Globale Gerechtigkeit: 8 Ideen, wie wir dazu beitragen können!

Egal, ob wir in den Urlaub fahren, Cremes kaufen oder das alte Bügeleisen entsorgen: Unbewusst treffen wir dabei jedes Mal weitreichende Entscheidungen. Je bewusster wir das tun, desto besser für uns alle. 8 Ideen.

Die Situation

Vieles von dem, was wir importieren – wie Kaffee, Tee, Mangos, Kiwis oder Bananen – hinterlässt Spuren am anderen Ende der Welt. Die Standards in Sachen Umwelt- und Menschenrechte sind in jedem Land unterschiedlich. Dass beides oftmals nicht die höchste Priorität hat, zeigen Superfoods wie Goji-Beeren oder Chia-Samen, auf denen hohe Pestizid-Rückstände gefunden wurden, oder Tomaten, Gurken und Paprika aus Spanien, für deren Anbau im trockenen Andalusien wertvolles Grundwasser verbraucht wird und Tagelöhner aus Afrika und Osteuropa ausgebeutet werden. Die Liste der Beispiele ist endlos.

Was muss passieren?

Die Aufgaben sind klar: In der Agenda 2030, die im Herbst 2015 von allen UN-Mitgliedern verabschiedet wurde, wurden 17 Punkte festgehalten, die eine gerechtere, nachhaltigere Welt zum Ziel haben. "Es kann nicht sein, dass beispielsweise Produkte in unseren Regalen landen, die unter Menschenrechtsverletzungen produziert werden", sagt Kathrin Krause, die beim Bundesverband der Verbraucherzentralen für Nachhaltigkeit zuständig ist.

Die Verbraucherzentralen fordern staatliche Mindestkriterien für eine sozial und ökologisch verantwortliche Produktion in den einzelnen Branchen wie Nahrung, Kleidung und Elektronik. Doch Mindestkriterien gibt es bisher nicht. Priorität hat die Wirtschaft, nicht die Umwelt und auch nicht die Menschenrechte der Arbeiter in den Erzeugerländern.

Da in der Politik so wenig passiert, ist es umso wichtiger, dass wir selbst handeln. 8 Ideen, die zu globaler Gerechtigkeit beitragen: 

1. IDEE: WENN FLIEGEN, DANN ZAHLEN

IBeim Fliegen liegt der Verbrauch klimaschädlicher Emissionen pro Person und Kilometer nicht nur über anderen Verkehrsmitteln, die Wirkung ist aufgrund der Höhe auch noch deutlich schlimmer. Was also tun? Wer trotzdem fliegt, sollte die Emissionen mit einer Zahlung an gemeinnützige Organisationen wie z.B. atmosfair.de oder myclimate.org kompensieren. Das Geld wird in Klimaschutzprojekte investiert.

2. IDEE: AUGEN AUF BEIM AUTOKAUF

Welche Autos sind am besten für die Umwelt? Der ökologische Verkehrsclub Deutschland veröffentlicht einmal jährlich eine Auto-Umweltliste. Die Version 2019/20 gibt es unter www.vcd.org/auto-umweltliste

3. IDEE: WENIGER FISCH IST MEHR

90 Prozent der Bestände sind überfischt oder bis an ihre Grenze befischt. Schuld ist unser Fischhunger: Selbst vor den Küsten Afrikas wird industriell in großem Stil für europäische Kunden Fisch gefangen. Einheimische Kleinfischer an südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Küsten verlieren ohne Fisch ihre Arbeit und ihre Nahrung.

Deshalb: Lieber weniger Fisch kaufen und auf Nachhaltigkeitssiegel (MSC, ASC oder Bio-Siegel von Naturland und Bioland) achten. Als Alternative Algen probieren, die ebenfalls Jod und gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten.

4. IDEE: FAIRTRADE – ABER RICHTIG

Im vergangenen Jahr hat jeder Deutsche 16 Euro für Produkte aus Fairem Handel wie Schokolade, Kakao oder Kaffee ausgegeben. Für die Kleinbauern im globalen Süden bedeutet der Faire Handel, dass sie für ihre Rohstoffe garantierte Mindestpreise bekommen, von denen sie ein menschenwürdiges Leben führen können. Sie sind unabhängig von den stark schwankenden Weltmarktpreisen. Der Anteil des Fairen Handels am Gesamtmarkt steigt – allerdings auf niedrigem Niveau. Da geht noch mehr! Besonders empfehlenswert laut Stiftung Warentest sind die Siegel Naturland Fair, Fairtrade und Hand in Hand.

5. IDEE: RICHTIG GUTEN KAFFEE TRINKEN

Beim Kaffee ist es so: Werden die Rohstoffe im Erzeugerland nicht nur geerntet, sondern auch weiterverarbeitet, können noch mehr Menschen davon profitieren. So entstehen zusätzliche Arbeitsplätze, mehr Geld bleibt im Land. Solche Produkte gibt es bereits, zum Beispiel Café Cubita aus Kuba oder der tollen ruandische BRIGITTE-Kaffee "Angelique's Finest", der ausschließlich von Frauen hergestellt wird. 

6. IDEE: PRODUKTE MIT KONVENTIONELLEM PALMÖL MEIDEN

Die Liste der Kritikpunkte wiegt schwer: Palmöl ist schuld, dass Ureinwohner vertrieben werden, Regenwälder vernichtet und der Klimawandel verstärkt. Stimmt leider alles. Was soll an Ölpalmen also gut sein? Der im Vergleich zu anderen Ölsaaten deutlich höhere Ertrag pro Fläche – der zwar nicht die Abholzung von Regenwäldern rechtfertigt, aber doch der Umwelt zugutekommt. Was bedeutet das für uns? Kekse, Schokoaufstrich oder Kosmetik nur mit bio-fairem Palmöl kaufen. Außerdem: seltener Auto fahren. Das Öl steckt als Biosprit-Beimischung in Dieselkraftstoff.

7. IDEE: ELEKTROSCHROTT BEWUSST ENTSORGEN

Erstens: Elektroschrott gehört nicht in den Hausmüll, auch wenn er dort oft landet. Zweitens: Elektroschrott gehört auch nicht in die Hände der Unbekannten, die vor dem Eingang zum Wertstoffhof stehen. Denn: Ein großer Teil dieses Mülls wird – offiziell als Gebrauchtwaren deklariert – nach Asien oder Afrika verschifft und gefährdet dort die Umwelt und die Gesundheit der Bewohner. Oft sind es Kinder, die beispielsweise Kabelummantelungen verbrennen, um an das Kupfer ranzukommen, und dabei giftige Dämpfe einatmen.

Wichtig: Kaputte Geräte bei großen Elektrofachhändlern oder im nächstgelegenen Wertstoffhof abgeben. Dort werden wertvolle Metalle recycelt und gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder FCKW entsorgt. Funktionierende Tablets/Handys können Sie spenden oder im Bekanntenkreis oder über soziale Medien verschenken.

8. IDEE: KLIMASCHUTZ SPÜRBAR MACHEN

Deutschland hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2020 auf 750 Millionen Tonnen pro Jahr zu senken. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren fast nichts getan: Wir liegen bei etwas über 900 Millionen Tonnen. Natürlich ist jeder einzelne Beitrag nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir können zumindest ein Bewusstsein entwickeln, indem wir unseren eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen (www.fussabdruck.de) und herausfinden, wo wir Emissionen einsparen können.

Gut zu wissen

  • Was bei uns zum Trendfood wird, wie z. B. Avocados, hat oft eine katastrophale Ökobilanz
  • 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott müssen pro Jahr entsorgt werden. Wie? Lesen Sie Tipp 7
  • Fisch ist das neue Fleisch. Die Folge: 90 Prozent der Bestände überfischt oder bis an ihre Grenze befischt, siehe Tipp 3
  • Immer mehr spritfressende SUVs werden zugelassen – ihre Zahl stieg bei uns in den letzten fünf Jahren um 122%
  • Nur ca. 1 Prozent der Flugreisenden kompensieren ihren Flug über Zahlungen in Klimaschutzprojekte
  • Von 100 Tassen Kaffee, die wir trinken, stammen gerade mal vier aus fairem Handel 

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im "Wissenschaft & Umweltschutz-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei!

Holt euch die BRIGITTE als Abo - mit vielen Vorteilen. Hier könnt ihr sie direkt bestellen.

BRIGITTE-Spezial 2/2018
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.