Hört endlich auf, auf Greta rumzuhacken!

Klimaaktivistin Greta Thunberg ist allerorten. Und immer wieder schlägt der 16-Jährigen Hass und Ablehnung entgegen – unser Autor meint, das muss endlich aufhören!

Jahrelanger Schulstreik, beachtete Reden vor Politikern, ein Segeltörn nach New York – Klima-Aktivistin Greta Thunberg ist seit Monaten in aller Munde. Kaum ein Tag vergeht, an dem die 16-Jährige nicht Teil der aktuellen Berichterstattung ist.

Dabei fällt vor allem in den Sozialen Medien auf, dass anscheinend viele Menschen vor allem genervt von Greta sind. Sie teilen heftig gegen die junge Schwedin aus – teilweise extrem unter der Gürtellinie! Wie kommt das?

Fiese Sprüche in den Kommentarspalten

"Ganz schön eingebildet das Gretel", "Die soll lieber wieder zur Schule gehen", "Geht die mir mit ihrem Gesabbel auf die Nerven" – auf Facebook kommentieren immer wieder Nutzer die Berichterstattung über Greta Thunberg negativ. Sie deuten an, dass Greta eine "Marionette" sei und fragen: "Wer agiert im Hintergrund?"

Entertainer Detlef Steves schimpfte zum Beispiel auf seinem Facebook-Kanal, nachdem Greta den Hambacher Forst im Rheinland besucht hatte: "Jetzt reicht es mir! Eine 16 jährige beweint den Hambacher Forst? Die sollte lieber beweinen, dass ihr Freund auf einer Party mit ner anderen geknutscht hat." In den Kommentaren unter diesem Beitrag sind abermals gehässige Kommentare zu lesen.

Was treibt die Greta-Hater an?

Warum nur pöbeln erwachsene Menschen im Internet gegen ein 16-jähriges Mädchen, das sich für die Rettung des Planeten engagiert? Was treibt sie dazu, immer und immer wieder zu betonen, dass Greta doch lieber wieder in die Schule gehen solle, dass sie "nerve", dass sie "gruselig aussehe" und "manipuliert" werde?

Greta Thunberg hat niemandem etwas getan. Seit knapp einem Jahr kämpft die Jugendliche dafür, dass die Welt sich bewusst macht, welche katastrophalen Folgen der Klimawandel haben wird. Sie mahnt, sie demonstriert, die mobilisiert – sind das Gründe, sie zu hassen?

Greta Thunberg hält Rede beim Weltklimagipfel

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Greta hat doch Recht!

Vor allem ist vollkommen unstrittig, dass Greta Thunberg inhaltlich Recht hat. Ja, wir ruinieren diese Welt! Ja, wir schaden uns dabei selber! Ja, wir müssen handeln! Ist alles richtig, ist alles mehrfach wissenschaftlich belegt.

Greta Thunberg engagiert sich dafür, eine Botschaft in die Welt zu tragen, die wichtig ist, die wir alle hören sollten – und tausende drehen genervt den Kopf weg. Inzwischen stehen auf Supermarkt-Parkplätzen sogar Sportwagen mit "Fuck you, Greta!"-Aufklebern auf der Heckscheibe. Hass gegen eine Jugendliche in einer Dimension, die man nicht begreifen kann.

Greta möchte aufrütteln, sie hat mehrfach gesagt, dass sie will, dass die Menschen Angst bekommen. Wer sich die Kommentare im Internet anschaut, bekommt den Eindruck, dass sie das geschafft hat – und die Angst sich auf merkwürdige Wege Bann bricht.

Ein Erklärungsversuch

Wir wissen nicht, was die Greta-Hater antreibt. Vielleicht liegt es ja daran, dass die junge Schwedin uns den Spiegel vorhält und an unangenehme Wahrheiten erinnert. Möglicherweise kränkt es Menschen, dass Greta in ihren jungen Jahren mehr tut, als manch anderer in seinem ganzen Leben.

Vielleicht ist es ja auch die Angst vor Verboten. Wer denkt, er habe ein Anrecht auf Diesel-SUV und Billig-Nackensteak, der kann es natürlich mit der Angst zu tun bekommen, wenn eine 16-Jährige alles Schädliche verbieten lassen möchte. Aber ist diese Angst nachvollziehbarer als die Angst vor steigenden Meeresspiegeln, Hitzetoden, Waldbränden und Millionen Klima-Flüchtlingen? Vielleicht macht man sich mal darüber Gedanken!

Selbst wenn man gerne ein bequemes und vom Konsum bestimmtes Leben leben möchte; und selbst wenn man nicht für die Rettung des Planeten auf Annehmlichkeiten verzichten möchte; ja sogar selbst wenn man gar nicht an den menschengemachten Klimawandel glauben sollte: Auf Greta Thunberg rumzuhacken ist die billigste und schäbigste Art, sich zu entblößen.

Wer als erwachsener Mensch aus Angst vor einer 16-Jährigen ausfällig wird, sagt damit mehr über sich selber aus, als über Greta!


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