Halloween? Zur Hölle!

An Halloween ziehen bald wieder Horden von Kindern mit Eiern und Rasierschaum bewaffnet von Tür zu Tür. Ist das süß? Nein, gruselig, meint BRIGITTE.de-Redakteurin Michèle Rothenberg.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe nichts gegen Kürbisse. Ich finde sie lecker und mag ihren rustikalen Charme. Ich habe auch nichts gegen das Verkleiden. Ich bin sogar einer der wenigen Menschen, die gerne auf Motto-Partys gehen, und die Dracula-Zähne in meiner Schreibtischschublade beweisen, dass auch ich schon Halloween gefeiert habe. Und es war lustig, echt!

Trotzdem habe ich mit Halloween ein Problem. Vermutlich hätte ich es nicht, wenn der 31. Oktober ablaufen würde wie in den Hollywood-Filmen: freundliche Eltern, liebevoll verkleidete Kinder, Nachbarn mit Monsterkörben voller Süßigkeiten – kurz: viel Hui, und wenig Buh.

Doch ich wohne nicht in Santa Barbara, sondern in Hamburg Altona. Und da lief Halloween im letzten Jahr so ab:

Ich saß mit meinem Mann vorm Fernseher und war gerade dabei, langsam wegzudämmern, als plötzlich jemand Sturm klingelte. Meiner erster Gedanke war: "Oh Gott, das Kind wacht auf!" Mein zweiter: "Verdammt, das ist ein Notfall, mindestens die Polizei, wenn nicht die Feuerwehr." Denn wer sonst würde um 22 Uhr so energisch klingeln - und jetzt auch noch an die Tür trommeln? Ich riss die Tür auf und blickte in drei Halbstarkengesichter mit schlecht geschminkten, hohlen Augen.

"Ey. Süßes oder Saueres, Mann!" Dreckige Lache. "Äh, was? Ach so, ja. Nein, wir haben gar nichts, sorry." "Oh Mann, scheiße Alter, komm schon!" "Nein, wirklich nicht." "Wir nehmen auch Bargeld!" Noch mehr dreckige Lache. Im Hintergrund fing unsere Tochter an zu brüllen. Ich wurde wütend. "Ihr habt's doch gehört, verzieht euch jetzt mal." Ich drückte die Tür zu, offenbar gerade rechtzeitig, denn im nächsten Moment hörte ich, wie etwas dagegen geworfen wurde. Und zerbrach.

Ein Ei! Diese Möchtegern-Freddy-Krügers haben mir tatsächlich ein Ei an die Tür geklatscht. Und nicht nur das. Am nächsten Tag fanden wir Rasierschaum im Treppenhaus und auf allen Fahrradsatteln, noch mehr Eier auf den Autos, umgestürzte Mülltonnen. Im Park nebenan war eine Bank abgefackelt worden.

Eine Ausnahme? Vielleicht. Aber es ändert nichts daran, dass mir diese erpresserische Bettelei grundunsympathisch ist. Ich meine, da versucht man den Kleinen mühsam Respekt beizubringen, und dann soll ich es plötzlich süß finden, wenn mir ein Zehnjähriger mit "Scream"-Maske und Plastikmorgenstern Schlagsahne in den Briefkasten sprüht? Nur weil ich ihm nichts schenken will?

Nein, ich gönne wirklich jedem Kind den Verkleidungsspaß, aber ich zwinge andere ja auch nicht zum Mitspielen. Süßes gibt's von mir jedenfalls nicht mehr - auch auf die Gefahr hin, dass ich mir damit als Spießerhexe den bösesten aller Halloween-Flüche auflade. Ich stelle schon mal den Feuerlöscher bereit.

Text: Michèle Rothenberg

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