Betreuungsgeld? Abschaffen!

Die Regierung sollte das Betreuungsgeld möglichst schnell wieder abschaffen. Denn eine Studie zeigt, dass Kritiker von Anfang an Recht hatten: Weil Eltern das Betreuungsgeld beziehen wollen, schicken sie ihre Kinder nicht in die Kita - vor allem jene, für die Förderung dort wichtig wäre.

Warum muss das Betreuungsgeld weg?

Weil eine Studie jetzt bestätigt hat, was Kritiker von Anfang an befürchtet hatten: Gerade Eltern von Kindern, denen Betreuung helfen würde, behalten ihre Kinder lieber zuhause und nehmen das Betreuungsgeld mit, als ihre Kinder in die Kita zu schicken.

Wie sehen die Zahlen genau aus?

54 Prozent der Eltern ohne Berufsausbildung oder mit Hauptschulabschluss nannten das Betreuungsgeld als Grund, warum sie ihre Kinder keine Kita besuchen lassen. Bei Familien mit Realschulabschluss verwiesen nur 14 Prozent auf das Betreuungsgeld, bei Akademikern nur acht Prozent. Für ein Viertel der Familien mit Migrationshintergrund ist das Betreuungsgeld der Grund, die Kinder nicht in die Kita zu schicken - und damit für doppelt so viele wie für deutschstämmige Familien.

Und was genau ist daran so schlimm?

Gerade sozial benachteiligten Kindern helfen Bildungs- und Betreuungs-Angebote. Das gilt vor allem für Kinder aus Migrantenfamilien: Für Kinder, die zuhause mit einer anderen Muttersprache aufwachsen, ist es wichtig, dass sie regelmäßig deutsch sprechen. Sonst haben sie es später in der Schule schwer.

Woher kommen die Zahlen?

Vom Deutschen Jugendinstitut und der Universität Dortmund: Für eine große Studie wurden weit über 100.000 Elternpaare mit Kindern unter drei Jahren befragt.

Wie geht's jetzt weiter?

Erst mal mit dem Gegenteil von Abschaffen: Planmäßig wird das Betreuungsgeld ab 1. August erhöht. Eltern bekommen dann für jedes Kind vom 15. Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr 150 Euro monatlich - so lange sie weder Kita-Platz noch Tagesmutter in Anspruch nehmen. Bisher waren es 100 Euro. Gleichzeitig geht die Diskussion um die umstrittene Förderung wieder los - zumal im innenpolitischen Sommerloch wenige andere Themen bewegen.

Vor allem die CSU hatte sich doch für das Betreuungsgeld stark gemacht. Ist sie jetzt einsichtig?

Nein, gar nicht. Bayerns Sozialministerin Emilia Müller nannte das Betreuungsgeld in einem aktuellen Zeitungsinterview eine "Erfolgsgeschichte". Und die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, bezeichnete die Diskussion als "ideologischen Tiefschlag".

Gibt's jetzt Zoff in der großen Koalition?

Mal sehen. Carola Reimann, Vizechefin der SPD-Fraktion, gibt sich ein einem Zeitungsinterview jedenfalls schon mal kämpferisch: "Aus der Studie müssen wir in der Koalition umgehend Konsequenzen ziehen", sagte sie. Das Betreuungsgeld war im Sommer 2013 von der schwarz-gelben Regierung eingeführt worden; gegen Proteste unter anderem aus der SPD, die damals in der Opposition war. Nun regieren die Sozialdemokraten mit und wollen ihren Einfluss geltend machen: "Die SPD ist bereit, das Betreuungsgeld sofort abzuschaffen."

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