetzt vorstellen?

Manisha Mohan: In die Unterwäsche eingenäht sind Drucksensoren, die im Notfall einen 3800 KV starken Stromstoß abgeben können - genug, um einen Angreifer außer Gefecht zu setzen. Außerdem sind ein GPS-Modul und ein Modul für SMS-Nachrichten eingebaut. Im Notfall schickt der SHE einen Notruf mit genauer Position an Polizei und Familie des Opfers.

BRIGITTE.de: An die Familie?

Manisha Mohan: Wir haben im Vorfeld eine Umfrage unter betroffenen Frauen gemacht. Die Teilnehmerinnen sagten mit großer Mehrheit, im Notfall möchten Sie statt Polizei lieber ihren Vater oder ein Familienmitglied an ihrer Seite haben. Die Polizei ist ja leider in manchen Fällen selbst Täter.

BRIGITTE.de: Und warum jetzt ausgerechnet ein BH? Das ist nicht unbedingt die würdevollste Abwehrwaffe.

Manisha Mohan: Bei Vergewaltigungen ist die Brust fast immer der erste Angriffspunkt. Das haben wir in unserer Umfrage gelernt, aber es gibt noch andere statistische Daten, die das bestätigen.

BRIGITTE.de: Aber ist es da nicht etwas riskant, dass die Trägerin sich aus Versehen selbst verletzt? Oder der Angreifer das Gerät plötzlich selbst als Waffe einsetzt?

Manisha Mohan: Nein, da besteht kein Risiko für die Frauen - wir haben sehr genau darauf geachtet, dass die Trägerin immer isoliert und geschützt vor dem Stromschlag ist. Und uns war auch sehr wichtig, dass der BH nicht plötzlich vom Angreifer genutzt werden kann. Nach einem besonders schlimmen Vergewaltigungs-Fall in Delhi wurde Frauen geraten, nur noch mit Messer oder Abwehrspray aus dem Haus zu gehen. Diese Sachen sind aber im Ernstfall entweder nicht schnell genug aus der Tasche gekramt - oder können tatsächlich auch vom Angreifer benutzt werden.

BRIGITTE.de: Die Idee klingt gut - aber muss ich dann jedes Mal, bevor ich aus dem Haus gehe, erst mal die Batterie von meinem BH aufladen?

Manisha Mohan: So schlimm ist es nicht - die Batterie hält lange. Das dauert mehrere Wochen, bis sie eine neue Ladung braucht.

BRIGITTE.de: Was schätzen Sie - wie teuer wird der "SHE", wenn er auf den Markt kommt? Wird das fertige Produkt etwa so viel kosten wie ein Smartphone?

Manisha Mohan: Auch das ist ein wichtiger Punkt. Uns ist wichtig, dass unser Gerät auch da ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird - etwa in den abgelegenen Dörfern, wo Frauen es besonders schwer haben. Der SHE funktioniert nur dann, wenn ihn sich auch wirklich jede Frau leisten kann. Aber das schaffen wir.

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