Behindertes Leihmutter-Baby: Vater soll wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sein

Die Geschichte um das behinderte Baby, das von seinen Eltern bei einer thailändischen Leihmutter zurückgelassen wurde, spitzt sich zu: Der Vater soll wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sein. Die australische Jugendschutzbehörde überprüft nun die Sicherheit des Mädchens.

Was ist passiert?

Die 21-jährige Thailänderin Pattaramon Chanbua berichtete dem australischen Fernseher ABC, dass sie von einem australischen Ehepaar beauftragt wurde, ein Kind als Leihmutter auszutragen. Rund 12.000 Euro erhielt sie dafür als Lohn. Im dritten Monat ihrer Schwangerschaft erfuhr die junge Frau, dass sie Zwillinge austrägt und soll dafür vom Agenten des australischen Paars noch einen finanziellen Bonus erhalten haben. Als die Kinder geboren waren, holten die Eltern jedoch nur eins von ihnen zu sich: das gesunde Mädchen. Den Jungen, der mit dem Down-Syndrom und einem Loch im Herzen geboren wurde, ließen sie bei der Leihmutter zurück. Der neugeborene Junge muss einer Herzoperation unterzogen werden, die zu bezahlen Pattaramon Chanbua das Geld fehlt. Zurzeit befindet sich der Junge in Behandlung in einem thailändischen Krankenhaus. Damit nicht genug: Wenige Tage nach Bekanntwerden des Falls sind weitere brisante Details ans Tageslicht gekommen. Unter Berufung auf Gerichtsakten berichtet die australische Zeitung "The Australian", dass der biologische Vater des behinderten Jungen wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sei. Er soll in den 90er Jahren wegen sexueller Belästigung von zwei Mädchen und wegen des Missbrauchs eines Mädchens zwei Mal verurteilt worden sein.

Wie sagen die Behörden?

Das australische Außenministerium nahm Kontakt mit den thailändischen Behörden auf, um eine Lösung für Gammy, den in Thailand verbliebenen Jungen, zu finden. Aufgrund der Missbrauchsvorwürfe hat sich nun auch noch die australische Jugendschutzbehörde eingeschaltet. Es gehe um die Sicherheit und das Wohlergehen des sieben Monate alten Mädchens in der Obhut des Ehepaars, sagte ein Sprecher der Behörde dem Sender ABC.

Was sagt die Leihmutter dazu?

Pattaramon Chanbua, die rund 90 Kilometer südlich von Bangkok lebt, kann das Verhalten der Eltern nicht verstehen. Sie hat den Jungen vorerst zu sich genommen. "Ich liebe den Jungen", sagte sie im Interview mit ABC, "ich habe ihn neun Monate getragen, er ist jetzt wie mein eigenes Kind." Auf die Missbrauchsvorwürfe reagierte sie entsetzt. Angeblich soll sie nun auch das Mädchen zu sich nehmen wollen. Laut thailändischem Gesetz gilt sie als Mutter beider Kinder. Das australische Paar hätte aber ohne ihre Einwilligung das Land mit dem Mädchen nicht verlassen können. Die Rechtsgrundlage muss daher sowohl von thailändischen als auch von australischen Behörden geklärt werden.

Und was sagen die leiblichen Eltern?

Das Paar streitet ab, von dem Jungen überhaupt gewusst zu haben. Pattaramon Chanbua hingegen behauptet, der Vater habe gesagt, er und seine Frau seien zu alt, um sich um Zwillinge zu kümmern. Angeblich soll das Paar sogar versucht haben, sie zu einer Abtreibung zu überreden, nachdem das Down-Syndrom beim Jungen festgestellt wurde. Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Vorgeschichte ihres Mannes, soll die Frau laut Nachrichtensender "Channel 9" folgendes Statement abgegeben haben: "Er ist ein guter Mann. Menschen machen Fehler. Das heißt aber nicht, dass er für immer ein schlechter Mensch ist."

Gab es weitere Reaktionen?

Eine Kampagne auf der Webseite GoFundMe hat innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000 australische Dollar Spendengelder für den Jungen gesammelt.

Hier sehen Sie die Leihmutter im Interview mit ABC

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Text: AW, JG
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