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Warum Emily Lett ihre Abtreibung als Video ins Internet stellte


Als die 25-Jährige US-Amerikanerin Emily Lett feststellte, dass sie schwanger ist, wusste sie: Ich will eine Abtreibung. Sie ließ den Eingriff filmen und veröffentlichte das Video online - warum?

Es reicht, über Abtreibungen im Allgemeinen zu sprechen - und es wird kontrovers und emotional. Die meisten Frauen würden ihre Abtreibungsgeschichte niemals öffentlich machen. Weil es Privatsache ist, weil ihnen die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, weil sie ein schlechtes Gewissen haben oder weil sie wissen, dass sie damit in den Augen vieler Menschen etwas Unmoralisches tun.

Die US-Amerikanerin Emily Lett hat viel mehr getan als nur über Abtreibungen zu reden. Sie hat das Video ihres Eingriffs im Internet veröffentlicht. Jetzt berichten nicht nur US-Medien über die 25-Jährige und ihre ungewöhnliche Aktion mit dem Titel "Emily's Abortion Video". Die Debatte über Abtreibung und Moral ist, insbesondere in den USA, damit wieder sehr lebendig – und genau das wollte Emily Lett auch bezwecken.

Die junge Frau arbeitet als Beraterin in einer Klinik in New Jersey, die Abtreibungen anbietet, wie sie zu Beginn ihres Videos erklärt. In eben dieser Klinik hat auch Emily Lett abtreiben lassen. "Ich möchte nur meine Geschichte teilen", sagt sie in dem rund drei Minuten langen Film. "Es gibt nicht viele positive Geschichten über Abtreibung." Der Zuschauer sieht Emily Lett, wie sie auf dem OP-Tisch liegt - und während sie ihre Operation, nur lokal betäubt, miterlebt, ist die Kamera direkt auf ihr Gesicht gerichtet. Nach kurzer Zeit ist der Eingriff überstanden und die junge Frau lächelt in die Kamera. Am Ende ihres Videos erläutert sie die Beweggründe für ihre Aktion. "Ich habe mit vielen Frauen gesprochen und alle sagten mir: Natürlich wirst Du Dich schlecht fühlen. Natürlich wirst Du Dich deshalb schuldig fühlen", sagt sie. Emily Lett betont, dass sie sich nach ihrer Abtreibung weder schlecht noch schuldig noch traurig fühlt. "Ich wusste, dass ich das Richtige tat - weil es richtig für mich war, und für niemand anderen", sagt sie.

Die Botschaft, die Emily Lett öffentlich machen möchte, ist simpel: Jede Frau soll selbst entscheiden können, was das Richtige für sie ist. Und niemand soll ihr vorschreiben, wie sie sich infolge ihre eigenen Entscheidungen fühlen muss. Das kann man geschmacklos finden. Oder mutig. Wenn jemand sich so stark öffentlicher Kritik aussetzt, um für gesellschaftliche Toleranz zu kämpfen, ist das aber auf jeden Fall der Rede wert.

Letztlich hat Emily Lett eins: eine persönliche Entscheidung getroffen. Und wird damit niemanden die eigene Entscheidung abnehmen. Ob sie ein Kind abtreibt oder nicht, muss jede Frau selbst beurteilen dürfen. Das hier ist Emilys Geschichte.

EMILY'S ABORTION VIDEO from Emily Letts on Vimeo.


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