Das ist die traurige Wahrheit über "Pegida"

Pegida feiert ihr einjähriges Bestehen mit einer Großkundgebung in Dresden. Wie berechtigt ist ihre Angst vor der "Islamisierung" Europas? Ein Faktencheck.

Zehntausende in Dresden erwartet

"Inzwischen ist völlig eindeutig: Diejenigen, die das organisieren, sind harte Rechtsextremisten", sagte der Innenminister Thomas de Maizière am Sonntagabend in der ARD. De Maizière forderte "alle diejenigen, die sich Sorgen machen" auf: "Bleiben Sie weg von denen, die diesen Hass, dieses Gift in unser Land spritzen." Trotzdem, Montagabend werden vermutlich zehntausende Anhänger und Gegner der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) in Dresden erwartet.

Die selbsternannten Führer der Organisation vermengen krude Behauptungen, emotionsgeladene Sprüche und die Ängste der Menschen zu einem absurden Cocktail.

Der "Anführer"

Lutz Bachmann, der selbsternannte "Gründer der Bewegung" ist wie das Abziehbild des Menschen, vor dem er immer warnt,.

Der Ex-Knacki hat selbst einiges auf dem Kerbholz. Er wurde für 16 Einbrüche verurteilt, vor dem Gefängnis floh er nach Südafrika, wo er unter falschem Namen lebte. Als er aufflog, wurde er nach Deutschland abgeschoben.

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, wird er mit Kokain erwischt. Er ist immer noch auf Bewährung und darf keine öffentlichen Ämter bekleiden.

Offenbar verstößt er auch gegen die Unterhaltspflichten für seinen Sohn. Wegen seiner rassistischen Äußerungen wurde er Anfang Oktober wegen Volksverhetzung angeklagt.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern spielt er mit den Ängsten der Menschen. Dabei sind die meisten der Behauptungen von Pegida einfach nur falsch. Das könnt ihr hier nachlesen:

Im Faktencheck: Das ist Pegida

Die Behauptungen: 1. "Der Islam überrennt unser Land"

Fakt ist: Fünf Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sind Muslime ("Pew Research Center", 2011, neuere Zahlen gibt es nicht). In Sachsen, wo Pegida gegründet wurde, sind es 0,7 Prozent. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kamen 2013 die meisten Einwanderer aus christlich geprägten Ländern nach Deutschland: Polen, Rumänien und Italien.

In Sachsen, in dem Pegida am erfolgreichsten ist, leben laut Aussage des Innenmininsters rund 4000 Musilime. Das entspricht 0,1 Prozent der Bevölkerung des Bundeslandes.

2. "Heime mit Vollversorgung für Flüchtlinge"

Pegida-Gründer Lutz Bachmann beklagte die "Heime mit Vollversorgung für Flüchtlinge", während sich die deutschen Alten "manchmal noch nicht mal ein Stück Stollen leisten können zu Weihnachten".

Fakt ist: Sehr viele Asylsuchende hausen in Deutschland unter menschenunwürdigen Bedingungen in Hallen und Zelten. Ohne die vielen freiwilligen Helfer, die sie mit dem Allernötigsten versorgen, hätten sie kaum mehr als einen Schlafplatz in einer Massenunterkunft, Essen und ein Taschengeld.

Eine neue Studie der Berteslmann-Stiftung kommt sogar zu dem Ergebenis, dass Ausländer mehr Steuern und Sozialabgaben in die deutschen Systeme zahlen, als sie Gelder beziehen. Die Studie kann man hier nachlesen.

http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2014/november/sozialstaat-profitiert-von-zuwanderung/

3. "Flüchtlinge bekommen mehr Geld als Hartz-IV-Empfänger

In den ersten drei Monaten bekommt ein Flüchtling Sachleistungen für Nahrung und Kleidung in Höhe von 216 Euro. Dazu kommt ein Taschengeld für andere Bedürfnisse von 143 Euro. Macht insgesamt 359 Euro. Der niedrigsten Hartz-IV-Satz für Langzeitarbeitslose beginnt bei 399 Euro. Ohne Sachleistungen.

4. "Deutschland nimmt zuviele Flüchtlinge auf"

Deutschland liegt gemessen an seiner Einwohnerzahl und seiner Größe nur auf Paltz vier der europäischen Länder, was die Anzahl von aufgenommenen Flüchtlingen angeht.

Die meisten Menschen aus den aktuellen Krisengebieten sind nach Pakistan, Jordanien und die Türkei geflüchtet. Dort leben jeweils 1,5 Millionen Flüchtlinge. Deutschland wird bis Ende des Jahres rund 800.000 Menschen eine Zuflucht geben.

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