Sexistische Sprache: Was wir wirklich sagen

Wie unsere sexistische Sprache Geschlechterunterschiede zementiert, zeigt eine Studie aus der Arbeitswelt: Frauen sind "aggressiv", Männer "ungenau".

Männer sind charismatisch, Frauen neurotisch

Warum sind immer nur die Männer charismatisch? Und Frauen neurotisch? Warum taugen Frauen als Muse und Männer als Familienmenschen? Und warum sind Frauen frigide (kalt) und Männer impotent (ohnmächtig)? Dass Sprache die Bilder formt, die wir von Frauen und Männern haben, ist nichts Neues. Aber genau aus diesem Grund sind wir so oft blind dafür.

Dass das auch für die Arbeitswelt gilt, hat die amerikanische Linguistin Kieran Snyder gezeigt: Sie hat die Leistungsbeurteilungen in 28 verschiedenen US-Firmen auf ihre Sprache hin untersucht und festgestellt, dass Frauen und Männer von ihren Vorgesetzten unterschiedlich beurteilt werden. Während bei den Frauen eher die Persönlichkeit kritisiert wurde, konzentrierte sich die Bewertung der Männer aufs Fachliche. Insgesamt fiel die Bewertung der Frauen weniger konstruktiv aus als die der Männer.

Das Adjektiv "abrasive" ("harsch") etwa bekamen nur Frauen zu hören, die Männer kein einziges Mal. Während einem Mitarbeiter gesagt wurde, dass er bei seiner Arbeit mehr ins Detail gehen solle, wurde mehreren Mitarbeiterinnen gesagt, dass sie auf ihren Ton achten müssten. Damit zeigt Snyder einmal mehr das Dilemma der Frauen: Legen sie als typisch weiblich wahrgenommene Attribute an den Tag, werden sie im Job nicht ernst genommen. Treten sie selbstbewusst auf, gelten sie als zickig und schroff.

Sprache hindert schon Mädchen daran, ihr Potenzial auszuschöpfen

In ihrer Internet-Kampagne Ban Bossy weist Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg darauf hin, wie sexistische Sprache schon das Selbstverständnis kleiner Mädchen formt. Gemeinsam mit Michelle Obama, Beyoncé und Condoleezza Rice fordert sie: "Ban Bossy!" Zu Deutsch: Verbannt das Wort "bossy" ("dominant", "herrisch") aus eurem Sprachschatz. Denn das Risiko, als dominant oder herrisch bezeichnet zu werden, hält Mädchen davon ab, selbstsicher und bestimmend aufzutreten und später Führungsrollen zu übernehmen. Mädchen sollen niedlich und nett sein - und werden mittels geschlechtsspezifischer Zuweisungen daran gehindert, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

"Wenn sich ein Junge behauptet, wird er 'Anführer' genannt. Ein Mädchen hingegen riskiert, als 'dominant' bezeichnet zu werden. Worte wie 'dominant' haben eine Botschaft: Hebe nicht deine Hand, setze dich nicht ein, schreibe anderen nichts vor," schreibt Sandberg als Begründung für ihre Kampagne. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte sie: "Wenn man über einen kleinen Jungen sagt, er habe Führungsqualitäten, findet das niemand amüsant. Wenn man das Gleiche über ein Mädchen sagt, kriegt jeder gleich einen Lachanfall."

Schon in ihrem Bestseller "Lean In - Frauen und der Wille zum Erfolg" beschrieb die Managerin, an welchen Kleinigkeiten Frauen im Berufsleben scheitern. Auch an Kleinigkeiten wie Worten, die sich in unser Unbewusstes fräsen und unser Denken und Handeln bestimmen.

Worte bestimmen unser Denken

Sicherlich ist Sprache nicht der einzige Hebel, um mehr Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, sicherlich wird die Ächtung eines einzelnen Wortes die Welt nicht verändern. Denn auch die Frage, wer in der Familie fürs Putzen zuständig ist, oder ob die Frau im Film vom Mann gerettet wird oder umgekehrt, ist entscheidend.

Trotzdem ist es wichtig, das Bewusstsein für unsere Worte zu schärfen. Welche Attribute wir Männern und Frauen zuschreiben, hat Einfluss darauf, wie wir denken - und auf die Zukunft unserer Kinder. Besinnen wir uns auf eine Sprache, die uns nicht schwächt, sondern stärkt, so wie Sängerin Beyoncé, die im Video zur Kampagne sagt: "I'm not bossy. I'm the boss".

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