Teresa Enke: "Lasst uns offen über Depressionen sprechen!"

Sechs Jahre nach dem Tod von Robert Enke hat sich seine Witwe Teresa zu seinem Schicksal geäußert. Sie wünscht sich einen offeneren Umgang mit Depressionen.

Was ist passiert?

Teresa Enke hat den sechsten Todestag ihres Mannes zum Anlass genommen, um auf ihrem Blog über sein Schicksal zu schreiben. Robert Enke, damals Torhüter von Hannover 96, hatte sich am 10. November 2009 das Leben genommen. Der Nationalspieler litt seit Jahren unter Depressionen.

Worum ging es in ihrem Text?

Teresa Enke hat in ihrem Beitrag nicht nur Erinnerungen an ihren Mann geteilt, sondern auch über Depressionen geschrieben - die Krankheit, die Robert Enke dazu brachte, sich selbst zu töten. Es bleibe "noch immer der erste und vielleicht wichtigste Schritt, dass wir ohne Verzagtheit und falsche Scham über die Krankheit reden können." Wie das gelingen kann, habe der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle in den vergangenen Tagen eindrucksvoll gezeigt.

Aber Westerwelle hat doch keine Depressionen, sondern Krebs, oder?

Das stimmt. Nach seiner Krebsdiagnose vor knapp zwei Jahren befindet sich der Politiker auf dem Weg der Besserung. Es ging Teresa Enke aber auch weniger um die Krankheit selbst, sondern um den Umgang damit. "Wir müssen es schaffen, mit Depressionen genauso offen, kompetent und natürlich umzugehen wie Westerwelle mit seiner Krebserkrankung." Beide Krankheiten hätten eine entscheidende Parallele: Sie können jeden treffen.

War es bei Robert Enke nicht vor allem der Profifußball, der ihn in die Depression getrieben hat?

Das denken zwar viele, doch das sei ein Missverständnis, sagt Teresa Enke: "Es ist gut möglich, dass Robert auch als Sportjournalist oder Versicherungsvertreter unter Depressionen gelitten hätte. Er hatte offensichtlich eine Veranlagung für die Krankheit. Richtig ist, dass Robert unter dem Gefühl litt, als Profifußballer seine Krankheit geheim halten zu müssen, was seine Behandlung erschwerte. "Gerade deshalb sei es wichtig, psychische Krankheiten wie Depressionen aus der Tabuzone zu holen. Denn die seien auch unter Profisportlern weit verbreitet.

Sind dafür nicht die Sportpsychologen da?

Auch das sei ein Irrglaube, so Teresa Enke: "Die Aufgabe eines Sportpsychologen ist es, die mentale Leistungsfähigkeit eines Sportlers zu verbessern. Er ist aber in der Regel weder dazu ausgebildet, noch ist es seine Rolle, mentale Krankheiten zu bekämpfen." Dafür bräuchte es eine bessere Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten und Sportpsychiatern. Genau daran arbeitet Teresa Enke mit der 2010 gegründeten Robert-Enke-Stiftung, die über Depressionen aufklärt. Inzwischen gebe es ein eine Telefon-Hotline, bei der sich betroffene Leistungssportler informieren und kompetente Hilfe in der Nähe bekommen können. Eine Hilfe, die auch das Ehepaar Enke gebraucht hätte. "Robert und ich wussten zunächst nicht einmal, an wen wir uns mit seiner Krankheit wenden konnten!", schreibt Teresa Enke. Eines sei in den sechs Jahren seit Roberts Tod geblieben: "Mein Wille, dass sich sein Schicksal nicht mehr wiederholen soll."

Wenn eure Gedanken auch um Selbstmord kreisen, kontaktiert bitte sofort die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenfreien Rufnummern 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhaltet ihr Hilfe von Beratern, die euch in schwierigen Situationen helfen und euch Lösungen aufzeigen können.

nw
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