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Sprachreform: Uni Leipzig wird weiblich


Aus Professor wird Professorin: Die Uni Leipzig führt weibliche Bezeichnungen ein. Auch für Männer gilt dann in Zukunft der Titel "Professorin" oder "Dozentin". Was halten Sie davon?

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Haben Sie schon mal vom "generischen Femininum" gehört? Der bedeutet die Verwendung ausschließlich weiblicher Bezeichnungen für Personen. Und damit startet die Uni Leipzig jetzt eine kleine Revolution. Denn wo bislang Männer und Frauen mit der männlichen Variante "Professor" oder "Dozent" bezeichnet wurden und später die umständliche Schrägstrich-Variante Professor/Professorin oder "Dozent/Dozentin" verwendet wurde, soll bald ausschließlich die weibliche Form "Professorin" oder "Dozentin" stehen (wobei diese Neuregelung natürlich nicht die direkte Anrede betrifft). Eine Fußnote klärt darüber auf, dass der weibliche Titel sowohl Männer als auch Frauen einschließe. So wie es vielerorts nach wie vor mit der männlichen Variante gehandhabt wird.

Diese Sprachreform ist jedoch nicht Ergebnis eines erbitterten Kampfs um mehr Gleichberechtigung in der Sprache, sondern eher Zufall. Als die Änderung der Grundordnung zur Diskussion stand, störten sich Mitglieder des Senats an der Schrägstrich-Variante, die beim Lesen behindere. Und so machte Physikprofessor - beziehungsweise künftig: "Physikprofessorin" - Dr. Josef Käs den Vorschlag, doch einfach die weibliche Form zu benutzen: "Eine spontane Entscheidung ohne politische Ziele", so Käs. Schließlich stimmte der Senat bereits Mitte April für das generische Femininum. Der Gleichstellungsbeauftragte der Uni Leipzig, Georg Teichert, zeigte sich überrascht, hatte er doch nicht damit gerechnet, dass der Senat das jemals beschließe: "Bei anderen Themen zur Familienfreundlichkeit und Frauenförderung ist er sonst eher behäbig." Nachdem Anfang Mai auch das Rektorat der Uni zustimmte, hat das Wissenschaftsministerium nun vier Monate Zeit, eine Änderung zu fordern. Das scheint allerdings unwahrscheinlich. Sollten keine Einwände kommen, kann die neue Grundordnung mit der Sprachreform in Kraft treten.

Doch sorgen weibliche Titel in der Sprache tatsächlich für mehr Frauenförderung? Für manch einen Kritiker wie den Rechtshistoriker Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern ist klar, dass diese Art von Feminismus der Sprache eher schade und inhaltlich nichts bringe - schließlich wurde bislang immer die männliche Form verwendet, die Frauen mit einschließt. Mit diesen männlichen Bezeichnungen waren viele Frauen nicht glücklich. "Ich fühle mich damit nicht gemeint", sagt die Ökonomin Prof. Dr. Friederike Maier von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zu "Spiegel Online", und hofft, dass die Entscheidung aus Leipzig am Ende nicht nur in der Sprache unter Männern und Frauen zu einem geschlechtergerechteren Umgang führt.

Text: win

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