Hört endlich auf, eure Klamotten wegzuwerfen!

Kleidung ist zur Wegwerfware verkommen. Warum wir uns die Mühe machen sollten, sie besser zu entsorgen (oder gleich weniger zu kaufen).

Nichts zum Anziehen? Nicht der Mangel ist das Problem, sondern der Überfluss

"Ich hab nichts anzuziehen!", stöhnen wir, wenn wir vor unserem Kleiderschrank stehen und uns mal wieder nicht entscheiden können. Denn wir haben nicht zu wenig, sondern zu viel: Was passt wozu? Worin stand mir nochmal besonders gut? Und wo ist eigentlich dieses T-Shirt geblieben, das ich noch nie getragen habe?

Manchmal sind wir auch überrascht, was sich in unseren Schränken so alles verbirgt, wenn wir in tieferen Regionen kramen: "Huch, das kenn ich ja noch gar nicht!"

Braucht jede von uns 118 Kleidungsstücke?

Blöde Frage, natürlich nicht! Aber spätestens seit Mode-Discounter wie H&M und Primark den Markt dominieren, sind billig und in Massen verfügbar - die Hürde, zu kaufen, ist niedrig geworden. Und die Produktzyklen werden immer kürzer: Ständig gibt es Neues (sprich: Verlockendes). Greenpeace hat jetzt ermittelt, wohin das führt: Frauen besitzen durchschnittlich 118 Kleidungsstücke, Männer 73 Teile - ohne Strümpfe und Unterwäsche. Ein Drittel der Deutschen hat mindestens doppelt so viele Teile im Schrank. Ach ja: Fast die Hälfte unserer Kleidung tragen wir selten oder nie (40 Prozent).

Weil wir viel kaufen, müssen wir auch viel loswerden

Und weil wir viel kaufen, müssen wir auch viel loswerden. Jeder Achte trägt seine Schuhe kürzer als ein Jahr, und kaum jemand lässt seine Sachen noch reparieren: Die Hälfte der Deutschen hat noch nie Kleidung zum Schneider gebracht, über die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen war noch nie beim Schuster. Man wirft lieber weg und kauft neu.

Mode ist ein Wegwerfartikel

Weil es am bequemsten ist, schieben wir unser schlechtes Gewissen beiseite und stecken ungeliebte Stücke auch mal in den Müll, wenn gerade niemand guckt. Die Greenpeace-Studie besagt: 83 Prozent der Deutschen haben noch nie Kleidung getauscht oder weiterverkauft, zwei Drittel noch nie welche verliehen. Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace: "Mode ist zum Wegwerfartikel verkommen und genauso kurzlebig wie Plastiktüten oder Einweg-Geschirr."

Ist das wirklich so schlimm?

Wir verschwenden massenhaft Ressourcen, wenn wir kaum oder nie getragene Kleidung in die Müllverbrennungsanlage schicken. Und die Wegwerfmentalität geht auch zu Lasten unserer Gesundheit: "Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert", betont Brodde.

Was also tun?

  • Täglich kommen Migranten aus Krisengebieten zu uns - oft nur mit den Sachen, die sie am Leib tragen. Gerade jetzt im Winter ist warme Kleidung lebensnotwendig!
  • Ungeliebte Sachen zu H&M mitnehmen (wenn wir eh mal wieder vorbeischauen): Abgegebene Kleidung wird nach eigenen Angaben verwertet. Aus kaputten Klamotten können Teppiche oder Putzlappen entstehen, gut erhaltene Kleidung kann zu neuer Bekleidung recycelt werden.
  • Kleidung in <www.oxfam.de/a>Oxfam-Shops abgeben: Ehrenamtliche Mitarbeiter der Hilfsorganisation verkaufen die gespendeten Sachen und erwirtschaften Geld für ihre entwicklungspolitische Arbeit.
  • Tauschparty feiern: Macht Spaß! Freundinnen einladen, Fläschchen öffnen und gemeinsam Sachen anprobieren. Jede bringt mit, was sie nicht mehr mag (aber vielleicht eine andere). Übrigens eine gute Gelegenheit, Sachen jenseits des Üblichen anzuprobieren - und einen neuen Stil zu entdecken.
  • Mühsamer als wegwerfen: Die Sachen auf Flohmärkten oder im Netz bei Ebay oder Kleiderkreisel anbieten. Aber hey: Dafür kriegt man auch Geld dafür.
  • Karitative Einrichtungen haben Geschäfte, in denen sie Kleidung an Geringverdiener oder Hartz-IV-Empfänger für wenig Geld verkaufen. Auch Bahnhofsmissionen, Übergangswohnplätze und andere soziale Einrichtungen benötigen Kleiderspenden. Bei den Einrichtungen nachfragen oder bei der Stadtverwaltung.
  • Upcycling: Wer ein Händchen dafür hat - was Schönes draus machen!
  • Sachen von Upcycling-Labels kaufen, die alte Materialien verwerten – wie schick das sein kann, seht ihr bei diesen Upcycling-Labels.
  • Beim Trend Weniger besitzen mitmachen. Ist cool und man hat plötzlich wieder viel mehr Zeit für andere Dinge, wenn man nicht mehr so oft durch die Läden zieht.

Und was lieber nicht?

  • Sachen in den Altkleidercontainer werfen: Da stecken oft Geschäftemacher dahinter. Und in armen Ländern verhindert unsere weggeworfene Kleidung die Entwicklung einer eigenen Textilindustrie.
  • In den Müll werfen: Weil es Verschwendung ist – und Umweltverschmutzung.

Für die repräsentative Studie befragte das "Institut Nuggets" im Auftrag von Greenpeace 1011 Personen zwischen 18 und 69 Jahren zu ihrem Umgang mit Mode.

sar

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