Irre, auch Frauen können Technik!

Die Ingenieurin Isis Wenger posierte für ihren Arbeitgeber auf einem Werbeplakat - und erntete dafür sexistische Kommentare. Jetzt geht sie in die Offensive.

Isis Wenger arbeitet als Ingenieurin bei einer IT-Firma. Und das - Überraschung! - sogar gern: "Mein Team ist großartig. Jeder ist schlau, kreativ und witzig." Mit diesem Zitat und einem Porträtbild von ihr bewirbt das Unternehmen OneLogin derzeit in San Francisco und in sozialen Netzwerken offene Stellen.

Die Werbekampagne bekam viel Aufmerksamkeit. Nur leider aus den falschen Gründen. Denn Isis Wenger wurde für das Plakat angefeindet - sie sei "zu sexy" für eine Ingenieurin, habe den "falschen Gesichtsausdruck". Die heftigen Reaktionen überrumpelten sie - auch wenn sie schon zuvor als Frau in der Technikbranche mit Stereotypen konfrontiert wurde.

"Ich habe diese Aufmerksamkeit nicht gewollt und sie ist mir ziemlich unangenehm", schreibt Isis in einem Text, der auf der Website Medium veröffentlicht wurde. Sie könne kaum fassen, dass ihr Bild - mit genügend Kleidung, kaum Make-Up und ungekämmten Haaren - solch eine Kontroverse ausgelöst habe.

Mit Sexismus in der IT-Branche hat sie jedoch auch schon vor der Werbekampage Erfahrungen gemacht. So erzählt sie von dem Mann, der sie im Büro mit Dollarscheinen bewarf. Oder dem Mann, der ihr in einer SMS vorschlug, "friends with benefits" zu sein - sich also ab und an für unverbindlichen Sex zu treffen.

Auch wenn beide keine schlechten Menschen seien, wie sie betont, seien diese Situationen jedoch beispielhaft für ein tiefergreifendes Problem. Deren vermeintlich "verspielt-harmloses" Verhalten sei dafür verantwortlich, dass sich Frauen in der männerdominierten IT-Branche noch zu oft unwohl fühlen. Sie wolle damit niemanden anprangern, sondern vielmehr klar machen, "dass wir alle Menschen sind und dass es gewisse Verhaltensmuster gibt, die niemand in seinem Arbeitsumfeld tolerieren müssen sollte".

Statt sich zu verkriechen, fasste sich Isis ein Herz und ging in die Offensive. Sie fotografierte sich selbst, veröffentlichte das Bild bei Twitter, startete den Hashtag #ILookLikeAnEngineer und forderte andere Frauen auf, es ihr gleich zu tun:

Damit will Wenger die Vorstellung davon, wie ein Ingenieur auszusehen hat, neu definieren und zeigen, wie vielfältig - und weiblich - die Technikbranche ist. Der Beweis ließ nicht lange auf sich warten:

Weil sie so viel Resonanz auf ihre Aktion bekommen hat, arbeitet Isis jetzt an einer eigenen Website zu dem Thema - einer Plattform, auf der Menschen sich über ihre Erfahrungen austauschen können. Und dabei könnt ihr mithelfen. Denn ja: Auch Frauen können Technik.

Nicole Wehr

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