Homo-Ehe und Adoption: Wo steht Deutschland?

Massenproteste in Frankreich gegen die Homo-Ehe, auch in Deutschland steht eine Grundsatzentscheidung bevor. Wie genau ist die Rechtslage in anderen Ländern, und was könnte sich ändern?

Worum wird in Frankreich gerade so heftig gestritten?

Gleichberechtigung: Homo-Ehe und Adoption: Wo steht Deutschland?

Hunderttausende haben gerade in Frankreich gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften demonstriert, nachdem es im Dezember eine Massendemonstration für die Homo-Ehe gegeben hatte. Auslöser der Debatte ist ein geplantes Gesetz, dass sowohl die gleichberechtigte Homo-Ehe einführen, als auch die Adoption von Kindern gestatten soll. Als "eingetragene Lebensgemeinschaft" dürfen Homosexuelle bereits seit 1999 in Frankreich registriert werden (was in erster Linie finanzielle Vorteile bringt) - völlig gleichberechtigt mit der Ehe ist diese Regelung aber in einigen wichtigen Punkten (z.B. Erbschaft) nicht. Diese Gleichstellung war eines der zentralen Wahlversprechen der aktuellen Regierung von François Hollande. Von der Umsetzung ist dieses Versprechen allerdings noch weit entfernt - am 29. Januar starten im Parlement die ersten Diskussionen zum Gesetzentwurf.

Homo-Ehe: So ist die Lage in anderen Ländern

Und wen stört das?

In erster Linie empören sich viele gläubige Katholiken über das geplante Gesetz - auch Papst Benedikt XVI. meldete sich zu Wort und forderte die Bischöfe in auf, gegen die Homo-Ehe vorzugehen. Aber angetrieben von der französischen Schauspielerin Virginie Tellenne (unter dem Pseudonym "Frigide Barjot") hat sich eine breitere Front gegen die "Ehe für alle" gefunden. Wichtig ist den Gegnern, keinesfalls verbohrt oder gar schwulenfeindlich zu erscheinen. "Wir lieben alle Homosexuellen", bemühte sich Tellenne bei der Kundgebung klarzustellen. Es gehe ihrer Bewegung lediglich darum, nicht "die Ehe für Personen desselben Geschlechts zu öffnen". Insbesondere die Adoption ist ein Reizpunkt der Gegner: Sie sind nicht sicher, ob es der Entwicklung eines Kindes nicht schadet, von zwei Müttern oder Vätern aufgezogen zu werden. Experten sind sich allerdings einig, dass für die gesunde Entwicklung von Kindern in erster Linie ein stabiles Umfeld entscheidend ist - und dass eine rechtlich nicht einwandfrei geklärte Familiensituation im Zweifel belastender ist, als das Geschlecht der Eltern.

Ich dachte, in Frankreich dürfen homosexuelle Paare schon lange adoptieren?

Nein, nicht als Paar. Erlaubt ist seit 2006 die so genannte "Stiefkindadoption": Hat ein Partner bereits ein Kind aus einer vorherigen Beziehung, darf der andere Partner adoptieren. Eine als Paar ist aber ausgeschlossen.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Ähnlich: Seit 2001 gibt es auch bei uns "eingetragene Lebensgemeinschaften" für gleichgeschlechtliche Paare, allerdings ohne Ehe-Vorteile wie Ehegattensplitting oder Unterhaltszahlungen. Auch die Stiefkindadoption ist bei uns möglich - aber nicht die Adoption fremder Kinder durch ein gleichgeschlechtliches Paar. Und es kann ein Lebenspartner mit Genehmigung des anderen Partners alleine ein Kind adoptieren - wobei dann aber aber auch nur ein Teil das Sorgerecht hat (und allein erziehende Eltern eher schlechte Chancen haben, tatsächlich ein Kind zur Adoption zu bekommen). Aber: Auch bei uns könnte sich das ändern.

Welche Reformen sind bei uns geplant?

Zur Zeit arbeitet das Bundesverfassungsgericht an einer Entscheidung zur "Sukzessivadoption" von homosexuellen Paaren. Gemeint ist damit der Sonderfall, dass ein Partner ein adoptiertes Kind aus einer vorherigen Beziehung mitbringt, das der andere Partner adoptieren möchte. Sollte das Bundesverfassungsgericht dies ermöglichen, ist auch denkbar, dass gleichgeschlechtliche Paare völlig "fremde" Kinder adoptieren - so, wie es für heterosexuelle Paare schon immer selbstverständlich ist. Die Entscheidung wird voraussichtlich im März-April 2013 fallen. Ein Vorstoß, gleichgeschlechtlichen Paaren auch eine völlig gleichberechtigte Eheschließung zu ermöglichen, wurde 2012 im Bundestag abgelehnt.

Foren-Umfrage: Adoption für gleichgeschlechtliche Paare?

Gleichberechtigung: Homo-Ehe und Adoption: Wo steht Deutschland?

Was denken Sie - finden Sie die Proteste in Frankreich angemessen? Oder ist es Ihrer Meinung nach auch in Deutschland überfällig, dass gleichgeschlechtliche Partner Kinder adoptieren dürfen - egal, ob sie die leiblichen Kinder eines Teils sind? Stimmen Sie in der BRIGITTE-Community ab!

Kommentare (40)

Kommentare (40)

  • duejos
    duejos
    Ja wovor haben Heteros eigentlich Angst? Es wird ihnen nichts weggenommen, doch die Homos haben uns Heteros die Ehe weggenommen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wovor haben die Heteros eigentlich Angst? Es wird Ihnen nichts weggenommen. Sie können ins Ausland gehen und sich Kinder machen lassen, siehe die 65-jährige Vierlingsmutter und Kinder adoptieren (und keiner fragt). Eine Leihmutter ist auch vielleicht hetero. Diese ganze Diskussion ist menschverachtend.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich finde es schier unglaublich, wie erschreckend wenigen Menschen überhaupt klar ist, dass Geschlecht im herkömmlichen Sinn ein rein gesellschaftliches Konstrukt ist?! Es gibt tatsächlich Menschen, die sich weder als weiblich noch als männlich identifizieren! Es gibt Frauen mit "männlichen" Geschlechtsorganen und Männer mit "weiblichen" Geschlechtsorganen! Wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, wird die ganze Diskussion von wegen "fehlender weiblicher/männlicher Einfluss" komplett überflüssig - keines von beidem ist überlebenswichtig, Schuld ist allein die derzeitige Gesellschaft mit ihren seltsamen "Normen".



    Im übrigen ist es absolut lächerlich, dass im Jahr 2015 überhaupt noch darüber diskutiert werden muss, ob alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    machen bis sie dieses Stadium erreicht haben? Im Kinderheim versauern? Oder dann doch lieber in der Zwischenzeit von einer "normalen" Familien adoptiert werden? Kinder werden nicht mit Vorurteilen geboren. Niemand kommt auf die Welt und sagt "ich mag den und den nicht". Es ist die Umwelt die ihnen eben jene Meinung einflößt.



    Wo wir schon wieder beim Punkt "Beweise" sind. Ich glaube wir sind uns nun alle mehr oder weniger einig, dass die meisten Studien für und wieder diesem Thema einfach keinen große Aussagekraft haben, also ist alles was uns bleibt unsere subjektive Wahrnehmung. Und das ist ja auch was die meisten hier getan haben - sie können sich nicht vorstellen, dass es einem Kind gut tut, mit zwei gleichen Eltern aufzuwachsen. Warum? Ganz einfach - es entspricht nicht ihrer Erfahrung. Sie sind wahrscheinlich alle bei heterosexuellen Paaren aufgewachsen und gut geworden - warum sollte es dann anderen nicht auch so gehen? Auch wenn es ein absolut natürliches Verhalten ist,
  • Anonymer User
    Anonymer User
    zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, finde ich mehr als befremdlich. Und da wir schon bei Egoismus sind - welches Recht die Kinder anderer groß zu ziehen haben heterosexuelle Paare die ihre Kinder für Kindergeld ausnutzen oder ihre Kinder als ungewollte Last ansehen (im schlimmsten Fall sogar töten!) das schwule nicht haben?

    Bei Schwulen kann ein Kind nicht ungewollt sein, denn wie zur Hölle soll bei denen denn so ein Unfall passiere? Und ich wage zu behaupten, dass sich die wenigsten Menschen so viel Mühe machen und so viel Scheiße auf sich nehmen um ein Kind zu adoptieren, wenn dies nur eine flüchtige Anwandlung wäre.

    Gerade dies gibt ihnen doch die Chance lange und genau diese Thema zu durchdenken und sich ihrer Sache sicher zu werden.



    Was die Sache mit "lasst die Kinder doch selbst entscheiden" angeht: Werden Kinder denn ansonsten gefragt ob sie zu dieser oder jener Familie wollen? Nein - weil die meisten froh sind überhaupt eine Familie zu haben! Und was sollen

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