Greta Thunberg: Ihr Segeltörn ist klimaschädlicher als ein Flug – na und?

Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg ist im Segelboot auf dem Weg nach Amerika. Ihre Reise sei CO2-neutral hieß es im Vorfeld – Kritiker werfen ihr nun vor, dass es klimafreundlicher gewesen wäre, zu fliegen. Wie die Rechnung geht und warum das vollkommen egal ist, erklären wir hier.

Ihre Ankündigung hat die Welt fasziniert: Greta Thunberg (16) reist nach Amerika – klimaneutral! Weil die junge Schwedin nicht fliegen will, hat sie sich für eine harte Überfahrt in einem Segelboot entschieden.

Nun werfen Kritiker Greta vor, sie hätte doch einfach ein Flugzeug nehmen sollen. Wenn man genau hinschaut, würde ihre Reise im Boot mehr CO2 ausstoßen, als ein simpler Transatlantik-Flug.

Warum wäre ein Flug klimafreundlicher gewesen?

Die Rechnung geht so: Die Rennyacht "Malizia II" muss nach der Überfahrt wieder von Amerika nach Europa überführt werden. Dafür fliegen fünf Angestellte nach New York. Außerdem steigt auch Profisegler Boris Herrmann, der Greta gerade nach Amerika fährt, ins Flugzeug – er wird von New York aus nach Europa zurückfliegen. Macht unterm Strich sechs Transatlantik-Flüge.

Nun meinen Kritiker, Greta hätte mit ihrem Vater zusammen einfach hin und zurück fliegen können – das wären dann vier Transatlantik-Flüge gewesen. Das Argument: So wäre Greta letztlich geflogen, aber klimafreundlicher gereist.

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Warum das Argument vollkommen absurd ist

Zugegeben: Die Rechnung ist sehr simpel und es steckt sicher etwas Wahres dahinter. Und man könnte sicher auch noch krasser rechnen – schließlich sind extra Reporter angereist, die Gretas Abfahrt begleitet haben und auch die Vorbereitungen der Überfahrt waren sicher nicht komplett CO2-neutral. Na und?

Bei dieser Diskussion wird ein wichtiger Punkt vergessen: Greta geht es vor allem darum, ein Zeichen zu setzen. Sie selber möchte CO2-neutral nach Amerika reisen – das hat sie geschafft. Ja, es gibt Klima-Kollateralschäden, aber sie selber ist umweltfreundlich gereist – und das ist die Message, die sie loswerden wollte.

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Es geht nicht um die Reise, es geht um ein Zeichen

Während viele andere nur schwätzen, hat Greta einen Weg gesucht und gefunden, um klimaneutral nach Amerika zu kommen. Das ist das Signal und die Botschaft, die die 16-Jährige aussenden will. Natürlich kann nicht jeder von uns einfach klimaneutral nach Amerika segeln – aber Greta hat gezeigt, dass sie mit Rückgrat und Überzeugung für sich einen Weg finden kann.

Dass bei der knallharten Analyse rauskommt, dass die fliegenden Mitarbeiter die CO2-Bilanz unterm Strich in die Höhe treiben, ist schade. Nun haben Kritiker wieder einen neuen Angriffspunkt gefunden – es sind genau die Menschen, die ihr Vorwürfe machen, wenn sie im Zug sitzt und vor ihr Wurstpackungen aus Plastik auf dem Tisch liegen. Hier werden gezielt Haare in der Suppe gesucht, um Greta vorzuführen und zu beweisen, dass auch sie nicht perfekt ist.

Greta ist Aktivistin, nicht Reisebloggerin

Warum nimmt Greta Thunberg überhaupt die Strapazen auf sich, in einer Rennyacht zwei Wochen über den Atlantik zu schießen? Geht es ihr wirklich um eine klimaneutrale Art, zu reisen? 

Ja, schon – aber letztlich ist die Segel-Reise nur Mittel zum Zweck. Denn vor allem möchte Greta unsere Aufmerksamkeit. Die junge Schwedin ist keine Reisebloggerin, sondern Aktivistin – sie sucht Wege, die Öffentlichkeit zu erreichen. Und das hat sie mit ihrer Segel-Überfahrt geschafft: Auf der ganzen Welt haben Menschen hingesehen, als Greta in England abgelegt und die beschwerliche Reise auf sich genommen hat.

Wenn wir schon Gesamt-Abrechnungen machen wollen, dann könnte man ja auch einmal überlegen, was sie mit dieser Öffentlichkeit bewirkt. Wenn sie nur zwei Menschen weltweit durch ihre Öffentlichkeit zum Umdenken bewegt, die deswegen auf einen Transatlantik-Flug verzichten, wäre die Bilanz schon wieder neutral. Aber lasst das bloß nicht die Greta-Hater hören, die müssten gleich wieder ein neues Haar in der Suppe suchen …

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