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Griechenland: "Warum ich auch mit Nein gestimmt hätte"

Griechenland: "Warum ich auch mit Nein gestimmt hätte"
© Bicanski/Getty Images
Katerina Tsimplostefanaki (49) wurde als Kind griechischer Eltern in Deutschland geboren und zog nach dem Studium nach Kreta, um als Lehrerin zu arbeiten. Die Krise trieb sie wieder zurück.

BRIGITTE: Was denkst du über das Nein der Griechen?

Katerina Tsimplostefanaki: Ich find's okay - ich hätte auch so gewählt, wenn ich das Wahlrecht hätte.

Warum?

Weil die Sparauflagen der Geldgeber nur die Armen und den Mittelstand getroffen haben. Als Erstes wurden die Gehälter im Öffentlichen Dienst gekürzt, daraufhin kam alles ins Stocken. Wer nichts mehr erwirtschaftet, kann auch nichts zurückzahlen. Und wenn jemand 50 Jahre lang hinkt, kannst du ihn nicht von heute auf Morgen zum Sprinter machen. Das wurde falsch angepackt.

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Sind also die Geberländer schuld an der griechischen Misere?

Die Schuldigen sind die alten Regierungen. Sie haben Vetternwirtschaft betrieben, waren korrupt, haben sich bereichert und sich ihre Sitze im Parlament erkauft - ihren 'kleinen Platz an der Sonne', wie ich immer sage.

Was muss jetzt passieren?

Die Griechen müssen umdenken, jeder für sich. Sie sollten die Fehler nicht bei anderen suchen, sie sollten sich vielmehr fragen: Was habe ich dazu beigetragen? Man redet sich ganz schön raus. Ein bisschen Selbstkritik wäre gut.

Was kommt nun auf die Griechen zu?

Ob mit oder ohne Euro: Ich sehe 50 Jahre Dunkelheit.

Warum bist du vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland zurückgekommen?

Es war nicht mehr auszuhalten in Griechenland. Die Leute standen unter Druck, wurden teilweise depressiv und sind aufeinander losgegangen, das Zusammenleben wurde immer schwieriger. Meine Freunde und meine Familie sagen, seit du weg bist, ist es noch viel schwerer geworden.

Willst du eines Tages wieder zurück?

Ich will nicht mehr zurück. Vor fünf Jahren habe ich in Griechenland als verbeamtete Gymnasiallehrerin noch 1300 Euro netto verdient. Bevor ich vor zweieinhalb Jahren zurück nach Deutschland kam, waren es nur noch 800 Euro.

Wie geht es deinen Freunden und Verwandten in Griechenland?

Die Griechen haben ein schlimmes Leben, seit vier Jahren geht es bergab und es wird nicht besser. Durch die Steuererhöhungen sind viele Ersparnisse weg, das Bargeld ist knapp. Ältere ernähren oft die Jüngeren mit, die Leute auf dem Land versorgen ihre Familien in der Stadt. Wer einen Schrebergarten oder ähnliches hat, hat Glück. In den Städten hungern die Menschen!


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